Horror-Kult-Regisseur David Cronenberg („Die Fliege“) und Hollywoodstar Robert Pattinson („Twilight“) präsentierten dem Berliner Publikum Ende Mai 2012 gemeinsam ihren Film „Cosmopolis“. "Robsessed"-Fans campierten bereits eine Nacht zuvor vor dem Kino International und begrüßten ihren Vampir aus „Twilight“ mit Gekreische vor dem roten Teppich der Deutschland-Premiere, einige reisten extra aus dem Ausland an. Robert Pattinson nahm sich außerordentlich viel Zeit für Fotos und Autogramme. Als Eric Packer stellt er in „Cosmopolis“ einen satirischen, reichen und rigorosen Finanzjongleur dar. Pattinson-Fans sehen ihr Idol fast in jeder Einstellung des Films. Unterwegs zu einem Friseurtermin fährt er an einem April-Tag im Jahre 2002 in einer Stretchlimo durch die 47. Straße Manhattans. Das Innere der Limousine gleicht seinem Seelenleben. Demonstrationen gegen Globalisierung und die Fans des verstorbenen, zu Grabe getragenen Sufi-Rappers Brutha Fez lassen Erics Friseurtermin zu einer 24stündige Irrfahrt werden, geprägt von Sex mit Älteren (Juliette Binoche), Gewalt und Mord.

Suite101-Autor Martin Döringer traf einen schlagfertig besonnenen und äußerst natürlich sympathisch wirkenden Robert Pattinson in Berlin für ein Interview im Hotel De Rome.

Torten-Attacken spielen sich in Pattinsons Filmen und nicht in seinem wahren Leben ab

„In meiner Karriere gab es bisher noch nicht die Situation, dass mich jemand mit einer Torte attackierte. Gott sei Dank, denn das hätte sonst ein böses Nachspiel! In „Wasser für die Elefanten“ spielte ich komischerweise eine ähnliche Szene, wie in Cosmopolis. Aber ansonsten, nein, nicht das ich wüsste – höchstens in einem metaphorischen Sinn. Eric Packer betrachtet die gesamte Welt sehr abstrakt. Als Egoist lebt er in sein tiefstes Inneres zurückgezogen. In dieser Welt existiert die Realität nicht. Packer versucht, die Kontrolle über sich und seinem Körper zurück zu erlangen, bis er sie am Schluss komplett aufgibt. Ich musste mir sehr viel Text merken. Ich dachte, die Zeilen würden aus meinem Kopf verschwinden, wenn die Szenen abgedreht sind, doch alle Worte sind noch da, das gesamte Skript kann ich noch auswendig! David Cronenberg sagt, DeLillos Buch ist wie die Bibel, es gibt für jede Gelegenheit ein Zitat! Die Bedeutung DeLillos Worte wird mir immer bewusster. Es gibt Passagen, die mich geradezu verfolgen – besonders die Szene mit Samantha Morton, wo wir uns über die Zukunft unterhalten.“

Auf DeLillos und Cronenbergs „Cosmopolis“ muss man sich einlassen, sonst wird es ennuyant!

„Anfangs war ich unsicher, das Filmangebot von David Cronenberg anzunehmen, da ich befürchtete, es könnte ziemlich langweilig werden, denn die Leute in „Cosmopolis“ unterhalten sich ausschließlich in einem Auto und wenn du DeLillos Worten nicht folgst, verlierst du den Anschluss.

Folge DeLillos Worten, oder du verlierst dich in „Cosmopolis“ und es bleiben dir alleinig ein paar schöne Bilder. Manchmal verstand ich David Cronenbergs viele, seltsame Ideen nicht immer im ersten Moment. Sobald du dich aber darauf einlässt, siehst du das Ganze!"

Robert Pattinsons macht sich Gedanken über Menschen, die in zwei Realitäten leben

„Mittlerweile sah ich „Cosmopolis“ drei Mal. Erst beim zweiten Mal konnte ich mich wirklich darauf einlassen und war vollkommen perplex! Einiges aus dem aktuellen tagespolitischen Geschehen beschäftigte mich beim Drehen nicht, beispielsweise die Occupy-Wall-Street-Bewegung – darüber machte ich mir keine Gedanken. Als wir die Protest-Szene mit 200 an meiner Limousine schüttelnden Statisten drehten, die aufs Dach kletterten und mit aller Gewalt versuchten, den Wagen umzukippen, da saßen wir drin und konzentrierten uns auf unseren Dialog. Es war so einfach, das Drumherum zu ignorieren! 200 Leute versuchen dich im Grunde gerade umzubringen und du vergisst es einfach. Das ist doch wahnsinnig! In der Wirklichkeit sehen wir solche Ereignisse jeden Tag im Fernsehen. Wenn du ihn abschaltest, vergisst du bereits, was gerade draußen in der Welt passiert. Es ist doch beängstigend: Tausende von Menschen kämpfen mit Occupy für eine Sache und all ihre Strapazen haben holistisch keine Auswirkungen auf diejenigen, gegen die sich ihre Demonstration richtet. Vor einigen Jahren las ich ein Buch über Sklaverei, indem beschrieben wurde, wie unmenschlich die Sklavenhalter tagsüber zu ihren Sklaven waren. Abends unterhielten sie sich mit ihren Sklaven dann über Theologie und Gott – da sieht man, wie ein Mensch in zwei konsistent verschiedenartigen Realitäten leben kann.“

Robert Pattinson bereitete sich auf seine Rolle mit Serienkiller-Interview vor

„Ich war auf der Suche nach einer Stimme, als ich mich auf die Rolle von Eric Packer vorbereitete und schaute mir das Interview zwischen dem Serienmörder Jeffrey Dahmer und seinem Vater an. Das ist zutiefst traurig. Man fragt sich allerdings, wie man mit so einer Kreatur überhaupt Mitleid haben kann. Wenn man sich die Greueltaten Dahmers vor Augen führt, spaltet sich in solchen Momenten das eigene emotionelle Geflecht von der Lebensgeschichte, der Realität dieser Person. Zufällig stellte sich am Ende des Drehs heraus, dass Paul Giamatti genau dasselbe Interview für seinen langen Schlussmonolog als Inspiration nutzte.“

Robert Pattinson engagiert sich nicht öffentlich politisch und versteckt sein Geld unterm Bett

„In der Öffentlichkeit engagiere ich mich nicht politisch. Ich möchte den Menschen nicht sagen, was sie zu tun haben. Ich bilde mir eine eigene Meinung, aber ich werde mich davor hüten, den Menschen zu sagen, was sie zu tun haben. Von Wirtschaft habe ich wenig Ahnung, mein Geld verstecke ich unterm Bett. In meiner Generation wird die aggressive Apathie geteilt, nicht zur Wahl zu gehen, aber sich gleichzeitig zu ärgern, dass alles langsam und sicher an Bedeutung verliert. Das ist doch ridikül! Die Menschen machen sich ihre Welt selbst! Beispielsweise das Occupy-Phänomen: Selbst wenn man nicht mit der Botschaft konform geht oder sich nicht mit den Inhalten wiederfindet, finde ich es toll, dass sich trotzdem ein paar Menschen engagieren.“

  • „Cosmopolis“ startet bundesweit am 05. Juli 2012 im Verleih der Falcom Media Group