Mit dem Erscheinen des iPads von Apple auf dem Markt wurde Amazons E-Book-Reader 'Kindle' von vielen als überholt angesehen. Dies aufgrund des größeren ästhetischen Erscheinungsbilds von Apples iBook-Anwendung und des iPads. Was das anbetrifft, lagen sie nicht falsch. Das Umgehen mit dem iPad mit seinem Touch-screen, der farbigen und illustrativ beeindruckenden iBook-Anwendung und vielem mehr, ist sicherlich viel ansprechender als der im Vergleich dazu eher langweilig anmutenden Kindles. Allerdings in Bezug auf das pure Lesevergnügen, gerade für intensive Leser, scheint Kindle seine Nase immer noch vorne zu haben.
Quantitatives Buchangebot – bis jetzt noch größer bei Amazon
Für jene, die viel lesen und auch nicht so sehr auf die freien Buchproben abzielen, sondern bestimmte Autoren vorziehen, ist Amazon mit seinem Kindle die bessere Alternative. So eindrucksvoll Apples iBook auch ist, die Anwendung kann quantitativ nicht mit Amazon mithalten. Viele Autoren, die im Kindle-Shop erhältlich sind, sind nicht verfügbar in iBook. Als Leser, der bestimmte Autoren bevorzugt, sollte man vor dem Erwerb des iPads prüfen, ob sie in iBooks erhältlich sind.
Ein deutlicher Nachteil des Kindles gegenüber dem iPad ist, dass das weitverbreitete ePub-Format nicht auf dem Kindle gelesen werden kann. Nicht bei Amazon gekaufte Bücher in diesem Format können also nicht ohne Weiteres auf den Kindle überspielt werden. Abhilfe schafft hier die 'Calibre'-Software, die allerdings nur in Englisch zur Verfügung steht. Mit dieser Software können Bücher anderer Formate in das Kindle-Format (AZW) umgewandelt werden. Calibre transformiert Formate auch für andere E-Book-Reader. PDF, DOC, HTML, RTF, JPEG, PNG, BMP, GIF Dateien können über die bei der Kindle-Registrierung zugewiesenen E-Mail-Adresse gegen ein Entgeld (0,99 Dollar pro MB) von Amazon in eine Kindle-Datei umgewandelt und auf dem Kindle gelesen werden.
Kindle – Bücher in Deutsch ab 2011?
Bisher können sowohl bei Amazons Kindle als auch Apples iBook hauptsächlich Bücher in englischer Sprache erstanden werden. Das könnte sich allerdings bald ändern. Laut einer Meldung in Spiegel-Online vom 5. November 2010 ist Amazon in Verhandlung mit deutschen Buchverlagen über ein deutsches E-Book Angebot. Sollten die Verhandlungen erfolgreich sein, könnte Kindle schon 2011 deutsche E-Books vertreiben. Schon jetzt kann man allerdings einige deutsche Bücher im Kindle-Store bei Amazon.com erwerben, indem man 'deutsche kindle books' in die Suchfunktion eingibt.
Leseerlebnis ist langfristig angenehmer auf dem Kindle als dem iPad
Die Lesequalität, die für den intensiven Leser eine größere Rolle spielt, ist bei der neuesten Kindle-Generation durch die Verwendung des neuen E-Ink-Displays, was einen deutlich höheren Kontrast zur Folge hat, im Vergleich zum iPad noch mehr verbessert worden als das beim Vorgängermodel der Fall war.
Die Tatsache der fehlenden Beleuchtung des Kindle-Bildschirms macht, im Unterschied zum iPad, eine externe Lichtquelle notwendig in dunkler Umgebung. Dies allerdings erleichtert gleichzeitig langfristiges Lesevergnügen. Während die Augen beim beleuchteten iPad, genau wie bei einem Computer, schneller ermüden, kann man auf dem Kindle stundenlang ohne Ermüdungserscheinungen der Augen lesen. Auch die variierenden Einstellungsmöglichkeiten für Helligkeit auf dem iPad ändern daran nichts.
Reflektiver Bildschirme des iPad macht Lesen im Sonnenlicht unmöglich
Auch erschwert der reflektive Bildschirm des iPad das Lesen im Sonnenlicht oder auch grellem Tageslicht, während dies beim Kindle nicht der Fall ist. Es spielt hierbei keine Rolle, ob man die Kindle-Anwendung für iPad oder Apples eigene iBook-Anwendung verwendet.
Wenn man aber Zeitungen oder Webseiten von Nachrichtensendern – beispielsweise CNN, der seine eigene Apple-Anwendung gestartet hat – lesen möchte, ist der iPad absolut im Vorteil. Er hat, im Unterschied zum Kindle, ein Farb-Display. Durch den Touchscreen ist das Hin-und-her-Blättern flüssiger im Vergleich zum Kindle. In diesem Bereich ist der iPad ein unvergleichlich größerer ästhetischer Genuss.
Freies 'Whispernet’ mit Kindle
Im Preis des Kindle ist freies 3G mit eingeschlossen, was gegenüber dem iPad preislich einen deutlichen Vorteil schafft. Auch wenn Kindles 3G nicht die Kapazität hat, die der iPad aufweist, muss beim Kindle kein Vertrag mit einem 3G-Anbieter abgeschlossen werden und es fallen keine monatlichen Zahlungen an. Diese Version bietet sich vor allem für jene Leser an, die auch Bücher erstehen möchten, während sie unterwegs sind. Eine billigere Version ist der Kindle Wi-Fi, die sich für Leser anbietet, die eine Wi-Fi-Verbindung zu Hause haben und ihren Kindle eher dort benutzen. Eine größere Version mit größerem Lesefenster ist der Kindle DX mit 3G und Wi-Fi-Verbindung.
Bessere Batterie-Lebensdauer beim Kindle E-Book-Reader
Die Batterie ist beim Kindle deutlich langlebiger als beim iPad. Schaltet man die Verbindung zum Whispernet aus, so hält der Akku des Kindle, abhängig vom Lesevolumen, im Durchschnitt um die zwei Wochen. Beim iPad bewegt sich die Verbrauchszeit im Stundenbereich, auch hier natürlich wieder abhängig von Gebrauchsvolumen.
Es ist keine Frage, dass der iPad mehr Einsatzmöglichkeiten bietet als Amazons Kindle. Bezogen aber auf das Lesevergnügen ist allerdings der Kindle von Amazon vorzuziehen. Ein weiterer Vorteil des Kindle ist seine Handlichkeit. Er ist kleiner und schmaler als ein iPad und so leichter zu handhaben und auf Reisen zu verstauen. Für den ernsthaften, intensiven Leser von Büchern, der manchmal Gefahr läuft die Zeit über einem guten Buch zu vergessen, ist der Kindle sicherlich dem iPad vorzuziehen. Allerdings trumpft der iPad mit seiner Vielseitigkeit auf fast allen anderen Gebieten.
