Jack the Ripper - Der berüchtigste Serienmörder aller Zeiten

London - Schauplatz der Ripper-Morde - Bernd Teuber
London - Schauplatz der Ripper-Morde - Bernd Teuber
Wer war der Killer, der in London fünf Frauen abschlachtete?

Zwischen 1888 und 1891 wurden in dem anrüchigen Londoner Stadtteil Whitechapel elf Frauen umgebracht. Fünf der Morde wiesen in ihrer grausamen Tatausführung große Ähnlichkeiten auf, sodass sie ein und demselben unbekannten Täter zugerechnet wurden. Die Mordserie begann am 31. August 1888. Mary-Ann Nichols, eine Prostituierte, wurde in der Bucks Row gefunden, ganz in der Nähe des London Hospital. Ihre Kehle war durchgeschnitten. Im Oberkörper und in der Leistengegend hatte sie zahlreiche Stichwunden. Scheinbar wurde der Mord ohne Motiv verübt.

Neun Tage später, am 8. September, wurde das zweite Opfer, Annie Chapman, weniger als einen Kilometer entfernt in der Hanbury Street gefunden. Wie Mary-Ann Nichols war sie eine Prostituierte mittleren Alters. Auch ihr hatte man die Kehle durchgeschnitten und zusätzlich den Körper aufgeschlitzt. Die Gebärmutter fehlte. Durch diesen Mord an einer weiteren Prostituierten wurde die Nation aufgeschreckt. Die Presse machte eine Sensationsstory daraus. Sie stellte sofort eine Verbindung zwischen den Morden an Annie Chapman und Mary-Ann Nichols her. Zwar wurde der Begriff "Serienkiller" erst in den 1930er Jahren geprägt, doch die Journalisten schrieben vom "Whitechapel-Massenmörder" und schürten so die Hysterie.

Jack tötete zwei Frauen in einer Nacht

Dann wurde der Central News Agency ein Brief zugespielt, der angeblich vom Killer stammte. Nach etlichen Fälschungen war man jedoch skeptisch und hielt ihn zurück. Drei Tage nach dem Brief wurden in einer Nacht zwei weitere Prostituierte umgebracht. Das erste Opfer war Elizabeth Stride. Außer dem tödlichen Schnitt in der Kehle wies ihre Leiche keine Verletzungen auf. Man nahm an, dass der Mörder gestört wurde. Deshalb ließ er von seinem Opfer ab, ging davon und brachte dann Catherine Eddowes um. Der Mord an ihr war noch bestialischer als die vorhergehenden. Ihre Kehle wurde durchschnitten, ihr Körper ausgeweidet und erstmals war das Gesicht des Opfers zerschnitten worden. Außerdem hatte der Täter die Gebärmutter entfernt.

Als die Polizei Catherine Eddowes fand, war Jack schon verschwunden, doch er hinterließ zwei Spuren. In der Nachbarschaft wurde ein Stück von Catherines Schürze gefunden, darüber waren Worte mit Kreide an eine Wand geschrieben worden. Damals hielt man es einfach für eine antisemitische Schmiererei, die nichts mit dem Ripper zu tun hatte. Um jede Hysterie zu vermeiden, wurde es sofort von der Polizei entfernt. Text lautete: "The Juwes are the men That Will not be Blamed for nothing" (Die Judn(!) sind nicht die, die wegen nichts beschuldigt werden).

Unmittelbar nach dem Verbrechen erhielt die Central News Agency einen weiteren Brief in derselben Handschrift wie der vorhergehende. Diesmal wurde die Polizei informiert. Das Schreiben war eine Sensation, denn es enthielt eine Signatur des Mörders: "Jack the Ripper" (Jack der Schlitzer). Am 16. Oktober bekam George Lusk, der Anführer der Bürgerwehr von Whitechapel, einen weiteren Brief. Der fehlerhafte Stil wies auf einen anderen Urheber hin. Als Absender war lediglich "Aus der Hölle" angegeben. Der Umschlag enthielt ein Stück einer menschlichen Niere, die laut dem Brief von Catherine Eddowes stammte.

Nach dem Doppelmord an Elizabeth Stride und Catherine Eddowes schien Jacks Mordserie beendet zu sein. Doch sechs Wochen später wurde die 26-jährige Prostituierte Mary Kelly am 9. November in ihrem Bett zerstückelt. Die Umstände lassen manche Kriminologen daran zweifeln, dass die Tat von demselben Killer begangen wurde, der die vier anderen Opfer auf dem Gewissen hatte. Die vorangegangenen Morde passierten auf der Straße, dieser in einem Raum in Miller's Court. Die anderen Frauen wurden innerhalb weniger Minuten getötet, doch bei Mary Kelly ließ sich der Mörder Zeit.

Die junge Frau wurde zuletzt um 2.00 Uhr nachts lebend gesehen. Augenzeugen gaben an, sie mit zwei Freiern beobachtet zu haben. Nach der Anordnung ihrer Kleider und der Schuhe im Zimmer zu urteilen, wollte sie sich schlafen legen. Aber sie kam nicht mehr dazu. Der Mörder hatte die schwangere Frau teils gehäutet und ausgeweidet. Unter ihrem Kopf lagen eine Brust, eine Niere, die Gebärmutter und der Fötus. Die Leber fand man zwischen ihren Füßen, die Milz an ihrer Seite. Auf dem Tisch häuften sich Fleischstücke aus dem Bauch und von den Oberschenkeln. Ihr Herz war ebenfalls herausgeschnitten worden, blieb jedoch verschwunden. Als man Mary Kelly fand, war sie ganz mit einem Laken bedeckt, das über dem Gesicht mehrere Einstiche aufwies. Offenbar kannte der Täter sein Opfer und wollte nicht zusehen, wie er sie umbrachte. Die Zeitungen hatten darüber berichtet, wie das Gesicht von Jacks vorigem Opfer Catherine Eddowes zugerichtet war. Marys Gebärmutter wurde am Tatort gefunden. Dieses Organ nahm er sonst meistens mit. Die Polizeiberichte folgerten aus der Art und Weise, wie die Leichen ausgeweidet wurden, dass der Ripper ein Schlachter sein könnte. Immerhin wäre es so jemandem möglich gewesen, mit blutiger Kleidung durch die Straßen zu gehen, ohne Verdacht zu erregen.

Es gibt viele Spekulationen darüber, wer die Morde wirklich begangen hat

Die Mordserie begann im August und endete ganz plötzlich im November. Seither gab es viele Theorien darüber, wer der Mörder war. Einige verdächtigten Prinz Albert Victor, den Herzog von Clarence und ältesten Enkel von Queen Victoria. Aus Rache an der Hure, der er die Schuld an seiner Syphilis gab, sei er zum Mörder geworden. Der Herzog starb angeblich während er großen Grippeepidemie von 1892. Es gibt jedoch etliche Leute, die davon überzeugt sind, dass er einer Vergiftung zum Opfer fiel, um die Monarchie vom Makel des Skandals reinzuwaschen.

Andere glauben, Sir William Gull, der oberste Hofarzt der Königin, habe die Taten begangen, um zu verschleiern, dass Prinz Albert ein illegitimes Kind mit einer Prostituierten aus Whitechapel gezeugt hatte. Allerdings gibt es für diese Theorie keinen einzigen Beweis. Weitere Kandidaten waren Aaron Kosminski, ein armer polnischer Einwanderer, der immer wieder in den Irrenanstalten der Gegend gesessen hatte, und Montague Druit, ein Lehrer an einer Jungenschule, der zu den Augenzeugenberichten passte. Vermutlich wird man wohl nie erfahren, wer die Morde begangen hat. Für das plötzliche Ende gibt es jedoch eine glaubhafte Erklärung. Wahrscheinlich wurde der Täter für ein geringeres Vergehen verhaftet.

Quellen:

  • John Douglas & Mark Olshaker: "Die Seele des Mörders", Spiegel-Buchverlag 1996, ISBN 3-455-15006-3
  • Charlotte Greig: "Serienmörder - Die Faszination des Bösen", Tosa Verlag 2008, ISBN 978-3-85003-212-4