Intuition - Graubereich menschlichen Wissens und Verhaltens

Entscheidungen treffen: intuitiv oder analytisch - Vwalakte / Dreamstime.com
Entscheidungen treffen: intuitiv oder analytisch - Vwalakte / Dreamstime.com
Das Unbewusste - die Intuition - beherbergt ungeahnte Wissensschätze. Wer fähig ist sie freizulegen, kann wahre Wunder vollbringen.

Wer hat es nicht schon selbst einmal am eigenen Leib erfahren und intuitiv gehandelt: sich auf sein "Bauchgefühl“ - wie der Volksmund es nennt - verlassen. Etwa beim Überholen im Straßenverkehr, wo schnell eine Entscheidung getroffen werden muss, ohne lange nachzudenken und Informationen heranzuziehen: Schaffe ich den Überholvorgang rechtzeitig bevor Gefahr droht durch den Gegenverkehr? Die gleiche intuitive Verhaltensweise etwa auch beim Überqueren der Fußgängerampel. Man nennt es auch die Macht des Unbewussten, die einfach Handeln lässt in bestimmten Situationen. Das Unbewusste vermag meist mehr zu leisten als der analytische Verstand. Oft wird dieses "Bauchgefühl“ mit Vorurteilen belegt und verunglimpft. Nachdem im 19. Jahrhundert das Unbewusste zu einer Art Rumpelkammer für verdrängte Affekte und Schuldgefühle verkommen ist, vor allem durch den Psychoanalytiker Sigmund Freud, arbeiten Forscher heute an der Rehabilitation des impliziten Wissens und daran, wie das Gehirn den ständigen Abgleich von unbewussten Bekanntem und bewusst Neuem bewerkstelligt.

Intuition in der Pychologie und wie sie verstanden wird

Die Intuition ist eine Begabung, relativ schnell eine brauchbare Entscheidung treffen zu können, ohne die zugrunde liegenden Zusammenhänge im Ganzen zu verstehen. Oder anders ausgedrückt: Intuition ist die Fähigkeit, Eigenschaften und Emotionen in Sekundenbruchteilen unbewusst oder bewusst umfassend und instinkthaft zu erfassen. Intuition steht daher in engem Zusammenhang mit der inneren Logik der Gegebenheiten und mit früheren Erfahrungen. Im Unterbewusstsein jedes Menschen lagern ungeahnte Wissensschätze, aus denen er täglich schöpft, ohne es zu merken. So macht der Verstand nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Wissens aus, das sich aus Informationen zusammenfügt. Auch die Intuition ist ein Abruf von Informationen, die irgendwann über die fünf Sinne wahrgenommen und gespeichert wurden. Eine besondere Form der Intuition ist der Geistesblitz, bei dem unerwartet ein neuer Gedanke entsteht, der dann beflügelt. Eben, wie es die Eingebung tut.

Gute Intuition ignoriert Informationen

Der Preis für den Einsatz der Intuition ist der Verzicht auf bewusstes Wissen, denn gute Intuition ignoriert Informationen. Die Intelligenz des Unbewussten besteht darin, in der jeweiligen Situation "richtig“ zu reagieren. Im allgemeinen vertrauen Menschen gerade bei schwierigen und komplizierten Entscheidungen ihrem analytischen Verstand viel mehr als ihrem Bauchgefühl. Doch wer intuitiv handeln und vorgehen will, darf sich nicht der Gelegenheit hingeben, über sein Handeln erst einmal nachdenken zu wollen. Meist fehlt es dazu ohnehin an Zeit. In brenzlichen Situationen ist dem rationellen Kalkül oft nicht zu trauen, da es anfällig für Fehler ist. Der Verstand braucht einen unbewussten Berater, der ihm im richtigen Moment kompetent zur Seite steht. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, das Nachdenken zu vernachlässigen und sich blindlinks auf sein Gefühl zu verlassen. Das Gehirn muss dem intuitiven Entscheider schon ein paar Faustregeln mit an die Hand geben.

Das Unbewusste im Menschen war es seit jeher, das den Graubereich menschlichen Wissens und Verhaltens als mystisches Gebilde, das schwer zugänglich ist, erscheinen ließ. Heute weiß man um den ständigen Abgleich des Gehirns zwischen unbewusst Bekanntem und bewusst Neuem. Während die linke Hirnhälfte Bewusstsein und konzentriertes Denken verwaltet, entzieht sich die rechte Hälfte solcher Rationalität. Sie agiert gefühlsbezogen – intuitiv. Die Praxis bestätigt im Nachhinein immer wieder, dass von der rechten Hirnhälfte reichlich profitiert wird, obwohl der Intuition nach wie vor misstraut wird.

Dass der Intuition vermehrt gehorcht wird, zeigt folgendes Beispiel: Eine Gruppe von Managern wurde befragt, welche Voraussetzungen sie sich für wichtige Entscheidungen wünschen. "Genauere Informationen“ nannten 60 Prozent, 57 Prozent der Befragten wollten "mehr Zeit“, beides Bedingungen, auf die Menschen bei intuitiven Entscheidungen verzichten. 47 Prozent der Manager gaben jedoch an, besonders erfolgreiche Entscheidungen "eher intuitiv“ getroffen zu haben. Der Grund hierfür ist inzwischen nachgewiesen: Zu vieles Nachdenken kostet nur unnötige Zeit und verschlechtert das Resultat. Neulinge auf dem Gebiet der Intuition sollten allerdings in Ruhe überlegen und alle möglichen Konsequenzen ihres Handeln in Erwägung ziehen.

Quellenangabe: Intuition: Rational entscheiden

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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