
- Wie wird eine Frau wahrgenommen? - Olga Meier-Sander / pixelio.de
Die sehr seriösen und weniger ernsten Medien beschäftigen sich am Rande der Wulff-Affäre intensiv mit seiner Frau Bettina und machen Andeutungen über ihr Vorleben. So solle auch der berühmte Wulffs Anruf eigentlich der möglichen Veröffentlichung von Informationen über seine Frau gelten. Erstaunlich ist dabei die Wortwahl: „gefährliche Glamour“ („Süddeutsche Zeitung“), „verlorene Ehre der Bettina Wulff“ („Focus“), „mögliches Vorleben“ („Tagesschau“).
Hexenjagd auf Bettina?
Frau Wulff bekleidet kein Amt. Es reicht aber aus, dass sie als Ehefrau eines Amtsträgers in der Öffentlichkeit erscheint, um zur Zielscheibe der Attacken zu werden. Was wirft man ihr vor? Dass sie ein Leben vor Christian Wulff hatte? Darf eine Frau im 21. Jahrhundert das nicht? Muss sie sich vor einer Hexenjagd wie vor Jahrhunderten fürchten? Suchen die deutschen Medien die Ehre des Mannes zwischen den Beinen seiner Frau? Wie wird eine Frau in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Immer noch als Objekt, darunter auch Sexobjekt? Beurteilt man eine Frau ab der Gürtellinie nach unten hin?
Gleichberechtigung auf dem Papier
Die hiesige Gesellschaft, die sich mehrheitlich vor den ausländischen Einflüssen fürchtet, und verzweifelt zusammen mit Sarrazin den Untergang von Deutschland zu verhindern versucht, ist gar nicht so weit von den radikalen Vertretern fernen Religionen und Ansichten entfernt, wie sie glauben möchte. Das zeigt sich besonders im Verhältnis zu Frauen. Die Gleichberechtigung existiert lediglich auf dem geduldigen Papier des Grundgesetzes. Die Frauen verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen in gleichen Stellen und sind hauptsächlich von der Altersarmut bedroht. Sie dürfen zwar lernen und arbeiten, anders als zum Beispiel Frauen in Afghanistan. Auf dem Wege zu höchsten Ämtern und Sitzen stoßen sie aber auf die gläserne Decke. Sie müssen auch andere moralischen Anforderungen als Männer erfüllen. Die Doppelmoral ist mit dem Patriarchat unerlässlich verbunden.
Deutschland auf Augenhöhe mit Indien
Die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen stellt fest, dass sich Deutschland im internationalen Vergleich, was die Zahl von Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten betrifft, schlechter als Brasilien und „auf Augenhöhe mit Indien“ befindet. Sie lässt dabei nicht gelten, dass die Ursache für diesen Zustand „an den Frauen oder den fehlenden Qualifikationen liegt“. Von der Leyen vermutet andere Gründe dafür, „dass die Türen in den deutschen Dax-Konzernen so verschlossen sind“.
Frausein in der Männer-Gesellschaft
In diesen geschlossenen männlichen Gesellschaften trifft man heute nur auf einzelne weibliche Vertreterinnen, die in der Masse verloren gehen und sich meist anzupassen bemühen. Handelt sich hier um ein elitäres Problem, das wenige Personen betrifft, oder geht es um viel mehr? Was wird sich ändern, wenn mehr Frauen in den Dax-Konzernen das Sagen haben würden? Können ihre Leidgenossinnen davon profitieren? Die Befürworter der Frauen-Quote behaupten, dass es nicht nur um eine Signalwirkung, sondern um die Veränderung von einer männlichen in die menschliche Welt gehe.
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