Wer es sich im Sommer an der Isar gemütlich macht, kommt kaum zum entspannten Sonnenbaden. Denn vom Flussufer aus gibt es viel zu sehen: Da kommt auf der Isar daher, was schwimmen kann und ist bei der nächsten Flussbiegung auch schon wieder weg. Hier braucht keiner sportlich paddeln, denn der Fluss treibt alle von selbst den Lauf hinab – von Bad Tölz bis Wolfratshausen, und wer noch nicht genug hat, schwimmt gleich weiter bis nach München. Hier braucht es nur die pure Lust am kaltem Isar-Nass und heißer Sommerhitze. Gut, wer sich mit Sonnenöl und Kopfbedeckung wappnet. Dem Betrachter am Uferrand jedenfalls wird nicht langweilig, denn das Isarboot-Spektakel zieht sich über den ganzen Tag.

„Kuriositäten-Schifffahrt“ auf der Isar

Da kommt schon das unförmig aufgeblasene Billigschlauchboot aus den einschlägigen Discountläden daher. Meist voll besetzt – jung und alt, lustig drauf und die Balance gut verteilt – wabbelt das Gummiboot vorbei. Den Insassen bleibt nur die Hoffnung, auch am Ziel anzukommen. Im nächsten „Isarschiff“ sitzt das gediegene Ehepaar. Sie im schicken Bikini, am Bootsrand die Füße elegant ins Wasser baumelnd. Er lenkt derweil mit dem Paddel. Dem teuren Vollgummiboot soll schließlich nichts passieren. Dann wird es lauter – Stimmengewirr – das muss ein größerer Haufen sein. Ist er auch. Der organisierte Rafting-Männerausflug kommt vorbeigerudert. Mehrere Stunden sind seit dem Tölzer Einstieg vergangen, der Alkoholspiegel der Flusskapitäne ist entsprechend gestiegen. „Zünftig is“, sagt der Bayer. Gleich danach folgen die Sportler. Er in seinem Kajak, sie in ihrem. Seit rund 15 Kilometern sind sie auf der Suche nach den großen Stromschnellen. Und schließlich gibt es noch die „Freikörperkultur-Fahrer“, kurz FKKler genannt. Sie fühlen sich auf dem Wolfratshauser Streckenabschnitt der Isar besonders wohl. Hier sei man "nackig" zuhause, denn man befinde sich ja schließlich in der „Pupplinger Au“, wo seit Jahrenzehnten jeder herumlaufe, wie ihn Gott schuf.

Im Boot die Isar hinab

Doch es ist tatsächlich nicht ohne Grund so, dass sich dieses Sommervergnügen zum Kult entwickelt hat. Denn es macht Spaß, wenn man frühmorgens das Boot in Bad Tölz ins Wasser lässt, es sich mit Freunden teilt und sich mit ihm treiben lässt. Man hat das Picknick wasserdicht verstaut, sitzt gemütlich auf der Schlauchboot-Kante und sieht die unberührte Flussnatur der Isar langsam an sich vorbeiziehen. Trotz des hohen Andrangs schwimmen die Schlauchboote mit weitem Abstand voneinander und es wird zusehends ruhiger, fernab von jeglichem Autolärm. Über die ganze Strecke – von Bad Tölz nach Wolfratshausen – gibt es keine größeren Gefahrenstellen. Kleine Stromschnellen lassen dem einen oder anderen ein wenig die Nerven kitzeln. Doch überwiegt der Spaß, wenn das kalte Wasser spritzt. Vorsicht ist vor dem Schwemmholz geboten, dass das Hochwasser in die Flussbiegungen schwemmt. Und hier braucht es schon etwas Übung beim Steuern von Schlauchbooten. Zwischendurch gibt es idyllische Sandbankplätzchen zum Pausieren und Baden. Diese Isar-Tour ist jedesmal aufs Neue ein aufregendes Erlebnis, denn das Flussbett verändert sich jährlich. Wer kein eigenes Boot besitzt, kann sich eines leihen. Inzwischen gibt es in München und Bad Tölz genügend Anbieter, die auch An- und Abtransport organisieren.

Seit zehn Jahren fährt Peter Mattmer aus Bobingen mit Familie und Kanu auf der Isar. „Wir sind eine kleine Gruppe von Wildwasserfahrern und kommen jährlich hierher", sagt Mattmer. Kaum würden sie am Endpunkt in Wolfratshausen angekommen sein, würden sie schon die Pläne für die nächste Isartour schmieden, erzählt er.

Die Tour kann ausgeweitet werden. Wunderschön landschaftlich ist es vom Sylvensteinspeicher aus. Dann muss man allerdings bis München irgendwo übernachten - natürlich im Zelt auf irgendeiner Sandbank.