
- Bewährt: Das Herbertz-Buckknife des Autors - Volker Wollny
Messer sind Werkzeuge, Waffen, Kultgegenstände und Sammlerobjekte. Nicht nur für japanische Küchenmesser, sondern auch für Jagdmesser kann man Unsummen ausgeben und mancher tut das auch tatsächlich.
Natürlich soll es jedem, der Freude an schönen und entsprechend teuren Messern hat, unbenommen bleiben, sich an kostspieligen Sammlerstücken zu erfreuen. Sammelleidenschaft, die Freude am Zusammentragen, Besitzen und Bewundern schöner Gegenstände darf nicht an den Maßstäben von Wirtschaftlichkeit und Funktionalität gemessen werden. Wer jedoch – beispielsweise als angehender Jäger, Angler oder einfach, weil ein richtiger Bub eben auch ein Taschenmesser hat – ein Messer für den täglichen praktischen Gebrauch sucht, der wird in der Regel doch auf das Preis-Leistungsverhältnis sehen.
Was muss ein Jagdmesser können?
Ein gute Frage – und eine, die leicht zu beantworten ist: Es muss schneiden. Es muss gut schneiden und es sollte dies möglichst lange tun, wenn es einmal geschärft ist. Schließlich möchte man nicht jedesmal, wenn man am anderen Tag auf die Jagd gehen möchte, den Abend mit Messer schärfen verbringen. Das Messer sollte also schnitthaltig sein.
Leider beißen sich Schnitthaltigkeit und Rostträgheit. Rostfreien Stahl im strengsten Sinne gibt es sowieso nicht, aber auch die üblicherweise als „rostfrei“ bezeichneten, mehr oder weniger rostträgen Stahlsorten haben den Nachteil, dass die daraus gefertigten Messer die Schärfe schneller verlieren, als solche aus rostendem Stahl.
Es gibt hier jedoch recht gute Kompromisse, die für den Alltagsgebrauch und auch auf der Jagd vollkommen ihren Zweck erfüllen. Wer jedoch ein stets absolut gnadenlos scharfes Messer haben will, muss es eben ein wenig pflegen – was man mit einem Jagdmesser sowieso tun sollte: Es nach dem Gebrauch zu reinigen und ihm ein wenig Ballistol oder ein sonstiges Öl zu spendieren, reicht jedoch vollkommen aus.
Sieht man einmal von den großen Blankwaffen für Hochwild- und Saujagd ab, die zum Abfangen verwendet werden, muss ein Jagdmesser nicht groß sein. Im Prinzip reicht zum Aufbrechen ein gutes Taschenmesser. Damit lässt sich auch ohne weiteres ein Reh abnicken – wenn man es kann. Kann man es nicht, hilft auch das größte, schönste und teuerste Messer nicht weiter. Probleme mit einem kleinen Messer bekommt man allenfalls beim Aufbrechen der Schlossnaht. Dafür kann man jedoch ein kleines Handbeil verwenden, welches man sowieso im Jagdwagen haben sollte.
Was muss man für ein anständiges Jagdmesser ausgeben?
Im Prinzip tut es als Jagdmesser eines der bekannten und beliebten Schweizer Taschenmesser von Victorinox, die sehr preisgünstig sind. Wer es ein wenig stilechter haben möchte, ist mit einem Messer in der gebogenen Buckknife-Form gut bedient, die bei Herbertz zu zivilen Preisen und in guter Qualität zu haben sind. Beim Autor hat sich seit Jahren ein solches Herbertz-Messer für nicht ganz 50 Euro bestens bewährt und Victorinox-Messer liegen trotz ihrer guten Qualität preislich noch um einiges darunter. Wer es ganz minimalistisch will, kann zu einem der legendären Messer von Opinel greifen: Sie sind sehr einfach gemacht, besitzen jedoch Klingen aus sehr gutem Stahl. Man bekommt diese Messer teilweise für weniger als zehn Euro.
Allen diesen Messern ist gemeinsam, das sie zusammenklappbar sind. Man kann sie also in die Hosentasche stecken und ständig dabei haben. So vergisst man sie einerseits auch nicht so leicht, wenn es auf die Jagd geht und man hat andererseits auch im Alltag stets ein gutes Messer zur Verfügung.
Feststehende Jagdmesser
Ein großes feststehendes Jagdmesser, dass man im Jagdwagen hat oder bei der Jagd an den Gürtel hängt, muss ebenfalls nicht teuer sein. Beim Autor hat sich seit vielen Jahren ein Bowie-Messer von Herbertz auf der Jagd und auf See bewährt, das in den frühen Neunzigern des vorigen Jahrhunderts einmal etwas über 110 D-Mark gekostet hat. Wenn man schon ein kleines Messer in der Tasche hat, sollte man hier ein möglichst großes Modell wählen, damit man auch Zweige abschlagen und Späne zum Feueranzünden machen kann. Was die Form angeht, ist es im Prinzip egal, ob man eine traditionelle deutsche Form oder ein Bowie-Knife wählt, oder gar eines der „Survival Messer“, die aussehen wie Mordinstrumente aus postapokalyptischen Computerspielen – de gustibus non est disputandum (über Geschmäcker lässt sich nicht streiten).
Aber aufgepasst: Neuerdings ist es verboten, große Messer in der Öffentlichkeit am Mann zu haben! Wenn man vergisst, nach der Rückkehr aus dem Revier, das Messer vom Gürtel zu nehmen und dann gedankenlos in der Jagdhose mit dem Hund Spazieren geht, kann das teuer zu stehen kommen. Vor allem einen Jäger, denn hier ist bei solchen Sachen immer auch gleich der Jagdschein in Gefahr. Der bessere Platz für das große Jagdmesser ist also im Zweifelsfalle der Jagdwagen, vor allem, wenn ja das kleine in der Hosentasche und so stets zur Hand ist.
Mehr zum Thema: Jagdausrüstung und Kosten
