Islam im Senegal - erstaunlich tolerant

Koran und Gebetskette - Volker Qasir/Pixelio
Koran und Gebetskette - Volker Qasir/Pixelio
Der Senegal ist eine Präsidialdemokratie. Der von Sufi Bruderschaften geprägte Islam wird nicht als Staatsform gelebt und zeichnet sich durch Toleranz aus.

Getragen wird der senegalesische Islam hauptsächlich von den sufistischen Bruderschaften. Die vier größten sind die Mouriden, Layenen, Tijanes und Kahdriya.

In der senegalesischen Gesellschaft spielt die Religion eine überaus wichtige Rolle. Dennoch ist der Senegal nicht etwa ein islamischer Staat. Die Staatsform ist präsidialdemokratisch, die Religionsfreiheit ist durch die Verfassung garantiert.

Mit 94% ist der Islam die meist vertretene Religionsform neben 5% Christen und 1% Animisten.

Zusammenspiel von Politik und Religion

Dennoch genießen die Bruderschaften sehr viel Respekt bei den Politikern des Landes. Wahlempfehlungen, von einer der für die Religion bedeutsamen Familien oder von einem Marabout ausgesprochen, haben eine ungeheure Macht auf den Ausgang der Wahlen. Die hochverehrten Marabouts sind sozusagen die "Geistlichen" der Bruderschaften. Sie legen den Koran aus, und verbinden den Islam mit den animistischen Wurzeln der Bevölkerung, in dem sie magische Schutzriten oder Beschwörungen zelebrieren. Sie führen Koranschulen und fertigen die sogenannten Gris-gris, Schutzamulette in denen sich neben Kräutern und Reliquien durchaus auch Koransuren befinden. Diese werden mit Tinte auf einen abwaschbaren Untergrund geschrieben, dann mit Wasser übergossen, und die so verflüssigte Sure wird dem Gris-Gris zugefügt. Meist hat es die Form eines kleinen ledernen Päckchens.

Friedliches Miteinander

Als ein Land welches über 20 unterschiedliche Ethnien beherbergt ist der Senegal sozusagen auf Toleranz geeicht. Und so wie die vielen Ethnien friedlich miteinander leben, so ist auch ein friedliches Miteinander unter den Religionen gegeben.

Muslimische Kinder dürfen christliche Nachbarn am Weihnachtsfest besuchen um es mit ihnen zu feiern. Christliche Kinder schauen zu den islamischen Festen ihrerseits bei den Nachbarn vorbei.

Sowohl die christlichen Feiertage als auch die Islamischen sind gesetzliche Feiertage. Kirchen stehen friedlich neben Moscheen und es kommt nicht selten zu religiösen Mischehen.

Zwar fühlen sich etliche Christen als Minderheit nicht wirklich wahrgenommen, was durchaus zu Spannungen führen kann. Umfassend ist aber das Miteinander der verschiedenen Konfessionen bewundernswert tolerant und friedlich.

So existieren beispielsweise Friedhöfe auf denen sowohl Christen als auch Muslime begraben liegen, ohne das dies zu Irritationen führen würde.

Religion und Wirtschaft

Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Bruderschaften ist nicht zu unterschätzen.

So ist beispielsweise ein Großteil des Erdnußanbaus in der Hand der Mouriden. Mit der ihnen eigenen Arbeitsphilosophie und den Diensten der Talibé (Schüler), die auf den Feldern ohne Lohn arbeiten, wuchs ihr wirtschaftlicher Einfluss beständig. In früheren Zeiten pflegte ein Talibé nach einer bestimmten Dauer seiner religiösen Dienste ein eigenes Stück Land zu erhalten, was die Bereitschaft zum unentgeltlichen Arbeiten erklärt. Zudem band es seine Familie wiederum enger an die Bruderschaft. Heutzutage ist das Phänomen der Talibé sehr umstritten, einige Stimmen sprechen von "ausgenutzten Bettelmönchen", weil die Talibé sich ihre Nahrung erbetteln müssen. Da aber in senegalesischen Haushalten im Sinne der Gastfreundschaft grundsätzlich mehr Essen zubereitet als wirklich verzehrt wird, ist die Ration für die Talibé hier meist schon einkalkuliert.

Neben der Landwirtschaft spielt die mouridische Bruderschaft auch eine essentielle Rolle im Transportwesen des Landes.

Die Rolle der Frau

Der Islam im Senegal ist nicht nur bezüglich des konfessionellen Miteinanders beispielhaft, auch die Rolle der Frau zeichnet sich durch eine vergleichsweise hohe Freiheit aus.

So gibt es keinen Zwang sich zu verschleiern, auch wenn in der älteren Generation einige Frauen den Schleier noch tragen. Bedeutsam ist dabei die Freiwilligkeit und der Umstand, dass hier weder in der Vergangenheit noch Gegenwart das gesamte Gesicht verborgen werden muss.

Männer und Frauen essen allenfalls bei großen Familienfesten getrennt, im Alltag der meisten Familien speisen sie durchaus gemeinsam.

Trotz einer deutlichen Rollentrennung der beiden Geschlechter ist die Frau innerhalb ihrer weiblichen Rolle sehr machtvoll und autark.

Polygamie und Monogamie

Polygamie ist erlaubt, bei der Heirat legt ein Paar allerdings einvernehmlich fest, ob die Ehe polygam oder monogam gelebt werden soll. Dies wird vertraglich festgehalten und ist bindend.

Viele Männer entscheiden sich für die Monogamie, da die Religion ihnen erklärt es sei von allergrößter Bedeutung mehrere Frauen auch gleich zu behandeln. Hat ein Mann mehrere Ehefrauen, so ist er verpflichtet darauf zu achten, dass sie wirtschaftlich gleichgestellt sind, auch emotional sollte er keine von ihnen bevorzugen.

Der Senegal ist mit Sicherheit unter jenen Ländern, in denen der Islam der Frau die größtmögliche Freiheit bietet.

Vorbildlich

Der Islam - so wie er im Senegal gelebt wird - kann als Vorbild dienen.

Er beweist auf beispielhafte Art und Weise, dass eine Religion grundsätzlich ohne Extremismus auskommen und mit anderen Religionen in fruchtbarem und tolerantem Miteinander existieren kann, ohne dabei an Wichtigkeit oder Glaubwürdigkeit zu verlieren!

Der vielzitierte heilige Krieg wird hier anders interpretiert: Als ein Kampf des geistigen Kriegers, der seiner Religion treu bleibt und sich durch missionarische Bemühungen von Angehörigen anderer Glaubensrichtungen nicht irritieren lässt! Es ist der Krieg gegen die inneren Zweifel. Als solcher ist er frei von Gewalt und Zerstörung.

Andrea Rausch, Andrea Rausch

Andrea Rausch - Ambitionierte Hobby Autorin und Künstlerin. Mehr zur Person erfahren Sie hier: Schreib-Rausch: ...

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