Mit makabren Kurzgeschichten und Novellen hat sich Markus Korb innerhalb der Horrorszene etabliert. Aktuell ist sein Erzählband "Grausame Städte 2" im Blitz-Verlag erschienen.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen, Herr Korb. Würden Sie sich bitte allen Lesern, die Sie noch nicht kennen, kurz vorstellen?
Geboren wurde ich am 2. Mai 1971 in Unterfranken/Bayern, wo ich heute noch lebe und arbeite. Mit dem Schreiben von Prosa habe ich mit 10 Jahren begonnen, weil ich mich damals über einen Sonntagsnachmittagsfilm geärgert hatte und es besser machen wollte.
Zunächst veröffentlichte ich in Fanzines und Anthologien, was ich heute noch gerne ab und an mache, sofern es meine Zeit zulässt. Im Jahr 2002 betätigte ich mich als Herausgeber einer Poe-Hommage-Anthologie „Jenseits des Hauses Usher" (BLITZ), der im Jahr 2003 meine erste Buchpublikation „Grausame Städte" (BLITZ) folgte. In den Jahren folgten dann weitere Bücher, allesamt Storykollektionen bis auf einen Episoden-Roman („Das Arkham-Sanatorium), der in Zusammenarbeit mit Tobias Bachmann entstand.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren verfassen sie ausschließlich Kurzgeschichten und Novellen, obwohl Erzählbände weitaus weniger Leser finden. Weshalb schreiben Sie dennoch keine Romane?
Nun, ich denke, dass die Form der Kurzgeschichte für das Genre der unheimlichen Phantastik besser passt als ein Roman. Beim Roman ist es schwierig, das Gefühl der Verstörung, der Bedrohung, der Realitäts-Verzerrung über die gesamte Lauflänge aufrecht zu erhalten. Allzu viele Romanciers schweifen in andere Genres ab, berichten beispielsweise ausufernd über die Lebensumstände des Protagonisten oder Ähnliches. Damit wird der Horror-Roman zeitweise zum Drama, manchmal gar zur Seifen-Oper. Dann sollte man den Roman nicht Horror-Roman nennen, sondern nur „Roman", das wäre dann kein Etikettenschwindel.
Aber ich sperre mich nicht dagegen, irgendwann einen Roman zu veröffentlichen, dann halt keinen reinen Horror-Roman.
Die deutschsprachige Phantastik kann inzwischen vor allem im Bereich der Fantasy, aber auch der Science-Fiction, mit etablierten Namen wie Andreas Eschbach, Wolfgang Hohlbein oder Markus Heitz aufwarten. Im Horrorbereich hingegen dominieren nach wie vor ausländische, allen voran amerikanische Autoren. Woran liegt es Ihrer Ansicht nach, dass trotz der Beliebtheit des Horrorgenres deutsche Horrorliteratur immer noch im Schatten von Stephen King & Co steht?
Die amerikanische Kultur hat Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sehr geprägt. Davon ist auch die Literaturlandschaft nicht ausgeklammert worden. Dazu kommt, dass man in Deutschland zunächst nach dem Krieg nichts von Phantastik wissen wollte. Aufbruchsstimmung, Bewältigung des Nachkriegsalltags, später das Wirtschaftswunder - all das waren die vorrangigen Themen, geboren aus den Notwendigkeiten und den Zeitumständen, was damit verständlich wird.
Doch die Hauptschuld an der Tatsache, dass es einen Bruch in der Phantastik-Literatur in Deutschland gab, trägt Adolf Hitler. In der Weimarer Republik und auch davor gab es bereits einen wahren Boom an sogenannten „Seltsamen Geschichten", sprich unheimlicher und andersgearteter Phantastik. Namen wie Gustav Meyrink, Franz Kafka, Hanns Heinz Ewers oder Alexander Frey sind nur eine kleine Auswahl an Autoren, die in dieser Zeit publizierten.
Das war ab 1933 vorbei. Viele Bücher phantastischen Inhalts wurden verbrannt, auf den Index gesetzt, verboten. Davon hat sich die deutsche Autorenschaft und auch die Leserschaft niemals ganz erholt.
Später (nach dem Zweiten Weltkrieg) führte die deutsche Phantastik in Heftromanform noch ein Schattendasein, wurde aber niemals von der Masse der Leser ernst genommen.
Splatterfilme wie „Saw" oder „Hostel" sorgen auf Grund der drastischen Gewaltdarstellungen für Empörung, das „Halloween"-Fest begeistert inzwischen auch in Deutschland Kinder und Jugendliche, die Heavy-Metal-Band „Lordi" gewann 2006 in martialischen Zombie- und Dämonenkostümen den Song Contest. Kurzum: Das Horrorgenre ist fester Bestandteil der Kultur geworden. Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie diese Entwicklung?
Diese Entwicklung, sofern sie tatsächlich von Bestand ist, finde ich interessant und ich beobachte sie mit Aufmerksamkeit. Ich hoffe, dass das Horrorgenre in Zukunft mit weniger Aufgeregtheit betrachtet wird, als das noch in den 80er und 90er Jahren der Fall war. Selbst heute muss man sich teilweise noch dafür rechtfertigen, dass man „so ein widerliches Zeug" schreibt.
Immer wieder werden Stimmen laut, unsere Gesellschaft verrohe zusehends und werde zunehmend gewalttätiger. Sahen Sie sich jemals Vorwürfen ausgesetzt, Ihre Geschichten würden Gewalt verharmlosen oder gar glorifizieren?
Nein, gottlob nicht.
Gerade Horrorliteratur reizt vermeintliche Grenzen aus. Existieren für Sie dennoch persönliche Tabus?
Sicher gibt es für mich Tabus, die liegen aber weniger im Thema, sondern in der Art und Weise, wie ich es darstelle.
Viele Menschen schreiben Geschichten, aber nur wenige davon schaffen den Sprung zu veröffentlichten Autoren. Welche Tipps oder Ratschläge möchten Sie hoffnungsvollen Nachwuchsautoren geben?
Sei selbstkritisch, überarbeite deine Storys vielfach, lies sie dir laut vor, glaub an dich - und bleib bescheiden dabei.
Zu guter Letzt eine unvermeidliche Frage: Woher beziehen Sie bloß Ihre Ideen?
Aus der Realität im Verbund mit meinem Chaos in kreativen Hirnbereichen.