Island – Natur pur und Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2011

Geysir Haukadalur - A. Sansone
Geysir Haukadalur - A. Sansone
Das Land aus Feuer und Eis, der Gletscher und der Sagen, stand 2011 mit seiner Literatur im Mittelpunkt der Buchmesse. Perfekt für Liebhaber des Nordischen.

Island, das Land aus Feuer, Eis und Naturgewalten stand 2011 ausnahmsweise einmal mit seiner Literatur im Mittelpunkt und nicht mit seiner Natur.

Die Frankfurter Buchmesse 2011 und Island

Vom 12. bis 16. Oktober 2011 drehte sich in Frankfurt wieder alles ums Buch. Ehrengast Island hat die Frankfurter Buchmesse 2011 als "Sagenhaftes Island" verzaubert. Das versprach der nördlichste Ehrengast, der außerdem mehr als 100 Neuerscheinungen mit bringt. Bereits mit Spannung erwartet wurden die Werke zahlreicher zeitgenössischer Autoren und die Neuübersetzung der Isländersagas (Íslendingasögur), erklärte Buchmesse-Direktor Juergen Boos. Viele isländische Autoren, wie Einar Kárason, Einar Már Guðmundsson, Hallgrímur Helgason oder die "Islandkrimi- Autoren" Arnaldur Indriðason und Yrsa Sigurðardóttir waren vertreten. Einer der besonders eindrucksvollen Romane: Ein Herz so kalt

Island - gletscherblau - sagenumwoben - einige trockene Fakten

Weiß und Blau sind die traditionellen Farben Islands – Wasser und Eis. Das rote Kreuz in der Flagge steht für die Verbindung zu den skandinavischen Ländern, denn im Mittelalter wurde es von Norwegern und Dänen besiedelt.

Geographisch liegt Island knapp südlich des Nördlichen Polarkreises, etwa 250 km südöstlich von Grönland. Die Insel liegt auf dem Reykjanesrücken, dem nordöstlichen Teil des Mittelatlantischen Rückens und übersteigt als einziger größerer Teil dieses Meeresrückens den Meeresspiegel.

Die Fläche der Insel beträgt 103.125 km², davon Landfläche 100.329 km², Wasserfläche 2.796 km². Island hat die geringste Bevölkerungsdichte Europas, gerade mal 2,8 Einwohner kommen auf den Quadratkilometer. Dabei täuscht dies, denn über 92 Prozent der Bevölkerung lebt in den wenigen Städten (Reykjavik 125.000, Kopavogur 22.000, Harfnarfjördur 19.000 und Akureyri 15.000) vorwiegend im Südwesten der Insel. Der Großteil von Island ist hingegen nahezu unbewohnt, aber auch unbewohnbar. Immerhin überziehen den größten Teil der Insel gewaltige Gletscher, 11,5 Prozent der Insel sind von ewigem Eis bedeckt.

Island - ein Fest für Naturliebhaber und Geologen - Eyjafjallajökull, Katla & Co

Neben den Gletschern stechen bei diesem geologisch jüngsten Land natürlich auch noch die Vulkane, 200 insgesamt, hervor. So mancher bereitete nicht nur den Isländern bei seinem Ausbruch Sorgen, sondern legte auch noch gleich den Flugverkehr lahm. Derzeit sorgt der Katla für einiges Kopfzerbrechen: Bricht er aus, oder doch nicht? Geysire sind ein ebenfalls unübersehbares Ereignis , dienen der Inselbevölkerung aber thermisch optimal in ihren unzähligen ausgeklügelten Heizwerken.

Island – gewaltige unberührte und ursprüngliche Natur. Hier kann sich ein der Natur entwöhnter, Technik-gläubiger Mensch noch so klein fühlen, wie er es auch wirklich im Verhältnis ist. Basalte, die aus dem Meer steigen bestaunen, an den Aschelagen der Gletscherränder die Ausbrüche der letzten Vulkaneruptionen verfolgen, den Fumerolen Dampf oder Geister entsteigen sehen. Zusehen, wie Land entsteht und auch wieder schwindet, nirgendwo sonst ist man dem so nah.

Island - die Wiege der nordischen Gottheiten

Wind, Wolken, Regen, das Erbe aus den polaren und tropischen Luftmassen, die sich hier treffen, ein Ausläufer des Golfstroms, der sich mit der kalten Grönlandströmumg das Meer streitig macht – beste Voraussetzungen für schaurig, düsteres Wetter, Stürme, waagrechte Regenschauer, die keine Faser trocken lassen und die Schaffung einer Welt mit Geistern, Göttern und Kobolden. Mythologie, der Mutterboden aller Träume, Urbilder der Menschheitserfahrungen können in so einem Umfeld nicht ausgeprägter sein.

Die Edda, Snorra-Edda und Lieder-Edda, zwei Werke aus Alt-Island in nordischer Sprache, enthalten die Mythologie der Nordgermanen, erzählen von den Göttern, den Zusammenhängen von Götterschicksal und Weltenschicksal. Der Isländer Snorri Sturluson (1179 bis 1241) ist der Homer der nordischen Welt und hat sie der Nachwelt erhalten. Odin, der einäugige Wanderer, Thor, Balder und die Weltenesche Yggdrasil - hier auf Island sind sie nicht tote Worte auf Papier, sondern fühlbar, erfahrbar.

Die Isländersagas

Die einzigartigen Isländersagas (Íslendingasögur) entstanden im 13. und 14. Jahrhundert und erzählen vom Leben der ersten Siedler in Island. Die Schauplätze der Sagas liegen meistens in Island; gelegentlich in anderen nordischen Ländern, aus der die Einwanderer kamen. Die Ereignisse, die in diesen Sagas geschildert werden, handeln von Liebe, und Macht, Recht und Versöhnung, sie berichten von der Entstehung und Bewältigung von Krisen. Sie behandeln die Zeit zwischen der Besiedlung Islands (vor 870) und 1030, in der sogenannten „Sagazeit“. Ihr Stellenwert in der Weltliteratur ist einmalig, da sie Beispiele realistischen Erzählens im Mittelalter darstellen. Ihre Neuübersetzung erschließt uns vergangene Zeiten der Insel und ihrer Ansiedler.

Auf der Frankfurter Buchmesse finden viele Veranstaltungen zu den Sagas, aber auch zu dem isländischen Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness und anderen isländischen Autoren der Vergangenheit und der Gegenwart statt. Frankfurt wünscht mit Island sagenhafte Tage und Nächte.

Literaturtipp: Tor Age Bringsvaerd. Die wilden Götter. Eichborn Verlag. Frankfurt am Main 2001

  • Quellen:
  • buchmesse.de
  • faz.net
  • Der Fischer Weltalmanach 2007. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2006
  • Der große Weltatlas-Europa II. Edition Dolomiten. Athesiadruck 2005
  • Herbert Gottschalk. Lexikon der Mythologie. Heyne Buch. Berlin 1979
Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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