
- J. Edgar - Hauptplakat - Warner Brothers
Der Mann diente acht Präsidenten und war der einflußreichste Polizeibeamte der USA. Mit allen Mitteln, auch den skrupelosesten, verschaffte er sich diese Stellung an der Spitze des Federal Bureau of Investigation FBI. Gesetze legte er oft in seinem eigenem eigenen Sinne aus. Vermeintliche Radikale und Kommunisten einzuschüchern, zu inhaftieren und wenn es sein mußte, zu liquidieren, betrachtete er als seine Hauptaufgabe. Und Feinde sah J. Edgar Hoover überall.
Clint Eastwood setzt in seinem Biopic auf Leonardo DiCaprio als "J. Edgar"
Hoover, diese schillernde und umstrittene Gestalt der amerikanischen Geschichte ist 77 Jahre alt geworden und hat von 1895 bis 1972 gelebt. Clint Eastwood hat die Zeit von 1919 bis Hoovers Tod in seinem Film verarbeitet und läßt Leonardo DiCaprio diese Rolle spielen. Was der gekonnt und glaubwürdig umsetzt.
DiCaprio hüpft routiniert durch die einzelnen Zeiträume und erweist sich dabei als richtiger Verwandlungskünstler. Aus dem ehemaligen Teenie-Star ist inzwischen ein ernsthafter Schauspieler geworden. Das schillernde an der Persönlichkeit Hoovers jedoch ist weniger sein Lebensstil als vielmehr die Methoden, mit denen er sich unersätzlich in der Politik machte - und das über einen Zeitraum von 50 Jahren. Seine Biographie setzt Eastwood ruhig und größtenteils unspektakulär in Szene. Fotografiert ist der Film in düsteren Farben - optisch eine ferne, andere Zeit.
"J. Edgar" revolutioniert die Polizeiarbeit mit Hilfe der Forensik
Hoover, beginnt seine Karriere als ehrgeiziger Beamter im Justizministerium, schaftt den Sprung zum neugegründeten FBI, kommt schnell an die Spitze, revolutioniert die Polizeiarbeit mit dem Einsatz der Forensik und stellt hohe Anforderungen an neue Agenten, die zumindest einen Hochschulabschluß mitbringen müssen. Er will einen gut geölten, mit allen Machtbefugnissen ausgestatteten Polizeiapparat, denn die Gier nach Macht, Einfluß und Bewunderung waren die Triebfedern Hoovers, dem schon seine überehrgeizige Mutter (Judy Dench) von klein auf eingetrichtert hat, er werde einmal etwas ganz besonderes sein. Das hat er, der sich stets gut verkauft hat, erreicht. Es gibt aber noch eine weniger schillernde Seite "J. Edgar" Hoovers - sein Privatleben.
"J. Edgar" Hoovers Privatleben und die Spekulationen darüber
Er leidet unter der Fuchtel der Mutter, hat sein ganzes Leben lang ein gebrochenes Verhältnis zu Frauen, nie geheiratet und Kinder gehabt. Nur mit Helen Gandy (Naomi Watts) verbindet Hoover ein lebenslanges, vertrautes Verhältnis. Sie ist seine Sekretärin - all die Jahre hindurch.
Und da wäre noch sein Stellvertreter und engster Freund Clyde Tolson (Armie Hammer). Sie sind unzertrennlich, essen jeden Tag zusammen und fahren gemeinsam in Urlaub. Ein schwules Verhältnis? Keuschheit? Bis heute wird darüber spekuliert. Eastwood kann auch keine Auskunft geben und spekuliert zumindest nicht darüber. Anzunehmen, daß es einsame Menschen waren, ebenso Helen Gandy.
Die politischen und historischen Hintergründe hätte Clint Eastwood dafür in seinem sonst stimmigen Film näher und präziser beleuchten müssen, der Haß Hoovers auf Martin Luther King etwa - und wer wirklich hinter der Ermordung Kings steckte. Viele Ereignisse - etwa der Fall John Dillinger oder die Entführung des Lindbergh-Babys - wirken hastig abgespult, seine Feindschaft gegenüber den Kennedy-Brüdern ebenfalls. Fazit: Gute Unterhaltung ja - nur etwas dünn angerührt, weil zuviel gewollt.
"J. Edgar"
USA 2011
Regie: Clint Eastwood
Buch: Dustin Lance Black
Produktion: Clint Eastwood, Brian Grazer, Robert Lorenz, Ron Howard
Kamera: Tom Stern
Musik: Clint Eastwood
Länge: 137 Minuten
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Judy Dench, Armie Hammer
Quellen:
- Internet Movie Database: J. Edgar
- Pressezugang Warner Brothers Pictures Deutschland
