
- Wasserfall - Bubi
Island ist eine Insel voller Geschichte, deren Originalschauplätze auch heute noch existieren. Doch neben der Hauptstadt Reykjavik hat die kleine Republik noch viel mehr zu bieten. Der Nationalpark Thingvellir, 40 km nordöstlich von Reykjavik gelegen, ist ein Ort, an dem die perfekte Kombination von Naturgewalten und Geheimnis umwobenem Mysterium der Vergangenheit aufeinander treffen. Durch die raue, steinige Landschaft ziehen sich tiefe Schluchten und schon von weiten sind die verwitterten und mit Moos überwachsenen Steinmauern zu sehen, die von den Treffen der mächtigen Stammeshäuptlinge erzählen.
Gerechtigkeit am Thing
Schon vor über 1000 Jahren trafen sie am Thinvellir zusammen. Die weisen und mächtigen Familienoberhäupter der bedeutendsten isländischen Sippen. Insgesamt 48 Goden, d.h. Häuptlinge, hatten auf dem „Thing“ einen Sitz und eine Stimme. Hier entschieden sie über Recht und Unrecht, über die Verteilung von Hab und Gut oder die ewige Verdammnis eines Schuldigen. Bis zu 4000 Menschen trafen hier einmal im Jahr zusammen, denn die Goden reisten nie ohne ihre Gefolgsleute auf das Thing. Die Treffen dauerten jedes Jahr gut und gerne zwei Wochen und hatten Volksfest ähnlichen Charakter. Bei den jährlichen Versammlungen bestand die Möglichkeit, untereinander Handel zu treiben oder Ehen zu vereinbaren.
UNESCO-Weltkulturerbe: Der Nationalpark Thingvellir
Der 50 Quadratkilometer große Nationalpark ist um den ehemaligen Thingplatz der Isländer angelegt. Die alte Parlamentsstätte liegt am größten Binnensee des Landes und die Luft an diesem Ort scheint magisch. Große Gesteinsbrocken am Wegrand und ein Wasserfall, der scheinbar aus dem Fels hervorspringt, laden dazu ein, dieses geschichtsträchtige Stück Erde zu erkunden, an dem vor vielen Jahren vor allem Macht und Kraft über Leben und Tod entschieden.
Auch unter der Erde sind gewaltige Kräfte am Werk. Ein kilometerlanger Spalt durch den Nationalpark macht deutlich, wie stark die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte an diesem Fleckchen Erde auseinander driften. Jahr für Jahr entfernen sich die Erdplatten um durchschnittlich zwei Zentimeter.
Der Nationalpark Thingvellir bietet Wanderern Abwechslung und das bezieht sich nicht nur auf das aprilhafte Wetter. An vielen Stelle ist die Möglichkeit gegeben, auf den alten und mächtigen Gesteinsbrocken eine kurze Kletterpartie zu unternehmen.
Seit 1930 ist die Gegend rund um Thingvellir Nationalpark und auch die UNESCO hat den unschätzbaren Wert dieser Parlamentsstätte erkannt und sie daraufhin 2004 in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen.
Die erste freie Republik der Welt
Im Jahr 930 n. Chr. hielten die Isländer zum ersten Mal eine gesetzgebende Versammlung, das so genannte Altthing, ab. Dieses Zusammentreffen war gleichzeitig die Gründung der ersten freien Republik der Welt. Im 13. Jahrhundert verlor das Altthing an Bedeutung, nachdem Island seine Unabhängigkeit zuerst an Norwegen und später an Dänemark verlor. Letztendlich bestand das Altthing jedoch bis 1798. Erst in diesem Jahr löste Dänemark diese bedeutende Versammlungsstätte, an der sich Island im Jahr 1000 vom Heidentum verabschiedete und sich dem Christentum anschloss, offiziell auf. Thingvellir war auch der Platz, an dem am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen wurde und an dem sich 50 Jahre später wieder viele stolze Isländer versammelten, um an diesem historischen Ort ihr Staatsjubiläum zu feiern.
