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Ist der Mai kühl und nass...

Ist der Mai recht kühl und nass.... - Volker Wollny
Ist der Mai recht kühl und nass.... - Volker Wollny
Die bekannte Bauernregel vom kühlen und nassen Mai hat einfache meteorologische und biologische Hintergründe, die sie durchaus plausibel machen.

„Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass!“ lautet eine Bauenregel, die, was langjährige Beobachtungen zeigen, recht oft zutrifft. Man muss solche Überlieferungen nicht nur mit einem Körnchen Salz sehen, sondern auch die Spreu vom Weizen trennen, indem man nicht zuletzt auch die Frage stellt, welchen Hintergrund sie jeweils haben – und ob sie sich mit modernen meteorologischen Erkenntnissen decken.

Hundertjähriger Humbug

Ein Beispiel für einen mit der Realität wenig überein stimmenden Hintergrund ist der Hundertjährige Kalender, der aufgrund von astrologischen Annahmen davon ausgeht, dass das Wetter sich alle sieben Jahr wiederholt und daher die Beobachtungen über einen solchen Zeitraum lediglich in die Zukunft projiziert werden müssen, um nicht nur einen hundertjährigen, sondern einen ewigen Wetterkalender zu erhalten. Tatsächlich ist der „Hundertjährige“ bereits mehr als einhundert Jahre alt und hat seinen Namen daher, dass sich sein Tabellen jeweils auf einen solchen Zeitraum beziehen. Obwohl er sich an der realen Wetterbeobachtung leicht falsifizieren lässt, hat er auch heute noch viel Anhänger, sowie auch der populäre Irrtum, dass es wintertags bei zunehmendem Mond zwangsläufig kalt werde, sich nicht ausrotten lässt.

Bauernregeln richtig interpretieren

Es gibt nun eine ganze Reihe Bauernregeln, die sich auf ganz bestimmte Daten, nämlich die (Todes-)Tage bestimmter Heiliger oder sonstige kirchliche Festtage beziehen. Gemeint ist damit aber jeweils nicht der eine einzige Tag, sondern ein gewisser Zeitraum um das jeweilige Datum. So besagt die sattsam bekannte Regel „Regnet es am Siebenschläfertag, es noch sieben Wochen regnen mag“ tatsächlich, dass die Großwetterlage, die Ende Juni herrscht, mit guter Wahrscheinlichkeit den Rest des Sommers bestehen bleiben wird. Ein einzelnes Wärmegewitter, dass in einer stabilen Schönwetterlage zufällig am 27. Juni entsteht, wird daher keinen Wetterumschwung einleiten.

„An Fabian Sebastian fängt Baum und Tag zu wachsen an“ bedeutet ebenfalls nicht, dass jedes Jahr haargenau am 20. Januar der Saft in die Bäume zu steigen beginnt. Vielmehr ist gemeint, dass dies etwa im letzten Januardrittel geschieht und man daher früher um diese Zeit den Holzeinschlag eingestellt hat. Außerdem fangen in der Tat um die gleiche Zeit die Tage an, so stark länger zu werden, dass einem dies auch auffällt, wenn man nicht jedesmal bei Sonnenauf- und -untergang auf die Uhr sieht.

Der kühle, nasse Mai und der verregnete April

Bauernregeln, die sich auf Zeiträume beziehen, kann man sogar recht wörtlich nehmen: Der Spruch „Oktober mild und fein, wird ein strenger Winter sein“ wird durch die meteorologische Erfahrung bestätigt, dass, wenn im Oktober Hochdruck herrscht, sehr oft auch im Januar eine solche Wetterlage bestehen wird. Und im Oktober bringt uns diese den sprichwörtlichen Goldenen Oktober, während Hochdruck im Januar für krachende Kälte sorgt.

Die Regel vom kühlen und nasse Mai hat ihren Hintergrund sogar zum Teil in der Biologie: Viele Nutzpflanzen brauchen um diese Zeit ordentlich Wasser, um sich gut zu entwickeln. Und Temperaturen, die wir bei Regenwetter im Mai als unangenehm kühl empfinden, reichen den meisten Pflanzen vollauf aus. Gras wächst bereits ab 7-8°C, fühlt sich also nicht nur im kühlen und nassen Mai, sondern auch in einem nasskalten April durchaus wohl. Das erklärt auch das Phänomen, dass wir nach einer ekligen Schmuddelwetterperiode im Frühjahr auf einmal über (scheinbar) schlagartig grün gewordene Wiesen staunen.

Wenn der Mai nun kühl und nass war, wie im Sprichwort, muss es auch irgendwann einmal wieder aufhören zu regnen. Wird es dann im Juni schön, freut das nicht nur wiederum das Gras, sondern auch das Getreide, denn nun brauchen diese Pflanzen Sonne.

Der kühle, nasse Mai sagt nun für sich gesehen genau genommen nicht viel über Hitze im Sommer aus - wenn, dann eher schon über ganz allgemein eher schönes Wetter. Will man Rückschlüsse auf zu erwartende sommerliche Hitze ziehen, sollte man auch den April hinzuziehen.

Es gibt nämlich auch in Europa so etwas wie einen Monsun: Das „Original“ weht in Südasien und kommt daher, dass Innerasien im Winter kälter ist als der Indische Ozean und im Sommer wärmer. Daher saugt die im Sommer über dem Festland aufsteigende Luft feuchte Meeresluft vom Ozean an, was den Monsunregen für Südasien bringt. Im Winter läuft das System in die andere Richtung und bringt kühle, trockene Luft aus Innerasien.

Analog dazu funktioniert unser europäischer „Monsun“: Wenn es im Frühjahr in Europa und Westasien verhältnismäßig kalt ist, wird es im Sommer über dem Atlantik wärmer als über dem eurasischen Festland und die über dem Meer aufsteigende Luft sorgt für den bekannten, trockenen Ostwind, der zu einem heißen Sommer gehört.

Wird es hingegen im Frühjahr zu früh warm, büßen wir das in aller Regel mit einem lausigen Sommer. Dann nämlich erwärmt sich das Festland stärker als der Atlantik und saugt im Sommer ein Tief nach dem anderen von dort her an.

Solches Wetter gab es zum Beispiel 1993, 2000 und 2007. Das könnte man nun übrigens als Beleg für den Siebenjahresrythmus des „Hundertjährigen“ werten, was sich aber schnell ändert, wenn man nach den Jahren 1986 und 1979 fragt. Auch die heißen Sommer 1976 und 1983 liegen sieben Jahre auseinander, wobei dann aber weder 1990 noch 1997 besonders heiß waren und auch der Extrem-Sommer 2003 nicht in den Siebenjahresrythmus passt.

Gerade der Sommer 2003 hat wohl stark mit dem damaligen April zusammen gehangen: Der war lausig kalt, wohingegen der Mai alles andere als kühl und nass war. Er war bereits zu Anfang sehr heiß, dann kam ein kurze und empfindliche Kälteperiode und zwar ausgerechnet genau an den Eisheiligen vom 11. bis zum 15. Mai. Und dann begann die gewaltige Hitze. Mit Scheun' und Fass Füllen, war es - wenn wundert's? - nicht so weit her, denn schließlich hatte der wichtige Regen im Mai gefehlt.

Und der Sommer 2010?

Nach dem verhältnismäßig kalten April und dem bis jetzt sowie wahrscheinlich auch weiterhin kühlen und nassen Mai, stehen die Chancen für einen heißen, trockenen Sommer recht gut. Wobei man aber voraussetzen muss, dass uns der Eyjafjallajökull nicht mit seiner Asche einen Strich durch die Rechnung macht.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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