Italiens Fußballer treten in Streik

Maskottchen - Schwehn
Maskottchen - Schwehn
Auseinandersetzungen um Steuern und "Solidaritätsabgaben" im italienischen Fußball führen zum Streik, denn die Vereine der Serie A sind hoch verschuldet.

Die Fußballer sind abgetaucht, und den Zuschauern ist angesichts des sommerlichen Hochs geraten worden, am 27. und 28. August 2011 im Garten zu faulenzen, ins Schwimmbad zu gehen und abends ins Kino. Denn der Fußball in der italienischen Serie A fällt aus. Wobei sich Vereine, die Fußballer-Gewerkschaft AIC und der italienische Fußballverband FIGC in der Wortwahl nicht einig werden konnten: Die einen sprachen von Streik, die anderen verharmlosend einfach nur von der Verlegung des ersten Spieltags der neuen Saison um – voraussichtlich – eine Woche nach hinten. Einig im Streit waren sich alle Seiten nur in Einem: Es geht um die Spielergehälter, um die Steuern und die Schulden der Vereine.

Vereine mit 50 Millionen Euro belastet

Auslöser aller Auseinandersetzungen war und ist zuvorderst die europäische Finanzkrise, die, „Eurokrise“ genannt, nun auch Italien erfasst hat. In der Folge hatte die vom Besitzer des AC Mailand – Silvio Berlusconi – geführte Regierung in Rom die Einführung einer „Solidaritätssteuer“ für hohe Einkommen beschlossen. Fußballfreund Silvio muss es übersehen haben: Damit waren über Nacht nämlich auch die eh schon bis über die Ohren verschuldeten Vereine der Serie A (allerdings auch die der Serie B) aufgefordert, ihren solidarischen Obulus zu entrichten. Das sind für die erstklassigen Klubs insgesamt runde 50 Millionen Euro. Aber die wollen das nicht bezahlen, jedenfalls nicht allein.

Ein letzter Vermittlungsversuch scheiterte

Nun besteht im italienischen Fußball die Praxis, dass die hochkarätigen Kicker auf dem grünen Rasen ihr monatliches Salär als Netto-Betrag in saftiger Höhe beziehen. Und so haben die Vereine nun argumentiert, auch die Spieler sollten pekunäre Solidarität zeigen; ihre Gehälter sollten entsprechend „angepasst“ werden. Anders gesagt, ein Teil der Solidaritätssteuer, die künftig auf die Vereine entfällt, solle auf die Spieler abgewälzt werden. Das aber war mit der italienischen Spielergewerkschaft nicht zu machen. Am 25. August 2011 scheiterte ein letzter Vermittlungsversuch.

Milliardenausgaben für die Spieler

Dabei dürften sich die Gewerkschafter letzten Endes ins eigene Fleisch schneiden. Denn die Spieler sind die Leidtragenden, wenn der schon seit Jahren bestehenden Schieflage der italienischen Top-Klubs nicht begegnet wird. Trotz einiger Sparprogramme und ersten Ansätzen bei der Begrenzung von Spielergehältern haben die 20 Topvereine auf der Apennin-Halbinsel in der vergangenen Spielzeit ein Defizit von 193,5 Millionen Euro „erwirtschaftet“; in den vergangenen zehn Jahren eines von inzwischen 2,4 Milliarden Euro. Das ist deshalb kein Wunder, weil beispielsweise in der vergangenen Saison die Ausgaben der Klubs für Spielergehälter von 1,093 Milliarden (!) Euro auf 1,162 Milliarden Euro angestiegen waren. Diese Personalausgaben allein verschlingen 68 Prozent der Klubumsätze. Darum hat es seine Logik, wenn Wirtschaftexperten sagen, der italienische Fußball sei eines der eklatantesten Beispiele von schlechtem Management in den letzten 50 Jahren.

Ergänzende Informationen: La Repubblica (in italienischer Sprache)

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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