
- Gibt es Alzheimer überhaupt? Foto: Demenz 5 - von Fotograf Gerd Altmann - pixelio.de
Das am 21. September 2011 erschienene Buch “Vergiss Alzheimer!” der Autorin Cornelia Stolze stößt die vermutlich längst überfällige Debatte an, ob es sich nicht bei Alzheimer nur um eine schlichtweg erfundene Krankheit handelt. Da die Diagnose einen milliardenschweren Markt bedient, lässt sich mit der Angst vor Alzheimer viel Geld verdienen. Zu viel Gewinn, als dass wissenschaftliche Fakten zu dieser vermuteten Ursache für Demenzerkrankungen bislang mehr Beachtung fanden.
Zahlen zur Alzheimer-Demenz
Nach Angaben des Welt-Alzheimer-Reports 2011 sind 36 Millionen Menschen weltweit von Demenz betroffen. Ein Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die den Verlust geistiger Funktionen bewirken. Denkleistung, Orientierungsvermögen und Erinnerungsfähigkeit bauen ab. Die selbstständige Bewältigung alltäglicher Anforderungen wird schwer und ist in einem fortgeschrittenen Stadium nicht mehr möglich. Exakte Zahlen zum Anteil von Alzheimer an der weltweiten Diagnose von Demenz bietet die ADI (Alzheimer's Disease International) derzeit nicht.
Das internationale Pharmaunternehmen Merz beschreibt sich selbst als führend in der Alzheimerforschung. Es erklärt Alzheimer mit rund 60 Prozent zur häufigsten Demenzerkrankung. Als ursächlich für Alzheimer-Demenz wird ein Ungleichgewicht des Botenstoffs Glutamat im Gehirn angegeben, das Nervenzellen zerstört und das Gehirn schrumpfen lässt. Für die medikamentöse Behandlung empfiehlt Merz zwei Wirkstoffgruppen der Antidementiva. Sie sollen die Schädigung durch Glutamat verändern, den Zelltod verhindern und vorbeugend gegen Aggression und Wahnvorstellungen wirken.
Angst vor dem Gespenst Alzheimer
Die Thesen von Cornelia Stolze zu Alzheimer provozieren: Nach aktuellem Forschungsstand sei diese Krankheit weder klar definiert noch gesichert zu beweisen. Demenzpatienten würden wahllos als Alzheimerkranke abgestempelt. Die Medikamentengabe ist ihr zufolge sinnlos und hilft nur den Herstellern. Alzheimerdiagnosen sind für Ärzte bequem und verschleiern wahre Ursachen einer Demenz, so Stolze. Falsch vermutetes Alzheimer führe zur falschen Therapie und Betroffene litten. Die Fehldiagnose Alzheimer könne Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Mediziner seien profitorientiert und hätten großes Interesse daran, dass der Mythos von der Volkskrankheit Alzheimer erhalten bleibt.
Fakten zur Alzheimer-Forschung
Seit Jahren verbucht die Forschung zu Alzheimer herbe Rückschläge, insbesondere bei der Medikamentenentwicklung. Über die derzeit auf dem Markt befindlichen vier Medikamente Aricept, Exelon, Ebixa und Reminyl sagt der anerkannte deutsche Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuther: “Sie halten den Krankheitsverlauf nicht auf.” Trotz weitreichender Wirkungslosigkeit erzielen sie Milliardenumsätze. Demenzerkrankungen und ihre Zunahme in der Weltbevölkerung sind eine medizinische Tatsache. Viele Menschen erleiden einen Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten. Werden zu Pflegefällen, verwirrt und hilflos. Dass die Ursache für Demenz Proteinablagerungen im Gehirn (Alzheimer) sind, ist jedoch keine gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Die Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahre sind widersprüchlich und liefern keine eindeutigen Nachweise. Es ist mittlerweile wissenschaftlich möglich, Proteinablagerungen im Gehirn durch Bildgebung und Biomarker im Blut nachzuweisen. Dies wird als klare Alzheimer-Diagnose gewertet. Im Zusammenhang gesehen wirkt der Biomarker-Test jedoch nur wie eine Interpretation auf labilem Fundament nicht bewiesener Behauptungen.
Argumente der Autorin Stolze gegen Alzheimer-Diagnosen
Die Wissenschaftsredakteurin und Diplombiologin Cornelia Stolze, 45, lebt als freie Autorin in Hamburg. Nach ihrem Statement wird die Angst vor Alzheimer hemmungslos von Pharmaunternehmen ausgenutzt. In ihren Recherchen fand sie viele Ursachen, die Demenz oder demenzähnliche Symptome auslösen, die zumeist schon lange bekannt sind und trotzdem nach ihrer Einschätzung übersehen werden. Vom schlichten Flüssigkeitsmangel bis zur Palette von Medikamenten, die von älteren Menschen eingenommen werden. Mehr als 130 Medikamente (Schmerzmittel, Antidepressiva, Asthmamedikamente oder Beruhigungsmittel) können dauerhafte Demenz oder akute Verwirrtheitszustände hervorrufen. Auch unbemerkte Schlaganfälle, Depressionen, Alkoholmissbrauch, erhöhter Hirndruck, Mangelernährung oder Isolation verursachen Demenzsymptome. Cornelia Stolze kritisiert, dass alles in einen Topf geworfen und mit dem Stempel Alzheimer versehen werde. Durch die Fixiertheit der Ärzte auf Alzheimer würden viel zu oft wahre Ursachen von Beschwerden nicht erkannt und nicht behandelt werden. So müssen Patienten oft nutzlose Pillen schlucken und weiterhin an geistigen Störungen leiden, die bei gründlicher Diagnose behandelbar wären.
Das Ausschlussprinzip der Alzheimer-Demenz
Experten der Alzheimerforschung verweisen auf die Möglichkeit, Alzheimer aufgrund klinischer Befunde (ausführliche Gespräche sowie Merk- und Konzentrationstests) zu erkennen. Sie geben jedoch zu, dass es sich immer nur um eine vermutliche oder wahrscheinliche Diagnose zu Lebzeiten handelt. Ein zweifelsfreier Beweis für einen Alzheimerbefund ergäbe nur die Obduktion des Gehirns nach dem Tod, um die als typisch geltenden Proteinablagerungen nachzuweisen. Widersprüchlich ist, dass bei Obduktionen von Gehirnen älterer Verstorbener Proteinablagerungen fast immer zu finden sind und ein eindeutiger Zusammenhang mit Demenzbefunden dieser Personen zu Lebzeiten nicht beweisbar ist.
Cornelia Stolze hält Alzheimer-Diagnosen nur für ein banales Ausschluss-Prinzip: “Wenn der Arzt nichts findet, was in seinen Augen erklärt, warum der Patient verwirrt ist, dann muss es wohl Alzheimer sein.” Nach ihrer Meinung handelt es sich um eine Panikmache, an der sich Ärzte, Kliniken und Pharmaunternehmen mit nutzlosen Tests und sinnlosen Medikamenten extrem bereichern. Altern sei noch keine Krankheit. Die Hirnleistung nehme mit zunehmenderem Alter ab. Eine langsamere Denkleistung sei noch keine Demenz. Cornelia Stolze fordert eine gründlichere Erforschung der Demenzerkrankung. Alzheimer hält sie für ein medizinisches Phantom, das real nicht existiert.
Literaturquelle:
Rubrik Technik&Wissen, Die erfundene Krankheit, Susanne Kutter, Interview mit Buchautorin Cornelia Stolze und Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuter, 01.10.2011, Wirtschaftswoche Nr. 40, Seite 74 ff., Düsseldorf, Pflichtblatt der Wertpapierbörse in Frankfurt und Düsseldorf
Vergiss Alzheimer! Die Wahrheit über eine Krankheit, die keine ist., Cornelia Stolze, 2011, Köln, Verlag Kiepenheuer& Witsch, 245 Seiten, ISBN 3462043390, 18,99 Euro
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