Das heutige Istanbul hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wobei der Bosporus, die Meerenge zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmarameer die entscheidende Rolle spielte. Vor fast 3000 Jahren gründeten griechische Siedler und Bewohner des thrakischen Hinterlandes erstmals eine Stadt. Eine Stadt mit strategisch wichtiger Bedeutung bis in das 21. Jahrhundert neuer Zeitrechnung.

Der Bosporus - Istanbuls Lebensader

Die Meerenge teilt nicht Europa und Asien, das Gegenteil ist der Fall. Der Bosporus verbindet die beiden Kontinente. Als Kaiser Konstantin den Regierungssitz des Römischen Reiches von Rom nach Byzanz verlegte, hatte er selbstverständlich die strategisch bedeutsame Lage dieser Stadt vor Augen, die später nach ihm auch Konstantinopel genannt wurde. 1100 Jahre später (1453) wurde die Stadt von den Osmanen erobert, die Glanzzeit des Ottomanenreiches begann. Der Bosporus ist bis heute eine wichtige Schiffspassage zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer. Gemeinsam mit seinem Seitenarm, dem Goldenen Horn, prägt er das schönste Gesicht der Stadt.

Zwischen Tradition und Moderne

Keine Frage, das Istanbul des 21. Jahrhunderts mit ihren geschätzten 15 bis 20 Millionen Einwohnern - offiziell sind es 12 Millionen - ist eine muslimisch geprägte Stadt. Der Ruf des Muezzin zum Gebet ist in jedem kleinen Winkel der Stadt zu hören. Unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der islamisch-religiösen Gruppierungen sehr nahe steht, hat die konservative Tradition in den letzten Jahren wieder mehr an Boden gewonnen, ohne allerdings die westliche Orientierung der Türkei in Frage zu stellen. Die von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk 1923 angesetzten Reformen, die im wesentlichen die Beendigung des Kalifat, die Trennung von Staat und Kirche sowie westeuropäische Lebensform beinhalteten, haben auch heute noch oberste Gültigkeit.

Pulsierende Lebenskultur rund um die Uhr

Die Bosporus-Metropole schläft selten bis nie. Istanbul hat sich daher auch zu einer Stadt moderner Lebenskultur entwickelt, die in Europa ihresgleichen sucht. Die Clubszene mit ihren originellen Lokalen unter der Erde oder auch auf den Dächern der Häuser lassen manche Nacht mit Livemusik zum Tag werden. Die Istiklal-Caddesi im ehemaligen Europäerviertel Beyoglu ist die Einkaufsmeile schlechthin mit unüberschaubaren Menschenmassen und seiner Nostalgietramway. Etwas beschaulicher und mehr für das Auge sind die Museen und Galerien der Stadt. Noch nicht so lange etabliert wie in anderen europäischen Großstädten sind sie allemal als Geheimtipp zu handeln. Vor allem auch aufgrund ihrer Lage mit sehenswerten Ausblicken auf die Stadt. Zu der Lebenskultur der Istanbuler gehört trotz aller Hektik einer Großstadt der Müßiggang, der vielleicht sogar eine geschickt gewählte "Überlebensstrategie" ist in der Stadt, aufgebaut auf sieben Hügeln. Eine Stadt, die sich seit ihrer Gründung immer wieder neu erfindet und dadurch Geschichte schreibt.

Quelle: Istanbul Tourismus; Burkhard Mohr - Istanbul