Die Ideologie einiger islamistischer Gruppen, wie zum Beispiel der Muslimbrüder, ist, dass der Islam ein vollkommenes System für alle Situationen im menschlichen Leben bietet. Die Aussagen des Koran und der Sunna, der Prophetentradition, sind immer und überall gültig. In dem Zusammenhang wird oft von einer „islamischen Ordnung“ gesprochen, wohingegen der Westen als abschreckendes Beispiel wegen seines Materialismus, des Fanatismus, der verrotteten Moral und des Imperialismus gilt. Zudem ist eine Trennung von Staat und Religion inakzeptabel, die Schari’a ist ein wichtiges Kriterium für den islamischen Staat. Vor allem frustrierte junge Männer kämpfen nun für diese Ideale.
Der Islamismus im sunnitischen Islam
Der innerislamische Islamismus der Sunniten richtet sich in erster Linie gegen die Sufisten. Die islamischen Mystiker wollen sich Gott ganz nah fühlen und versuchen, durch asketische oder bewusstseinserweiternde Verfahren Gott als Liebende nah zu kommen. Heute existieren ganze Sufi-Clans, unter deren jeweiligen Angehörigen zum Teil extrem enge Bindungen bestehen (Heiratsabkommen, Handel, etc.).
Der Kritikpunkt der Islamisten ist nun einerseits die Heiligenverehrung der Mystiker, besonders aber der Schiiten, andererseits aber vor allem die innerislamische Abspaltung der Sufis, da die islamische Gemeinschaft dadurch nur noch mehr entzweit wird. Außerdem haben die Sufis ihre eigenen Führer, die wieder vermehrt an politischem und gesellschaftlichem Einfluss gewinnen. Durch diese Spaltung, die schon mit der Trennung zwischen Sunniten und Schiiten und der Zersplitterung früherer islamischer Reiche begonnen hatte, wird eine einheitliche islamische Staatsorganisation niemals möglich. Genau diese aber ist das Ziel, für welches die Islamisten kämpfen.
Der Islamismus im schiitischen Islam
Der schiitische Islam ist oft Opfer von radikalen Islamisten, so wird beispielsweise die Aberkennung der Zugehörigkeit zum Islam von einigen Islamisten gefordert. Den Schiiten würde dann der Status der geduldeten Minderheit, den auch Christen und Juden innehaben, zukommen. Doch auch schiitische Muslime können islamistische Züge vorweisen. So können sie jede Herrschaft anfechten, die nicht ihren jeweils anerkannten Imamen zukommt. In der Regel sind die Muslime zwar dazu angehalten, keine politischen Aktivitäten zum Sturz einer Herrschaft durchzuführen, allerdings kann diese Zurückhaltung auch schnell in revolutionäre Aktionen umschlagen.
Frauen in islamistischen Strukturen
Über Frauen in islamistischen Strukturen, vor allem in Deutschland, ist sehr wenig bekannt, weil sie sich im Verborgenen halten. Allerdings zeichnet sich laut Statistiken des Verfassungsschutzes ein Trend nach oben ab. Meist unterstützen Frauen ihre Männer im Kampf gegen die Ungläubigen, wobei die Mehrzahl der Frauen über das Internet propagiert, Spenden einsammelt oder den im Kampf Verletzten Hilfe leistet. Diese Frauen symbolisieren praktisch das traditionelle muslimische Rollenverständnis der ihrem Mann treu dienenden Frau. Neben diesen eher passiv agierenden Frauen gibt es ein paar wenige Frauen, die auch aktiv im Jihad kämpfen.
Aktive Frauen im Islamismus
Unter den aktiv in islamistischen Kreisen agierenden Frauen sind insbesondere viele Konvertitinnen und in Deutschland aufgewachsene Muslimas, sprich: westlich geprägte Muslime. Aktive Jihadistinnen sind zudem oft jung, auf der Suche nach ihrer Identität, und wollen mit dem Kampf eine Art Rebellion gegen ihre Familie und die Gesellschaft ausdrücken. Diese Frauen lassen sich nicht von dem traditionellen Rollenverständnis irritieren, was vor allem bei den Männern noch auf Verwirrung und Unverständnis stößt. Dennoch ist ein Aufwärtstrend bei islamistischen Frauen erkennbar.
Quellen:
- Texte zur Inneren Sicherheit. Islamismus, Bundesministerium des Innern, Berlin, 2004, S. 7-18
- Frauen in islamistisch-terroristischen Strukturen in Deutschland, Bundesamt für Verfassungsschutz, Köln, April 2011
