Irland zum Träumen: "Glanz und Asche" von Frank Delaney

Ideal für Irland-Liebhaber:
Ideal für Irland-Liebhaber: "Glanz und Asche" - Droemer / Knaur Verlag
Frank Delaney hat mit "Glanz und Asche" einen anrührenden und tiefgründigen Roman über die grüne Insel geschrieben. Eine Buchbesprechung.

Frank Delaney greift in seinem Roman Glanz und Asche, der um 1900 spielt, ein für die Iren bis heute aktuelles und brisantes Thema auf: Die Okkupation der grünen Insel durch die Engländer. In Verbindung mit der persönlichen Geschichte seines Protagonisten ist daraus ein schöner Roman über die Liebe, den Wert einer Familie und die Leidenschaft für sein Heimatland geworden.

Harmonisches Familienleben

Charles O'Brien wächst in Irland, in der Grafschaft Tipperary, auf. Seine Kindheit ist behütet und geprägt von familiärer Harmonie: Seine Eltern und sein jüngerer, kranker Bruders stehen ihm sehr nahe, die Familie bildet eine Einheit und man steht füreinander ein. Charles' Eltern haben eine kleine Farm und haben es, wenn auch nicht wirklich zu Wohlstand, so doch immerhin zu einem guten Leben ohne Hunger gebracht. Laut Tradition müsste Charles in die Fußstapfen seines Vaters treten und den Hof seiner Eltern übernehmen, aber obwohl Charles sein Land über alles liebt und stolz ist auf das, was seine Eltern geschaffen haben, fehlen ihm für den Beruf des Farmers sowohl Talent als auch Neigung.

Ein Medicus auf Wanderschaft

Charles' Eltern reagieren auf diese Tatsache völlig untypisch für eine Zeit, in der ein junger Mensch in Bezug auf seine Berufswahl eher nicht nach seinen Wünschen gefragt wurde: Sie entlassen ihn aus seiner Pflicht und geben ihm die Möglichkeit, selbst sein Glück zu machen. Charles nutzt diese Chance und geht bei einem Wanderheiler in die Lehre. Auch hier kann er auf die Unterstützung seiner Eltern zählen, denn anders als heute zahlen im damaligen Irland die Eltern des Lehrlings dem Lehrherrn ein Ausbildungsgeld, nicht umgekehrt.

Ein Beruf wird zur Berufung

Schnell stellt sich heraus, dass dies genau die richtige Entscheidung war. Nicht nur die Medizin ist sein Talent, sondern auch seine Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Charles ist bald überall in Irland geachtet und hat sich, als er allein und ohne Lehrherr auf Wanderschaft geht, bereits im ganzen Land Achtung und Zuneigung erworben.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Auf einer seiner Reisen lernt Charles schließlich die junge April Burke kennen und verliebt sich ungeachtet des doch beachtlichen Altersunterschied unsterblich in sie. Es soll eine lebenslange Liebe werden, die jedoch für sehr lange Zeit einseitig bleiben wird. Charles legt ihr sein Herz zu Füßen, er umwirbt und umkreist sie wie eine Motte das Licht. Aber April zeigt kein Interesse und weist in immer wieder kühl ab.

Ein großes Erbe

Erst als ihr Vater stirbt und sich herausstellt, dass sie einen Anspruch auf Schloss Tipperary hat, das sich in der unmittelbaren Nähe zu Charles' Elternhaus befindet, erinnert sie sich an Charles und macht sich seine Ergebenheit zu Nutze. Aber wird daraus Liebe werden?

Melancholie und Treue zur Grünen Insel

Frank Delaney hat mit Glanz und Asche einen außergewöhnlichen Roman geschrieben, der die Mentalität der Iren sehr genau wieder gibt. Es ist ein leiser Roman, wer auf den großen Knall oder die große Wende wartet, wartet vergebens. Wer sich aber für die Geschichte und die Menschen der wunderschönen und faszinierenden Grünen Insel interessiert, der wird an Glanz und Asche seine Freude haben.

Spannende historische Hintergründe

Der Autor hat eine interessante Erzählperspektive gewählt: Er teilt sie auf zwischen dem Protagonisten Charles O'Brien, der von seinem persönlichen Leben erzählt, einem Aktivisten, der über die Umwälzungen in im damaligen Irland berichtet und einem modernen Erzähler, der als Kommentator fungiert. Auf diese Weise wird dem Leser klar, dass in Irland jeder von den Veränderungen im Land betroffen war und noch immer ist. Die Okkupation Irlands, der Widerstand der Iren gegen die Engländer - diese Themen sind bis heute für die Bewohner der Grünen Insel ein wunder Punkt geblieben.

Schöner Romane für lange Herbstabende

Glanz und Asche ist ein Roman, auf den man sich erst einlassen muss. Er ist nicht spektakulär, aber tiefgründig, unaufgeregt, aber interessant und spannend. Die Figuren sind liebevoll geschaffen worden und vor allem der Protagonist Charles O'Brien und seine Familie erobern mit ihrer liebevollen Art das Herz des Lesers im Sturm. Einzig die Figur April Burke wirkt durch ihre abweisende und berechnende Art zuweilen unsympathisch und anstrengend.

Insgesamt ist Glanz und Asche ein schöner Roman, der vor allem Irland-Freunde begeistern dürfte. Für einen gemütlichen Herbstabend ist er genau das Richtige.

Ein herzliches Dankeschön an den Droemer / Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar.

Leseempfehlung: Delaney, Frank: Glanz und Asche. Droemer / Knaur 2011. 608 Seiten. 9,99 Euro.

Bildnachweis: © Droemer / Knaur Verlag

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