Interview mit Tanja Szewczenko

Die Schauspielerin und Eiskunstläuferin im Gespräch

Neben ihrer Fernsehserie "Alles was zählt" wird die dreimalige Deutsche Meisterin nun auch wieder bei den Premieren der neuen Show von Holiday on Ice zu sehen sein.

In einem Gespräch erzählt Tanja Szewczenko von dem Wechsel aus ihrer Sportkarriere zum Schauspiel.

Im Januar 2001 hatten Sie ihren offiziellen Rücktritt vom Eiskunstlauf erklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Sie dreimal Deutsche Meisterin (1994,95,98), gewannen 1994 neben der Meisterschaft die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Japan und nahmen in Lillehammer an den Olympischen Spielen teil. Wie schwer war der Abschied vom Wettkampf und der Wechsel auf die Bühne und vor die Kamera?

Tanja Szewczenko: Der Abschied hat sehr lange gedauert, weil ich so 1999 akzeptieren musste, dass ich auf grund meiner Fußverletzung keinen Leistungssport mehr machen darf. Und das war mit sehr viel Wehmut verbunden. Ich durfte in der ersten Zeit kein Eis mehr um mich herum haben und sehen. Ich dachte mir, okay diese Karriere ist nun zu Ende, ich werde nie wieder Schlittschuhe anhaben. Auf zu neuen Ufern. Dann habe ich mich in die Schauspielerei reingearbeitet. Schauspiel war etwas, was ich schon immer machen wollte. Ich fand Marika Rökk ganz toll und wollte so werden wie sie. Ich habe dann auch viel gemacht, unter anderem in Bad Godesberg Theater gespielt. Das war meine erste große Rolle. Dann Unter Uns und verschiedene andere Fernsehrollen. Da habe ich mich wohlgefühlt.

Sie gaben am 14. Dezember 2002 ihr Theaterdebüt in Bonn als Robin in dem Stück Ein Ehemann zur Ansicht von Lawrence Roman. Der Regisseur Herr Ullrich sagt über Sie; dass Sie ausgezeichnet waren. Wie sehr hilft die eiserne Disziplin, die sie durch Eiskunstlauf erworben haben, als Schauspielerin weiter?

Ich glaube generell, wenn man wie ich Sport gemacht hat, prägt das einen fürs ganze Leben. Man erhält eine unheimlich große Disziplin. Hinzu kommt noch meine persönliche Einstellung. Ich habe durch die Jahre beim Eiskunstlauf gemerkt - keinen Preis ohne Fleiß. Das geht einfach nicht. Es fällt kein Meister vom Himmel. Und wenn man etwas gerne machen möchte, muss man sich anstrengen, konzentriert arbeiten und sich so an die Dinge heranarbeiten. Ich habe schon oft von Leuten gehört, dass ich unheimlich diszipliniert sei. Aber mir kommt das gar nicht so vor. Für mich ist das das Normalste der Welt. Ich weiß einfach, okay, hier habe ich jetzt zu arbeiten, das macht mir Spaß, also Augen und Ohren auf.

Nach Unter Uns sind Sie nun in Alles was zählt zu sehen. Dort haben Sie sich wieder auf die Eisfläche begeben. Wie kam es dazu, dass Sie ihren Sport und das Schauspiel nun so perfekt vereinen können?

Ich habe ja schon vorher dreieinhalb Jahre für RTL und Grundy Ufa gearbeitet. Da wurde 2005 die Idee geboren, eine neue Serie zu drehen. Man suchte nach einem neuen Konzept und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, wieder aufs Eis zu gehen. Ich konnte es mir vorstellen, weil ich gerne zeigen wollte, wie Eiskunstlaufen funktioniert und man kann so viele Geschichten erzählen. Ich war dann auch bei der gesamten Konzeptentwicklung dabei und das war richtig spannend Jetzt ist es natürlich ganz toll. Ich habe nun das Gefühl, dass musste alles so passieren, auch meine Fußverletzung. Jetzt schließt sich der Kreis und ich kann beides verbinden. (lacht) Ich habe jetzt manchmal das Gefühl, dass ich es auf meine Art geschafft habe, ein bisschen so zu werden wie Marika Rökk.

Also Marika Rökk auf dem Eis.

Genau

Nun werden Sie bei Holiday on Ice in der Produktion Elements bei jeder Premiere auftreten. Wie lässt sich das mit dem Drehplan vereinbaren? Und wie schaffen sie es, diesen verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden?

Das Gute daran ist, dass ich seit anderthalb Jahren, was Stress und mehrere Dinge im Kopf zu haben angeht, gut geschult bin. Da ich ständig mein Eistraining, die Drehs auf dem Eis und die Texte im Kopf habe. Alles was zählt hat mir ermöglicht, nun einige Tage weniger zu drehen, da ich anderthalb Jahre nur für die Serie gearbeitet habe. Damit ich nun auf beiden Hochzeiten tanzen kann und noch einmal in den Genuss komme, live zu laufen. So ist es momentan eine wunderbare Mischung. Ich kann beides machen.

Empfinden Sie Holiday on Ice auch deshalb als angenehm, weil der Druck des Wettkampfs entfällt?

Ich habe es immer geliebt, vor Publikum zu laufen. Ob nun Preisrichter dabei waren oder nicht. Beim Wettkampf ist natürlich das Spannende, ob alles funktioniert, welchen Platz man erreicht oder ob man eine Medaille bekommt. In der Show hat man einen größeren Entertainmentfaktor. Von der künstlerischen Seite her ist man viel freier. Man muss keine Regeln befolgen, man kann mehr experimentieren und man kann anders mit dem Publikum spielen. Ich freue mich jetzt auf diese Show, dieses Entertainment. Das war für mich schon immer das Wichtigste. Rauszugehen und ein Stück dieser Leidenschaft, die ich in mir spüre, auch an das Publikum weiterzugeben. Dass sie vom Alltag abschalten und genießen können.

Werden die Zuschauer Sie noch einmal auf der Theaterbühne erleben können?

Ich hoffe sehr, und ich hatte auch schon unterschiedliche Angebote. Momentan bin ich zeitlich so eingegrenzt, dass es absolut nicht machbar ist. Aber ich denke, in Zukunft wird man mich noch einmal auf der Theaterbühne sehen. Das ist auch live, wie jetzt bei Holiday on Ice. Man muss auf den Punkt fit sein, man muss seine Texte können und sehr körperlich sein auf der Bühne. Theaterspielen ist etwas sehr Feines.

Frau Szewczenko, vielen Dank für das Gespräch.