Karl-Theodor zu Guttenberg gilt gegenwärtig mit weitem Abstand als der beliebteste aller deutschen Spitzenpolitiker. Für die Bundeskanzlerin und die CDU/CSU ist er im Super-Wahljahr 2011 alternativlos. Nicht nur, weil er jung und dynamisch wirkt, manche sagen auch schneidig, sondern vor allem, weil er das Image hat, Klartext zu reden. Er spricht nicht dieses unsägliche Politikerdeutsch aus Worthülsen und Wiederholungen, sondern ist äußerst redegewandt und weiß seine Worte virtous zu setzen. Außerdem hebt er sich auch rein äußerlich positiv ab, ist stets modisch gekleidet und telegen, dazu adlig und weiß sich zu benehmen. All dies trägt in unserem visuell geprägten Zeitalter zur allgemeinen, kritiklosen Beliebtheit beim Wahlvolk bei.
Zuviel des Guten?
Sprachfertigkeit gilt bekanntlich als Nachweis hoher Intelligenz. Deshalb erscheint es naheliegend, sich aus gegebenem Anlass, wie es die leidige Plagiatsaffäre nun einmal ist, genauer damit auseinanderzusetzen, welche Qualität die viel gelobte Eloquenz des Ministers hat, insbesondere wenn er unter Druck gerät. Am sinnvollsten und fairsten ist es sicherlich, dafür Original-Zitate des Freiherrn herzunehmen und diese als solche kenntlich zu machen. Dabei geht man am besten chronologisch vor:
Abstrus
Der erste Satz in dieser Angelegenheit aus dem Munde des Bundesministers war: "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus". Man mag der Ansicht sein, dass nicht die gesamte Dissertation ein Plagiat ist, wenn auch sehr viele Teile der Arbeit. Der Gebrauch des Wortes "abstrus" ist aber doch recht bemerkenswert. Denn es wird im heutigen Sprachgebrauch unter Normalsterblichen kaum verwendet, ist eigentlich altmodisch und hat alle möglichen Bedeutungen. Es hat nicht weniger als 13 Bedeutungen und 233 Synonyme, wenn man dem Internet und den Lexika noch glauben kann. Was hat der Minister gemeint? Abwegig oder grotesk, befremdlich oder übereilt? Zugegeben, die Wortwahl fällt charmant aus dem Rahmen des Üblichen und hat Unterhatungswert.
Titelverzicht
Bei der nächsten Gelegenheit, der Selbstverteidigung zu lauschen, der verunglückten Veranstaltung vor dem Verteidigungsministerium, wegen der sich nicht nur die Journalisten, sondern auch diverse Pressesprecher der Regierung brüskiert fühlten, weil sie uninformiert und umsonst in der Bundespressekonferenz gewartet hatten, sagte der Minister wörtlich: "Ich werde gerne bis zum Ergebnis der Prüfung vorübergehend - und ich betone: vorübergehend - auf das Führen des Titels verzichten. Anschließend würde ich ihn wieder führen." Das Wort "gerne" benutzt man gerne, um Freude auszudrücken, aber auch, um eine Maßnahme zu kennzeichnen, die man für unberechtigt und überflüssig hält. War dem Minister zu diesem Zeitpunkt tatsächlich weder bewusst, dass er massiv kopiert hat, noch, dass er gar nicht auf seinen Doktortitel selbst verzichten kann, sondern die Universität Bayreuth ihn erst aberkennen muss? "Bizarr!" nannte er es jedenfalls, als er gefragt wurde, wie er den Hype um seine Person empfinde.
