Irvine Welsh - "Drecksau" wird verfilmt

Drecksau - KiWi Verlag
Drecksau - KiWi Verlag
"Drecksau" ("Filth") - Das wohl am meisten kritisierte Werk Irvine Welshs wird 2012 verfilmt. Lässt sich ein Skandal verdoppeln?

Als 1998 der schottische Autor Irvine Welsh „Filth“ (zu Deutsch: Drecksau) veröffentlichte, kurbelte die britische Polizei an der Werbetrommel unabsichtlich mit. Das Bild der schottischen Beamten sei durch die fiktive Hauptperson des Werks buchstäblich durch den Dreck gezogen. In „Drecksau“ berichtet Bruce Robertson als Ich-Erzähler von den alltäglichen Spielchen, die er während seiner Arbeitszeit als Detective Sergeant so treibt. Für Robertson bedeutet das vor allem seinen Frauen verachtenden, homophoben und rassistischen Gesinnungen unverhohlen Ausdruck zu verleihen. Der, mittlerweile Kult-Status genießende, Autor Irvine Welsh hat sich gerade durch seine direkte Sprache einen Namen gemacht. Selbst wem die Dialoge aus Trainspotting, Porno oder Der Durchblicker bekannt sind, wird staunen welche Dichte an Beleidigungen und Erniedrigungen die Gedankengänge des Bruce Robertson aufweisen.

Polizeiarbeit

Eigentlich sollte er sich um die Aufklärung im Mordfall eines dunkelhäutigen Touristen aus London kümmern, doch für Robertson ist die Hautfarbe des Opfers Grund genug die Ermittlungen schleifen zu lassen. Seine Karriere steht über Moralvorstellungen im Beruf und damit das so bleibt, setzt Robertson alles in Bewegung, um in der Hierarchie weiter emporzusteigen. Intrigen schüren, Gerüchte in die Welt setzen und mit nicht nachlassender Arroganz die eigene Unangreifbarkeit ausbauen. Zwischenmenschlich sind ihm nur seine Frau und seine Tochter wichtig, doch die gehören nicht mehr in sein Leben und anstatt mit sich ins Gericht zu gehen, schiebt Robertson alle Schuld seiner Frau zu, besäuft sich bis zur Ohnmacht, ernährt sich schlecht und selbst das Wäsche waschen klappt nicht mehr seitdem Carole verschwunden ist. So dreht sich die Spirale der Verwahrlosung und Verrohung unaufhaltsam weiter. Aus dem perversen Menschenverachter wird zunehmend ein paranoides Wrack und wer sich fragt wie so jemand zur Polizei gekommen ist? Als Kind habe Bruce Robertson mitbekommen, wie die Polizeigewalt gegen die Streikenden der Bergwerke eskalierte, von da an wusste er, da will er mitmachen.

Umsetzung und Besetzung

Diese makabre und den guten Geschmack missachtende Kriminalgeschichte soll nun auf die Kinoleinwände gebracht werden. Trainspotting wurde 1996 von Regisseur Danny Boyle als erste Welsh Erzählung verfilmt und erreichte internationale Erfolge. Ewan McGregor spielte damals die Hauptrolle des Heroin Junkys Mark Renton. 1998 wurden die Kurzgeschichten aus Acid House ebenfalls verfilmt, doch floppte das Werk ungemein. Die Kassen klingelten nicht, die Kritiker blieben ungnädig. Lag es an den unbekannten Darstellern oder eher der zu speziellen Erzählform dreier nicht miteinander verknüpfter Geschichten?

Für die Besetzung von „Drecksau“ engagierten Welsh, der den Film mitproduziert, und Regisseur Jon S. Baird bekannte Namen aus dem Filmgeschäft. Unter anderem spielt Jamie Bell, bekannt als Billy Elliot (I will dance), Komissar Ray Lennox. Des Weiteren stehen bisher fest:

James McAvoy (Bruce Robertson)

Jamie Bell (Ray Lennox)

Imogen Poots (Amanda Drummond)

Joanne Froggatt (Mary)

Shirley Henderson (Bunty)

Kate Dickie (Chrissie)

Pollyanna McIntosh (Size Queen)

Emun Elliot (Peter Inglis)

Gary Lewis (Gus Bain) Und weitere.

Im Januar 2012 beginnen die Dreharbeiten zum Film. Wie Kultautor Irvine Welsh NME begeistert berichtete, habe Regisseur Jon S. Baird die Essenz des Protagonisten eingefangen und dennoch etwas völlig neues aus ihm gemacht. Welsh geht sogar so weit von Magie zu sprechen.

“I think Jon’s definitely done something really sort of magic. He's captured and he's kept the essence of the main protagonist but he’s done a lot of interesting things with it as well.” (Quelle: NME)

Was genau daran "magisch" sein wird, erfährt man wohl erst im Kinosaal. Spekulationen weisen jedoch auf den psychoanalytischen Bandwurm hin, der im Roman die Erzählung stellenweise an sich reißt und Bruce Robertsons Vergangenheit aufarbeitet. Dass der Skandal von 1998 wieder aufflammt, ist beinah absehbar.

Bereits als Buch erschienen: Irvine Welsh - Drecksau

Quellen:

Marius Hoffmann, Marius Hoffmann

Marius Hoffmann - Mit 0 Jahren, 3200g und einem lauten Aufschrei geboren. Das war 1986. Mit 6 eingeschult. Später Gymnasium. 2005: Abitur, ...

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