
- Ist und Soll Zustand am Arbeitsplatz - Stefan Dassler
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Auszubildender A: „Ich bin insgesamt unzufrieden mit meiner Arbeit.“ Auszubildender B: „Warum? Was musst du denn machen?“ Auszubildender A: „Es ist vor allem auch mein Aufgabengebiet. Ich muss seit über einer Woche fast nur Rechnungen und Geschäftskorrespondenz sortieren und ablegen.“
Analyse des Ist Zustands
Manchmal spürt man bei sich einen leichten und unbestimmten Zustand der beruflichen Unzufriedenheit oder des Unbehagens. Hier ist es wichtig, den Ist-Zustand am Arbeitsplatz konkret zu analysieren. Unter Analysefähigkeit versteht man die Fähigkeit, ein bestimmtes Thema (beispielsweise den Arbeitsplatz, den Beruf, das Aufgabengebiet) systematisch zu untersuchen, in seine Bestandteile zu zerlegen und diese auszuwerten.
Wichtige Fragestellungen
Für eine Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes am Arbeitsplatz kann man sich folgende Fragen stellen:
- Wie ist der eigene Arbeits- und Ausbildungsplatz organisiert?
- Wie ist der eigene Arbeitsstil (gewissenhaft, langsam, oberflächlich, schnell)? Sollte man etwas daran ändern? Wenn ja, was?
- Kostet etwas übermäßig Zeit und Kraft?
- Fehlen Arbeitsfreude und Erfolgserlebnisse? Will man noch mehr leisten?
- Ist man mit der eigenen Arbeit unzufrieden? Was könnten die Gründe sein? Welche Probleme und Schwierigkeiten sind belastend?
Überlegungen zum Soll Zustand
Nach der Analyse des Ist-Zustandes geht es darum, sich den erwünschten Soll-Zustand am Arbeitsplatz zu überlegen:
- Wie wünscht man sich die Organisation des eigenen Arbeitsplatzes?
- Wie kann man, ausgehend vom jetzigen Ist-Zustand, die Arbeit effektiver tun?
- Wer kann dabei helfen, den Soll-Zustand zu erreichen?
Bei den Überlegungen zum Soll-Zustand sollte man optimistisch sein und sich eventuell mit Skizzen Planungsvorschläge veranschaulichen.
Erste Trainingsaufgabe
Machen Sie sich Notizen. Führen Sie drei Gründe an, warum Sie im Großen und Ganzen mit Ihrer Arbeit zufrieden sein können. Falls Sie momentan mit Ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind, nennen Sie drei Gründe dafür.
Zweite Trainingsaufgabe
Analysieren Sie den Ist-Zustand an Ihrem Arbeitsplatz, indem Sie bei den folgenden Aussagen jeweils „ja“, „nein“ oder „neutral“ vermerken.
Liste des Unbehagens:
- Unzufriedenheit mit dem eigenen Aufgabengebiet.
- Keine Freude an der Arbeit und rasches Ermüden.
- Suchen von etwas Fehlendem bei der Arbeit macht aggressiv.
- Die ständigen Unterbrechungen im Berufsalltag sind ärgerlich.
- Kein systematisches und durchdachtes Vorgehen bei der Erledigung von Aufgaben.
- Routine und Gewandtheit fehlen.
- Überempfindlichkeit gegenüber Kritik.
- Meckereien von Vorgesetzten.
Überlegen Sie sich gemeinsam mit anderen Auszubildenden eine Liste von Verbesserungsideen zu den Aussagen, bei denen Sie mit "ja" geantwortet haben. Legen Sie dann in der Gruppe die drei Ideen fest, die Sie am leichtesten umsetzen können. Welche Ansprechpartner können Ihnen dabei helfen?
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Sprechen Sie mit vertrauenswürdigen Kollegen darüber, wie Sie Ihr Verhalten am Ausbildungsplatz einschätzen und vergleichen Sie die Aussagen mit Ihrer eigenen Meinung.
- Wenn auf Ihrem Schreibtisch, in oder auf Schränken eine Menge veralte Unterlagen herumliegen, so raffen Sie sich auf und legen Sie diese Unterlagen entsprechend ab oder entsorgen Sie sie.
- Ordnen Sie gegebenenfalls Ihre Unterlagen neu in die Bereiche „Allgemeines“, „Mittelfristige Aufgaben“ und „Langfristige Aufgaben“.
- Wenn Sie die Gründe Ihrer Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz analysieren, teilen Sie in drei Bereiche ein. Unbehagen mit der Arbeit selbst, Unbehagen durch Kollegen und Unbehagen durch die betriebliche Organisation und Vorgesetzte.
- Entwickeln Sie eine Vorstellung, wie Sie sich den Soll-Zustand am Arbeits- und Ausbildungsplatz vorstellen. Besprechen Sie sie in Ruhe mit vertrauenswürdigen Kollegen, ihrem Ausbilder und Ihren Vorgesetzten.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
