Islamische Philosophie: Kurze Einführung

Eine kurze Einführung, die den Ursprung der islamischen Philosophie klären und einen inhaltlichen Einblick geben soll.

Philosophie wurde in der islamischen Welt schon immer sehr kontrovers diskutiert. Für die einen waren Philosophen Ungläubige, die sich über die Sharia erhoben und sich nicht um religiöse Belange kümmerten. Für andere wiederum war die Philosophie eine sehr wichtige Wissenschaft, wenn nicht die Wissenschaft schlechthin, um mit Gott näher in Kontakt zu treten. Die gesamte Philosophie der islamischen Welt war niemals von der Theologie getrennt. Die arabische Philosophie hatte sich selbst überhaupt als Ziel gesetzt, den Koran philosophisch zu erklären, ihn durch Logik zu beweisen. Hierbei dient die Philosophie eigentlich mehr als Werkzeug, die philosophische Schlussfolgerung, basierend auf der Syllogistik des Aristoteles, um die Lehren des Islam insbesondere gegenüber kritischen Gedanken zu verteidigen und zu erklären.

Zur allgemeinen Entwicklung der islamischen Philosophie

Die islamische Philosophie, oder auch arabische Philosophie, ist an und für sich keine Philosophie, die speziell auf diesen kulturellen Raum zutreffend ist, da sie maßgeblich von der griechischen Philosophie beeinflusst wurde. Im 9. Jahrhundert, wenige Jahrhunderte nach der Entstehung des Islams, begann mit Al-Kindî die sogenannte Übersetzungsbewegung. Da man überhaupt kein Wissen in Logik und Metaphysik besaß, war es notwendig, sich dieses Wissen zu beschaffen. Man berief sich maßgeblich auf Aristoteles, seine Metaphysik und seine Logik. Dies hatte zum einen grundlegende Gründe wie jene, dass man Mathematik und logische System benötigte, um Steuern einzutreiben oder schlichtweg mit Zahlen umgehen zu können. Zum Anderen hatte es den – oben bereits erwähnten – Grund, dass man Skeptiker des Islams zu überzeugen versuchte. Hierbei wurde der artistotelische Syllogismus als hauptsächliches Werkzeug verwendet:

1. Prämisse: Wenn A, dann B

2. Prämisse: Wenn B, dann C

Konklusion: Wenn A, dann C

Es war hierbei notwendig, den Mittelbegriff (B) zu finden, damit ein Argument gültig und schlüssig war. Dies wurde auf die Religion des Islams angewendet. Aus verschiedenen Prämissen, die aus dem Koran oder bestimmten unumstößlichen Begebenheiten gezogen wurden, wurden Schlüsse gezogen, wobei ebenfalls der Mittelbegriff gesucht werden musste.

Beispiele für den Inhalt der islamischen Philosophie

Inhalt der islamischen Philosophie war es, die Lehren des Korans zu verteidigen, für das gemeine Volk zu erklären und Skeptiker zu überzeugen. Eines der Hauptthemen war beispielsweise die Ewigkeit der Welt - eine äußerst kontrovers diskutierte These in der islamischen Welt. Für Al-Kindî (†893), den ersten wirklichen islamischen Philosophen, oder auch Al-Ghazali (†1111), einen Kritiker der Philosophen, stand es fest, dass die Welt nicht ewig war. Durch 6 Postulate (Al-Kindî) über größere und kleine unendliche Körper und die Autorität des Korans (Al-Ghazali) kamen sie zum Schluss, dass es eine Creatio Ex Nihilo ist, die Welt wurde also auf einmal aus Gottes freiem Willen heraus erschaffen. Dahingegen argumentieren beispielsweise Philosophen wie Al-Farabi (†950) und Avicenna (†1037), dass die Welt ewig ist und das Leben in einer Abstufung vom ersten Seienden (die erste Ursache von allem, entspricht Gott) ausfließt. Eine sogenannte Emanation vom ersten Seienden findet statt, wobei das erste Seiende immer schon da war und es notwendig war, dass zu diesem Zeitpunkt die Welt erschaffen wir

Quelle: Rudolph, Ulrich. Islamische Philosophie: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Verlag Beck 2. Auflage (20. Januar 2009)