
- Die Knesset, das Parlament Israels - Gerhard Maier
Der Wunsch der Juden, in ihre alte Heimat zurückzukehren, ist so alt wie ihre Zerstreuung. Die Sehnsucht nach Jerusalem überlebte die Jahrhunderte in der Fremde. Spätestens nachdem im 19. Jahrhundert der Antisemitismus auflebte und es in Russland immer wieder zu antijüdischen Pogromen gekommen war, entstand bei vielen Juden das Bewusstsein, dass eine Emanzipation unter fremden Völkern nicht möglich sei. Aus der Sehnsucht nach ihrer alten Heimat entstand die Idee, einen jüdischen Staat auf palästinensischem Gebiet zu errichten. Der Zionismus war geboren. Aus der Idee wurde eine Bewegung, die bald nicht mehr zu stoppen war.
Die jüdische Besiedlung Palästinas
Der Slogan "Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land", der auf Zionistenkongressen Anfang des 20. Jahrhunderts immer wieder zu hören war, stimmt so nicht ganz, denn selbstverständlich war Palästina schon bevölkert. Hauptsächlich waren es muslimische Araber. Allerdings war es sehr dünn besiedelt und es hatte, mit Ausnahme des Königreichs Jerusalem, das die Kreuzfahrer um 1100 gegründet hatten, seit der Vertreibung der Juden nie einen eigenständigen Staat in diesem Gebiet gegeben. Palästina war immer Teil eines gößeren Reiches, des Oströmischen, jenes der Omaijaden, der Abbasiden, der Fatimiden, der Seldschuken oder der Mamluken. Seit dem Jahr 1518 war es Teil des Osmanischen Reiches.
Im Jahr 1800 lebten etwas weniger als 300.000 Menschen in Palästina, etwa 250.000 waren arabische Muslime, circa 25.000 waren Christen (meist arabischer Abstammung) und eine kleine Minderheit von weniger als 10.000 waren Juden. Im Jahr 1900 lebten, nachdem es 1882 die erste jüdische Alija (Einwanderungswelle) gegeben hatte, knapp 30.000 Juden in Palästina, die Zahl der arabischen Muslime lag bei etwa 450.000. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu weiteren jüdischen Einwanderungswellen. 1909 wurde der Grundstein für Tel Aviv gelegt, 1910 das erste jüdische Kibbuz (Siedlung mit gemeinsamen Eigentum) erbaut, zahlreiche weitere folgten. 1922 entstand die erste jüdische Enklave.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Palästina unter britisches Mandat. Die Spannungen zwischen Juden und Arabern nahmen zu, Ausschreitungen und Terroranschläge auf beiden Seiten häuften sich. Der Versuch der Briten, die jüdische Einwanderung zu beschränken, schlug fehl. Der internationale Druck, in Palästina einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen, nahm stetig zu und nach dem Zweiten Weltkrieg war es nur noch eine Frage der Zeit, wann es soweit war.
Die Gründung Israels
Am 29. November 1947 beschloss die UNO, Palästina in einen jüdischen und einen palästinensischen Staat zu teilen. Der Großraum Jerusalem wurde unter internationale Aufsicht gestellt. Als am 14. Mai 1948 das britische Mandat für Palästina endete, veröffentlichte Israel noch am selben Tag seine Unabhängigkeitserklärung. Daraufhin erklärten Israels Nachbarstaaten sowie der Irak Israel den Krieg. In Folge dieses Krieges wurde ein Großteil der arabischen Bevölkerung aus Israel vertrieben und Israel konnte sein Territorium wesentlich erweitern. Das Gebiet der Palästinenser wurde unter jordanische, beziehungsweise ägyptische Verwaltung gestellt. Jerusalem wurde zwischen Israel und Jordanien geteilt und 1950 von Israel zu seiner Hauptstadt erklärt.
Nach der Staatsgründung Israels folgte eine gewaltige Einwanderungswelle aus allen Teilen der Welt. 1948 lebten gut 600.000 Juden in Israel, drei Jahre später hatte sich ihre Zahl verdoppelt. Unter großen Anstrengungen, mit Finanzhilfen aus dem Ausland und Spenden von Auslandsjuden konnten eine leistungsfähige Industrie und Landwirtschaft sowie eine gut funktionierende Infrastruktur aufgebaut werden. Zehn Jahre nach der Staatsgründung lebten etwa zwei Millionen Menschen im Land. Wirtschaftswachstum und Zuwanderung sollten Israel auch weiterhin prägen.
Die arabisch - israelischen Kriege
Das Existenzrecht Israel wurde von den arabischen Staaten lange, teilweise bis heute nicht anerkannt. Die Lage im gesamten Nahen Osten blieb explosiv und mündete immer wieder in Kriege zwischen Israel und seinen Nachbarn.
- Der Sinai-Krieg dauerte von Oktober 1956 bis März 1957. Er brach aus, nachdem Ägypten den Suezkanal verstaatlicht hatte. Israelische, britische und französische Soldaten besetzten die Halbinsel Sinai und den Gazastreifen. Die Aktion musste auf Druck der USA und der Sowjetunion abgebrochen werden.
- Im Sechstagekrieg griff Israel, um einen sich anbahnenden Angriff seiner arabischen Nachbarn zuvorzukommen, im Juni 1967 Ägypten, Jordanien und Syrien an. In nur sechs Tagen konnten der Sinai, der Gazastreifen, die Westbank und die Golanhöhen besetzt werden. Jerusalem wurde von den Israelis zur Gänze erobert.
- Im Jom-Kippur-Krieg griffen die arabischen Staaten im Oktober 1973 Israel am jüdischen Feiertag Jom Kippur an. Der Angriff konnte zurückgeschlagen werden. In der Folge kam es zu einem, von den übrigen arabischen Staaten scharf kritisierten, Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten.
- Im Libanonkrieg 1982 startete die Israelische Armee als Antwort auf regelmäßige Terrorattacken eine zeitlich begrenzte Militäraktion in den Südlibanon.
- Der Libanonkrieg 2006 begann ebenfalls mit einem israelischen Vordringen in den Südlibanon, um dort die gegen Israel operierende Hisbollah zu schwächen. Die Vereinten Nationen vermittelten einen Waffenstillstand.
- Der Krieg im Gazastreifen 2008 war eine Reaktion Israels auf andauernde Raketenangriffe der palästinensischen Hamas auf israelisches Gebiet. Die 23-tägige Operation wurde am 18. Jänner 2009 mit einer einseitigen Waffenstillstandserklärung Israels beendet.
Israel zwischen Krieg und Frieden
Bis heute ist das Leben in Israel geprägt von der unsicheren Lage im Inneren und im Äußeren. Nach wie vor lehnen Syrien, der Iran und die meisten palästinensischen Organisationen das Existenzrecht Israels ab, immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Palästinensern. Von 1987 bis 1993 gab es die erste Intifada (palästinensischer Aufstand gegen Israel). Sie führte zur Bildung einer palästinensischen Autonomiebehörde. Von 2000 bis 2005 gab es die zweite Intifada. Sie forderte zahlreiche Opfer auf beiden Seiten und endete ergebnislos.
Trotz der instabilen Lage ist Israel ein aufblühendes Land. Mittlerweile leben 7,8 Millionen Menschen in diesem Staat, knapp sechs Millionen davon sind Juden. Die Wirschaft hat sich gut entwickelt, sie wächst beständig. Abgesehen vom Getreide, werden mehr Lebensmittel erzeugt als im Land gebraucht werden und als Urlaubsland ist Israel sehr beliebt. Der Lebensstandard hat längst westliches Niveau erreicht. Israel ist ein Land der Kontraste, modern und historisch. Jeder, der einmal dort gewesen ist, kann bestätigen, es ist ein schönes Land, das sich die Juden hier als ihre neue, alte Heimat aufgebaut haben.
