
- Katja Beck-Doßler - Suchtberatungsstelle - Universität Würzburg
Seit Wochen kommt ein geschätzter Kollege zu spät und verhält sich anders als gewohnt. Manchmal riecht es im Büro süßlich nach Alkohol und es kommen langsam Fragen auf, ob es vielleicht einen Zusammenhang gibt. Das ist gar keine so abwegige Vorstellung, denn Alkoholprobleme sind keine Seltenheit. Sie werden meist vom sozialen Umfeld als erstes registriert.
"Leider wird oft zu lange weggeschaut!"
Um Unsicherheit und Angst abzubauen, gibt es für die Beschäftigten der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg seit über zehn Jahren die Suchtberatungsstelle in der Marcusstraße 9 bis 11.
"Zu uns kommen vor allem Vorgesetzte, die Probleme mit Mitarbeitern haben", erklärt Katja Beck-Doßler, geschäftsführende Leiterin der Suchtberatung. "Meistens geht es dabei um Alkohol, viel seltener um Medikamente oder illegale Drogen. Leider wird oft zu lange weggeschaut!", berichtet die Diplom-Psychologin. Viele seien der Annahme, sie dürften den Betroffenen erst darauf ansprechen, wenn eindeutig klar ist, dass es sich um eine Alkoholsucht oder dergleichen handle.
Persönlich oder anonym - alles ist möglich
Deswegen gibt es die Suchtberatungsstelle der Universität Würzburg. Bei Beck-Doßler kann man im persönlichen Gespräch wie auch anonym Fragen klären. Außerdem kann man sich auf das Gespräch mit dem betroffenen Kollegen optimal vorbereiten lassen. Denn nicht selten entwickelt sich solch ein erstes Gespräch in einen Konflikt - schließlich geht es um ein sehr sensibles Thema. Überdies wird ein spezielles Coaching-Seminar für Personalgespräche bei Auffälligkeiten am Arbeitsplatz angeboten, um zum Beispiel die Kompetenz beim Führen eines Konfliktgesprächs zu erhöhen.
Gespräche helfen - auch wenn sie unangenehm sind
Auch wenn es sich für den Suchtbetroffenen erst einmal unangenehm anfühlt: Durch diese Gespräche kann geholfen werden. Denn gerade Alkoholabhängigkeit sei, so die erfahrene Suchtberaterin, noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Viele Menschen hätten kein Verständnis für diese Krankheit - oft einfach nur aus Mangel an Informationen. Aus diesem Grund wird den Betroffenen auch nach dem Entzug bei der Wiedereingliederung an den Arbeitsplatz geholfen.
Suchtberatung, Tabakentwöhnung und mehr
Neben der allgemeinen Beratung, liegen weitere Schwerpunkte der Suchtberatungsstelle in der Informationsvermittlung und Fortbildung von Vorgesetzten und interessierten Kollegen. Aber auch zum Thema Tabakentwöhnung werden Kurse angeboten, die dabei helfen, den ersehnten "Rauch-Stopp-Tag" vorzubereiten.
Die Bürozeiten der Suchtberatungsstelle sind täglich von 8:30 - 12:30 Uhr, Telefon 0931-31-87200 (Uni intern: 2020, Klinikum intern: 18-2020). Außerhalb dieser Zeiten steht ein Anrufbeantworter zur Verfügung, der regelmäßig abgehört wird. Ein völlig anonymer Kontakt ist außerdem via E-Mail möglich, die neben weiteren Informationen unter folgender Internetadresse zu finden ist: Suchtberatung Universität Würzburg.
