
- Die Ketzerbraut - Droemer-Knaur
Anfang des 16. Jahrhunderts herrscht eine Zeit des Umbruchs. Das Mittelalter klingt gerade erst aus und die mittelalterliche, stark von der katholischen Kirche gekennzeichnete Weltanschauung, ist noch überaus präsent, obwohl vielerorts allmählich die Neuzeit Einzug hält. In diese stürmische Zeit hat Iny Lorentz die Erzählung der „Ketzerbraut“ angesiedelt, eine Erzählung über Intrigen, Verschwörungen, Verrat, Liebe und Leidenschaft.
Handlung von „Die Ketzerbraut“
Die Münchner Bürgertochter Veva Leibert soll nach dem Willen ihres Vaters nach Innsbruck verheiratet werden. Doch auf dem Weg zu ihrem zukünftigen Gatten, wird der Brautzug überfallen und alle, darunter auch Vevas Bruder, ermordet. Einzig die hübsche junge Frau überlebt und wird von den berühmt berüchtigten Räubern gefangengenommen. Einige Tage später wird sie wie durch ein Wunder durch den Kaufmann Benedikt Haselegner befreit und zu ihrem Vater nach München zurückgebracht. Doch nun gilt sie als „beschädigte“ Ware und nur noch schwerlich ist ein Mann für sie zu finden. So wird bestimmt, dass sie Ernst Rickinger, welcher als Pfaffenfeind und Weiberheld bekannt ist, ehelichen soll. Weder Veva noch Ernst haben hierzu etwas zu sagen. Ernst aber ist den Geistlichen schon länger ein Dorn im Auge. Zudem verbreitete er heimlich die Schriften des Reformators Martin Luther. Dies und Vevas Erbe bringen die beiden in grössere Gefahr, als sie ahnen.
Intrigen, Verrat und Liebe auf historischem Hintergrund
„Die Ketzerbraut“ ist eine gut gelungene Mischung aus fiktiver Geschichte und wahren Begebenheiten, worüber im kurzen Anhang informiert wird. Ein Namensregister befindet sich ebenfalls am Ende des Buches, worin sowohl die erfunden Charaktere, wie auch die historischen Persönlichkeiten wie Martin Luther, Jakob Fugger, Kardinal Cajetanus oder Herzog Wilhelm IV. aufgeführt sind. Auf der Innenseite des Buchumschlages befindet sich zudem eine Karte des frühneuzeitlichen Münchens. Das Glossar der verwendeten, damaligen Begriffe vermittelt dem Leser ebenfalls interessantes Hintergrundwissen. In der Geschichte um Veva und Ernst erkennt man gut den hohen Stellenwert, welche die Kirche und die Geistlichen damals inne hatten und wie der Handel mit Ablassbriefen oftmals ausgenutzt wurde. Hin und wieder ist die Geschichte allerdings nicht ganz hieb und stichfest. So stellt sich etwa die Frage, wieso Veva erst unmittelbar bevor sie zu Ernst nach Augsburg geschickt wird von einer Hebamme untersucht wird, obwohl eine auf die Entführung folgende Schwangerschaft befürchtet wird und diese zu dem Ergebnis schweigt.
Iny Lorentz
Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich das Münchner Autorenehepaar Iny und Elmar Lorentz. In den letzten Jahren gelang es den beiden, einen Bestseller nach dem anderen abzuliefern und ein Millionenpublikum zu begeistern. Insbesondere ihre Erzählung der „Wanderhure“ fand etliche begeisterte Leser und wurde gar verfilmt. Die mitreissende und eingängige Erzählweise sowie der für Iny Lorentz typische historische Hintergrund der Geschichtsstränge zeichnet auch „Die Ketzerbraut“ aus.
Empfehlungen und Kritik
Ohne grosse Vorgeschichte und drum herum geht die Geschichte sogleich ziemlich drastisch los und es baut sich von Anfang an eine Spannung auf. Diese lässt allerdings zur Buchmitte hin etwas nach und für einen Moment glaubt man bereits, alles aufgeklärt und praktisch zu Ende zu wissen. Der Leser wird jedoch eines Besseren belehrt, denn mit einem Mal überschlagen sich die Ereignisse und die fertig geglaubte Erzählung gewinnt noch einmal drastisch an Spannung. Obwohl zuletzt nicht alles absolut schlüssig ist, ist „Die Ketzerbraut“ jedem Leser, der sich für historische Romane begeistert, durchaus zu empfehlen. Auch wer sich für das Leben der einfachen Bürger und Bediensteten zu Beginn des 16. Jahrhunderts interessiert, wird auf seine Kosten kommen. Wie es für Iny Lorentz üblich ist, liegt der Erzählung um Veva eine umfangreiche Recherche zugrunde, welche sie geschickt in die Geschichte einfliessen lassen.
Das Buch:
Iny Lorentz: Die Ketzerbraut, Knaur Verlag 2010. ISBN: 978-3-426-66244-1, Hardcover, 720 Seiten, Preis: 19,99 Euro
