
- Investmentfonds: billig oder teuer? - Andreas Morlok/pixelio
Der Bundesverband Investment und Assetmanagement (BVI) preist Investmentfonds als besonders transparente Anlageform. Kein Wunder: Der BVI ist der Zentralverband der Fondsindustrie. Und trotzdem hat er Recht. Irgendwie. Denn es stimmt: Anlagestrategie und Kostenstruktur von Fonds müssen aufs Genaueste ausgewiesen werden und sind auf verschiedenen Finanzinformations-Seiten im Internet leicht zu überprüfen.
Das Problem dabei: Die wenigsten Anleger dürften genau wissen, was eine Perfomance Fee ist. Oder dass die Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote) gar nicht alle Kosten abdeckt. Dabei sollten sie besser genau auf die Kosten ihrer Geldanlage achten.
Die Unterschiede zwischen teuren und billigen Investmentfonds
Der Buchautor Gerd Kommer hat ausgerechnet, wie stark sich die Wertentwicklung eines billigen und eines teuren Investments unterscheiden: Wer 10.000 Euro in einen Fonds investiert, der pro Jahr 0,35 Prozent des Anlagevermögens pro Jahr als Gebühr verlangt, der hat - bei durchschnittlich zwölf Prozent Wertsteigerung pro Jahr vor Abzug der Kosten - nach zehn Jahren 30.200 Euro und nach 20 Jahren 91.400 Euro. Wer aber 10.000 Euro in einen Fonds investiert, der 2 Prozent Gebühren pro Jahr verlangt, der steht nach zehn Jahren mit 25.900 Euro Euro da und nach 20 Jahren mit 67.300 Euro. Das sind 36 Prozent weniger als beim günstigeren Fonds - trotz gleicher Wertsteigerung vor Kosten.
Also, die 24.000-Euro-Frage: Was kosten Fonds? Suite101 gibt einen Überblick.
Der Ausgabeaufschlag - teuer, aber reduzierbar
Der Ausgabeaufschlag wird beim Kauf vieler aktiv gemanagter Investmentfonds fällig: Der Anleger zahlt einen einmaligen Aufpreis (Agio) auf den Rücknahmepreis eines Fondsanteils. Die Ausgabeaufschläge für Rentenfonds sind generell geringer als für Aktien- oder Immobilienfonds, wo der Aufschlag oft fünf Prozent und mehr erreicht. Der Ausgabeaufschlag fließt in der Regel als Provision an die Bank, die den Fonds verkauft. Daher kann es sich lohnen, mit dem Bankberater um den Aufschlag zu feilschen. Oder direkt die Bank zu wechseln: Viele Direktbanken bieten Fonds mit reduziertem Ausgabeaufschlag an. Bei speziellen Fondsdiscountern sind sogar lange Listen von Fonds erhältlich, bei denen der Ausgabeaufschlag komplett wegfällt. Von diesen Rabatten zu unterscheiden sind Fonds, die von Haus aus ohne Ausgabeaufschlag angeboten werden. Für diese Fonds verlangen die Gesellschaften in der Regel eine höhere Verwaltungsgebühr als für Fonds mit Ausgabeaufschlag.
Die Verwaltungsgebühr - die jährliche Belastung
Sie wird gelegentlich auch Verwaltungsvergütung genannt und geht an die Investmentgesellschaft - für das Management des Investmentfonds. Die Gebühr wird jedes Jahr dem Fondsvermögen entnommen und sind schon mit der ausgewiesenen Fondsrendite verrechnet.
Die Depotbankvergütung - Sicherheit kostet Geld
Die Fondsgesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, ein Kreditinstitut mit der Verwaltung der von ihnen ausgegebenen Fondsanteile zu beauftragen. Die Aufbewahrung der Fondsanteile getrennt vom sonstigen Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft soll dem Anlegerschutz dienen, kostet aber auch Geld - die Depotbankvergütung. Diese ist allerdings in der Regel geringer als die Verwaltungsgebühr und liegt im Durchschnitt bei etwa 0,2 Prozent pro Jahr.
Die Performance Fee - leistungsabhängige Vergütung für das Fonds-Management
Manche Fonds erheben zusätzlich zur normalen Verwaltungsgebühr eine leistungsabhängige Performance Fee, die anfällt, wenn ein vorher definierter Vergleichsindex über ein Jahr hinweg geschlagen wurde. Sie wird wie die Verwaltungsgebühr dem Fondsvermögen entnommen.
Die Transaktionskosten auf Fondsebene
Wann immer ein Aktienfonds Wertpapiere kauft oder verkauft, fallen dafür Börsengebühren an. Diese Gebühren werden aber in keinem der bisher aufgezählten Kostenpunkte berücksichtigt. Sie sind daher für Anleger nur schwer durchschaubar.
Der Bid-Ask-Spread beim Aktienhandel
Aktien werden immer für einen etwas höheren Preis gekauft als verkauft. Dieser Unterschied ist der Bid-Ask-Spread und die Quelle des Profits für Market Maker, die dafür sorgen, dass Aktien überhaupt zu jedem Zeitpunkt gehandelt werden können. Der Finanzwissenschaftler William Bernstein gibt die Höhe des Spreads mit etwa 0,4 Prozent für große, liquide Werte und bis zu zehn Prozent für sehr kleine Werte an, die nur in geringem Volumen gehandelt werden. Auch Aktienfonds müssen diesen Spread zahlen.
Market-Impact-Kosten
Market-Impact-Kosten entstehen immer dann, wenn sehr viele Wertpapiere auf einmal gekauft oder verkauft werden - wie etwa von großen Aktienfonds. Ein großes Zusatzangebot beim Verkauf und eine große Zusatznachfrage beim Kauf beeinflussen den Preis der Aktie in die eine oder andere Richtung. Auch diese Größe ist nur schwer zu berechnen. Je größer ein Fonds allerdings ist und je obskurer die Aktien, mit denen er handelt, desto höher sind tendenziell die Market-Impact-Kosten.
Die Total Expense Ratio (TER) - enthält nicht alle Kosten
Auch wenn der Ausdruck Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote nahelegt, dass alle Kosten, die ein Fonds produziert, in ihr enthalten sind: Das ist nicht der Fall. Die TER enthält zwar die Verwaltungsgebühr und die Depotbankvergütung - nicht aber die Transaktionskosten auf Fondsebene oder gar exotische Größen wie die Market-Impact-Kosten. Auch eine eventuelle Performance Fee wird nicht eingerechnet, ebenso wenig wie ein Ausgabeaufschlag. Dennoch bleibt die TER ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Kostenstruktur von Fonds.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen qualifzierten Anlageberater - nicht ersetzen kann.
