Ist eine Anhebung der Rente auf 67 Jahre vertretbar?

Baldige Rentner auf dem Weg zur Arbeit - © Paul Marx / Pixelio.de
Baldige Rentner auf dem Weg zur Arbeit - © Paul Marx / Pixelio.de
Nein, zur Rente mit 67 Jahren. Viele Bürger und einige Politiker sind der Meinung, dass dies nicht wirklich von allen zu schaffen ist.

Das sich die reale Situation der Älteren keineswegs verbessert hat, spiegelt sich auch in den Autowerkstätten wieder. So gut wie niemand arbeitet dort bis zum 65.Lebensjahr. Der Alltag in einer Werkstatt ist viel zu stressig und körperlich sowie physisch zu belastend.

Rente mit 67, dass wird kein normaler Mensch im Handwerk durchhalten

Vor allem auch LKW-Monteure sind trotz vieler technischer Hilfsmittel, nicht in der Lage diese Arbeit bis ins hohe Alter zu leisten. Dies packt unter den gegenwärtigen Bedingungen im Kfz-Gewerbe keiner. Hektik und Termindruck nehmen ständig zu und die Zeitvorgaben werden immer kürzer. Damit ist die Altersarmut auch für diese Arbeitnehmer vorprogrammiert. Beißen sich einzelne Arbeitnehmer irgendwie durch, bedeutet dies für Teile der nachrückende Generation, Hartz IV. Schonarbeitsplätze gibt es im Handwerk nicht. Auf eine betriebliche Altersvorsorge können sich die Beschäftigten im Handwerk kaum verlassen.

Ist die Rente mit 67 ein Rentenkürzungsprogramm der Politiker durch die Hintertür?

In der Realität ist diese Altersgrenze für Arbeitnehmer, so gut wie nicht erreichbar. Bereits heute schafft es noch nicht einmal die Hälfte der Beschäftigten. Einige werden versuchen ihre bescheidene Rente durch Schwarzarbeit aufzubessern. Noch kritischer ist die Situation in den neuen Bundesländern. Die Löhne sind niedriger als in den alten Bundesländern und die Arbeitslosenzahl ist höher. Wovon soll da eine Altersvorsorge bezahlt werden? Die Politikverdrossenheit unter der Bevölkerung steigt. Dafür nimmt die Glaubwürdigkeit der Politik immer mehr ab. Viele Politiker sind nur mit sich selbst beschäftigt. Für einige Dinge ist immer genügend Geld vorhanden. Weshalb zahlen Beamte, Politiker und Freiberufler nicht ebenfalls in die Rentenkasse? Unsere Volksvertreter haben, ohne einen Cent in die Rentenkasse einzuzahlen, für sich persönlich hervorragend vorgesorgt.

„Als ich jung war, glaubte ich, ein Politiker müsse intelligent sein. Jetzt weiß ich, dass Intelligenz wenigstens nicht schadet“. Carlo Schmid

Ist die Festlegung der Rente mit 67 ist eine gute und richtige Politik?

Ein Blick auf unsere Nachbarländer zeigt, dass wir auf diesem Gebiet, allerdings in negativer Hinsicht, führend sind. Viele Arbeitsplätze in Deutschland sind nicht durch Hartz IV oder befristete Verträge gerettet worden, wie sich viele Politiker selbst gerne einreden. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung kommt zu einem anderen Ergebnis. Durch Konjunkturpakete und Solidarität wurden Arbeitsplätze erhalten. Arbeitgeber behielten ihre Beschäftigten trotz Flaute. Arbeitnehmer gingen in Kurzarbeit und verzichteten auf Geld. Doch die Politik scheint auf Durchzug geschaltet zu haben, obwohl noch immer viele ältere Menschen keine Arbeit finden. Die Bundesregierung begründet dies mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen und steigender Lebenserwartung. Statt die Altersgrenze auf 67 anzuheben und Menschen mit Rentenabzügen zu bestrafen, müssen mehr Menschen jenseits der 60 noch arbeiten können, also Arbeit haben. Entscheidend für die Zukunft der Renten ist die Entwicklung der Zahl der Beitragszahler und wie gut ihre Arbeitsbedingungen sind. Doch genau hier liegt das Problem. Viele junge Menschen schlagen sich heute mit Leiharbeit, schlecht bezahlten Jobs oder befristeten Arbeitsverträgen durch. Daran ändert auch der viel erwähnte Aufschwung nichts. Wer jungen Menschen keine sichere, vernünftig bezahlte Arbeit gibt, braucht sich nicht wundern, wenn es für die Rente nicht reicht.

Ist die Rente mit 67 eine Lösung für die von der Bundesregierung vorgebrachten Probleme?

Durch die Rente mit 67 wird in keiner Weise der Fachkräftemangel bekämpft. Unternehmen die Fachkräfte länger als bis zum Alter von 65 Jahren haben wollen, können dies bereit heute. Hunderttausende junge Menschen haben keine qualifizierte Ausbildung. Kaum irgendwo anders brechen mehr Studenten ihr Studium ab, als in Deutschland. Die Rente mit 67 sichert keinesfalls die Renten und verhindert auch keine Beitragssteigerungen. Natürlich ist das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenbeziehern wichtig. Die Bundesregierung schreibt selbst: „Die Frage, wie genau sich das Zahlenverhältnis von Erwerbstätigen zu Älteren darstellen wird, hängt entscheidend von der zukünftigen altersspezifischen Erwerbsbeteiligung ab“. Deshalb sollte die Erwerbsbeteiligung der Frauen bis 59 Jahre erhöht werden. Die Regierung behauptet, dass im Jahr 2009 etwa 995.000 Menschen zwischen 60 und 65 Jahren beschäftigt waren. Auch das stimmt so nicht. Von dieser Zahl waren 334.000 nicht typisch und 195.000 geringfügig beschäftigt. Real arbeiteten nur 15,3 Prozent der Menschen zwischen 60 und 65 Jahren in einem normalen Arbeitsverhältnis. Zuerst sollte für die Menschen in diesem Alter, gute Arbeit organisiert werden, anstatt das Rentenalter zum Nachteil vieler Menschen, einfach anzuheben.

Die Rente mit 67 bezeichnet die Gewerkschaft als Irrweg, der zur Kürzung der Renten und in die Altersarmut führt

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Angesichts der Arbeitsmarktentwicklung sowie der wirtschaftlichen und sozialen Situation älterer Arbeitnehmer, ist eine Anhebung des Rentenalters nicht vertretbar. Auch das Hauptargument, die demographische Entwicklung in Deutschland würde dazu führen, dass immer weniger jüngere Berufstätige immer mehr älter werdende Rentner finanzieren müssten, wird zu isoliert betrachtet. Real gehen Jobs verloren, wenn jeder länger arbeitet. Vielen jungen Menschen bleibt der Berufseinstieg wegen der Rente mit 67 verwehrt. Kaum einer von den 64 Jährigen ist noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Anteil lag im Jahr 2008 bei 9,9 Prozent. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), hat bereits in den vergangenen Jahren aufgerechnet, das je nach Reaktionsweise der Betroffenen, zwischen zwei und drei Millionen neue Jobs geschaffen werden müssten, um ihre negative Beschäftigungswirkung auszugleichen.

Auch in gesundheitspolitischer Hinsicht geht die Rente mit 67 in eine völlig falsche Richtung. Schon heute glaubt nur jeder Zweite, das er bis zum Rentenalter arbeiten kann. Aber auch unter sozialpolitischen Gesichtspunkten hat die Rente mit 67 keine Chance. Für viele Menschen, die eher in Rente gehen müssen, bedeutet dies einen lebenslangen Abschlag von mindestens 7,2 Prozent. Da ein immer größerer Teil der Menschen im Niedriglohnsektor arbeitet, bedeutet dies für viele zukünftige Rentner, Altersarmut. Eine Volksabstimmung würde den Politikern schnell die richtige Richtung weisen. Die Alterssicherung muss den Lebensstandard der Menschen im Alter sichern und Armut vermeiden.

Trotz heftiger Proteste hat der Bundestag am Freitag den 16.Dezember 2011 die Rente mit 67 verabschiedet. In namentlicher Abstimmung billigte das Parlament den Gesetzentwurf.

  • Quellen: Zeitschriften der IGM
  • „zur ZEIT“ -Brienna Verlag / IAB

Nachweis der Bilder: Bild 1 © Paul Marx / Pixelio.de * Bild 2 © matchka / Pixelio.de * Bild 3 © Carlosh / Pixelio.de * Bild 4 © Hartmut910 / Pixelio.de

Alfred Graf, Alfred Graf

Alfred Graf - Nach dem Abitur studierte ich an der Uni in Greifswald. Von dort wechselte ich an eine Militärhochschule. Viele Jahre wohnte ich ...

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