Interview mit dem Berufsreiter Andreas Kleemann

Der Hagener über seine Selbstständigkeit als mobiler Bereiter

Der Berufsreiter Andreas Kleeman hat sich eine Marktlücke zu Nutze gemacht und, trotz der Wirtschaftskrise, seinen Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut.

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist nie ein leichter. Es gibt viel zu bedenken, und das Risiko scheint hoch, gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise. Vor allem in Berufssektoren, deren Einkommenserwartung bereits in wirtschaftlich gut gestellten Zeiten schon als verhältnismäßig gering einzustufen sein dürfte, ist die Ablösung von einem (mehr oder minder) gesicherten Angestelltenverhältnis ein schwer kalkulierbares Risiko. So auch im Bereich der Berufsreiterei. Der 28-jährige Hagener Andreas Kleemann hat trotz aller Risiken den Schritt gewagt und sich als Mobiler Bereiter selbstständig gemacht. Im nachfolgenden stellt er sein Konzept vor und berichtet von den Vor- und Nachteilen der Selbstständigkeit.

suite101: Hallo Herr Kleeman. Wann haben Sie sich selbständig gemacht und was hat Sie dazu bewogen?

AK: Ich bin seit Dezember 2008 selbstständiger Berufsreiter. Der Schritt in die Selbstständigkeit wurde motiviert von den Vorteilen, die das für mich mit sich brachte. So bin ich mein eigener Chef, kann selbstständig Entscheidungen treffen. Auch kann ich mir meine Zeit einteilen, wie ich das möchte.

suite101: Welche Ausbildung haben Sie?

AK: Ich habe zunächst Pferdewirt – Schwertpunkt Zucht und Haltung gelernt, diese Ausbildung dauerte drei Jahre. Danach ist es möglich, ein weiteres Ausbildungsjahr anzuhängen, so dass ich nun zusätzlich Pferdewirt – Schwerpunkt Reiten bin.

suite101: Für viele ein Traumberuf. Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Man muss fit und gesund sein. Wichtig ist die Arbeitseinstellung, man braucht Leute, die anpacken können. Auch muss jedem klar sein: geregelte Arbeitszeiten sind ein seltener Luxus, wenn man mit Tieren arbeitet. Und die Verdienstmöglichkeiten sind – gemessen an Arbeitsaufwand und Risiko – verhältnismäßig gering.

suite101: Was hat Sie auf die Idee gebracht, das Konzept des Mobilen Bereiters anzubieten und was genau umfasst ihr Angebot?

AK: Ich hatte Kontakt zu einigen Kollegen, die dieses Konzept anboten. So kam ich erstmals auf die Idee. Parallel dazu wurde ich unabhängig voneinander von einigen Reitern angesprochen, so dass ich aufgrund der Nachfrage das Potenzial auch für meine Region erkannte. Ich stamme zwar aus Hagen, habe aber auch Kunden in Schwerte, Breckerfeld, Iserlohn, Dortmund, Menden, Halver, Wiblingwerde, Fröndenberg und Schalksmühle. Wie der Name schon vermuten lässt, fahre ich zu den Kunden auf die Anlange, gebe dort Reitunterricht, einzeln oder in der Gruppe. Dazu nehme ich Pferde in Beritt, sprich ich bilde sie weiter aus oder reite sie Korrektur. Also kurz gesagt: Die Aus- und Weiterbildung von Reiter und Pferd.

suite101: Bei den heutigen Spritpreisen, die jeden Autofahrer mit Schrecken zur Tankstelle fahren lassen, ist da ein Geschäftskonzept wie das Ihre rentabel?

AK: So lange sich die Spritpreise noch so halten, ist es machbar. Sollten sie allerdings noch weiter ansteigen, so sehe ich mich gezwungen, mir die Anfahrt extra bezahlen zu lassen. Ich versuche mir die Termine möglichst strategisch zusammenzulegen, so dass ich nicht zuviel hin- und her fahren und nur innerhalb einer Stadt von Stall zu Stall pendeln muss.

suite101: Wer sind ihre Kunden und warum interessieren die sich für Ihr Angebot?

AK: Sport- und Freizeitreiter, Anfänger bis Fortgeschrittene. Mein Kundenstamm ist bunt gemischt. Ein Pferd zu halten ist ein teures Hobby. Die Pferdebesitzer möchten ihre Tiere möglichst günstig unterstellen und suchen sich so oft kleinere Ställe. An denen gibt es dann aber häufig weder einen fest angestellten Reitlehrer noch geregelten Reitunterricht – und da komme dann ich ins Spiel.

suite101: Gibt es Probleme mit der Konkurrenz? Wenn mehrere Reitlehrer an einem Stall arbeiten?

AK: Bis jetzt ist mir derartiges erst an einem Stall passiert. Normalerweise gibt es da keine Probleme.

suite101: Macht sich auch in der Reiterei die allgemeine Wirtschaftskrise bemerkbar?

AK: Nein, dieser Kelch ist glücklicherweise an mir vorübergegangen.

suite101: Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

AK: Für ihr liebstes Hobby haben die Menschen immer noch ein wenig Geld übrig.

suite101: Ein risikoreicher Beruf, den Sie da haben. Was passiert, wenn Sie unfallbedingt ausfallen?

AK: So was darf am Besten nicht passieren. Glücklicherweise habe ich eine Kollegin, die für die Zeit meines Ausfalls meine Kunden mitbetreuen würde. Doch ein Restrisiko bleibt: werden mir die Kunden treu bleiben?

suite101: Kein Job den man ein Leben lang machen kann. Wie sieht die Altersplanung aus?

AK: Ich hätte gerne irgendwann meinen eigenen Stall. Zur Zeit versuche ich mir noch ein zweites Standbein aufzubauen, denn vor allem in den Wintermonaten läuft das Geschäft eher schleppend. Viele der kleineren Ställe haben nur einen Reitplatz, und bei gefrorenem Boden kann nicht geritten werden.

suite101: Welche Nachteile bringt die Selbstständigkeit mit sich?

AK: Nun, man hat natürlich keine geregelten Arbeitszeiten, eigentlich hat man nie richtig frei. Es gibt immer irgendwas zu tun. Und natürlich das Risiko, das krankheits- bzw. unfallbedingter Ausfall mit sich bringt.

suite101: Trotz aller Risiken und aller Arbeit, haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit jemals bereut?

AK: Nein, bereut habe ich es nie.

suite101: Was würden Sie anderen raten, die sich, unabhängig von der Branche, auch mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit tragen?

AK: Dass Sie sich diesen Schritt gut überlegen. Es ist mit viel Arbeit und enormen finanziellen Risiken verbunden. Aber wenn man hart arbeitet und ein bisschen Glück hat, dann lohnt es sich auf jeden Fall, einen Versuch zu wagen.

suite101: Eine letzte Frage. Was ist das schöne daran, Reitlehrer zu sein?

AK: Ich mag die Arbeit mit Menschen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn jemand zum Beispiel ein Problem mit seinem Pferd hat oder bei der Ausbildung nicht weiterkommt, und ich kann dann helfen. Aber das schönste ist die Arbeit mit den Pferden. Wie sagt man doch so schön: das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.

suite101: Vielen Dank für das Interview.

Kontakt zu Andreas Kleemann.

Katrin Jahn, Katrin Jahn

Katrin Jahn - Katrin Jahn, Jahrgang 1984, lebt in Hagen (Westfalen). 2009 erlangte sie den akademischen Grad eines Bachelors der Anglistik/Amerikanistik ...

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