Iny Lorentz: Die Ketzerbraut

Wie ein Kurzurlaub: Ein guter historischer Roman - Oliver Haja / pixelio.de
Wie ein Kurzurlaub: Ein guter historischer Roman - Oliver Haja / pixelio.de
Im Oktober ist im Droemer-Knaur Verlag ein neuer historischer Roman von Iny Lorentz erschienen. Eine Buchbesprechung.

Herbstzeit ist Lesezeit. Pünktlich zum Beginn der kalten Jahreszeit hat Iny Lorentz ihren neuen Roman veröffentlicht und lässt ihre Leser schnell vergessen, dass die Tage immer kürzer und dunkler werden.

München als Kaufmannsstadt

Die junge Veva reist auf Wunsch ihres Vaters, des Kaufmanns Leibert, nach Innsbruck, wo sie Friedrich Antscheller, den Sohn eines Tiroler Handelspartners ihres Vaters, heiraten soll. Unterwegs wird der Brautzug überfallen, ihr Bruder brutal getötet. Veva selbst gerät in die Fänge der Räuberbande, die sie gefangen halten. Wie durch ein Wunder gelingt es einem Freund ihres Bruders, sie zu befreien und zurück nach München und zu ihrem Vater zu bringen.

Hochzeit ohne Romantik

Nach dem Überfall glaubt jeder, Veva habe ihre Unschuld verloren, was weitreichende Konsequenzen für sie hat. Die Familie des Bräutigams zieht das Heiratsversprechen zurück und Vevas Vater zwingt sie zur Ehe mit Ernst Rickinger, der in München alles andere als einen guten Ruf genießt. Veva sträubt sich gegen die Heirat mit Ernst, da sie ihn für einen unverbesserlichen Weiberhelden hält, aber ihr Vater bleibt hart. Veva und Ernst werden in ihrem Elternhaus getraut - schnell, schmucklos, ohne Hochzeitsfest.

Augsburg und die Familie Fugger

Ebenfalls auf Leiberts Betreiben hin zieht das junge Ehepaar nach Augsburg, um von dort aus Geschäfte für Vevas Vater zu führen. Ernst und Veva kommen mit dem erfolgreichen Kaufmann Jakob Fugger in Kontakt, Ernst arbeitet für ihn und erlangt seine Achtung. Aber nicht nur Fugger ist positiv überrascht von Ernst Rickinger, auch Veva entdeckt angenehme Seiten an ihrem Ehemann. Augsburg eröffnet den beiden neue Chancen und es scheint, als könnten sie ihr Glück in der schönen Kaufmannsstadt finden.

Martin Luther bekämpft das Ablassbriefgeschäft

Dass Ernst alles andere als ein leichtfertiger Casanova ist, zeigt sich auch in seiner religiösen Überzeugung und seinem Einsatz, den er leistet. So unterstützt er Martin Luther und kämpft gegen das Geschäft mit den Ablassbriefen, das die katholische Kirche mit starker Vehemenz betreibt. Zuletzt verdankt ihm Luther noch sein Leben.

Erneut ein Unglück

Vevas und Ernsts Lebensglück wird jäh gestört, als Vevas Vater strirbt und das Ehepaar nach München reisen muss, um den Nachlass zu regeln und das Handelshaus weiterzuführen. Denn nicht genug damit, dass sich Ernst gegen die unverschämten Forderungen seines Vater wehren muss. Es wird außerdem von anderer Seite ein Komplott gegen ihn geschmiedet, das ihn sein Leben kosten soll. Es scheint, als würden sich Veva und Ernst verlieren, kaum dass sie sich gefunden haben.

Gute Kombination aus Geschichte und Fiktion

Wieder einmal hat das Münchner Autorenpaar, das hinter dem Namen Iny Lorentz steht, einen Roman geschrieben, der unweigerlich seinen Platz in den Bestsellerlisten finden wird. Besonders gelungen ist bei diesem Buch das Zusammenspiel von historischen Ereignissen und Personen und der fiktiven Geschichte und den dazugehörigen Figuren. Der Leser wird in das Wesen des Ablassbriefgeschäfts eingeführt und erfährt Aspekte, die über das allgemeine Wissen über diese Thematik hinausgehen. Die Macht, die die katholische Kirche damals hatte, zeigt sich in Die Ketzerbraut in ihrem ganzen erschreckenden Ausmaß. Auch kommt man den historischen Personen Martin Luther und Jakob Fugger näher - und all das auf eine äußerst kurzweilige und spannende Art und Weise.

Eventuell zu viel Sex

Auffällig ist, dass in diesem Roman sehr oft das Thema Sexualität angesprochen wird. Iny Lorentz geht in ihren Romanen ohnehin nicht gerade sparsam und sprachlich nicht zimperlich damit um und das passt auch zu der Zeit, über die sie schreibt. In Die Ketzerbraut hätte es ein bisschen weniger Kratzen an dieser Thematik auch getan. Dennoch handelt es sich um einen Mittelalterroman und zum entsprechenden Zeitgeist gehörte der häufige und manchmal auch derbe Umgang mit diesem Thema dazu.

Kurztrip mit Iny Lorentz

Die Ketzerbraut ist eine preiswerte Alternative zu einem Kurzurlaub. Denn auch mit diesem Roman begibt man sich als Leser auf eine Reise. Man streift mit Veva und Ernst durch München, erkundet Augsburg, man durchlebt mit ihnen das 16. Jahrhundert, kämpft gegen Ungerechtigkeiten und hofft auf das große Glück. Das Gute daran ist: Man muss für diese Reise noch nicht einmal einen Koffer packen. Ein bequemer Sessel und eine Tasse Tee oder Kaffee genügen völlig.

Ein herzliches Dankeschön geht an den Droemer-Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Leseempfehlung: Lorentz, Iny: Die Ketzerbraut. Droemer-Knaur Verlag 2010. 720 Seiten. EUR 19,99.

Bildnachweis: © Oliver Haja / pixelio.de

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