Am Rand des Ortes Letzlingen, einem Ortsteil der Stadt Gardelegen in der Altmark, steht das Jagdschloss Letzlingen, das auch Hirschburg genannt wird.

Das neugotische Jagdschloss im Tudorstil ließ der preußische König Friedrich Wilhelm IV: ab 1843 auf den Mauern des Vorgängerbaus errichten. Die Pläne lieferte der Architekt Friedrich August Stüler.

Heute sind im Schloss ein Hotel und eine Ausstellung zum Thema Jagd untergebracht. Und wie schon anno 1577 sind auch heute im Schloss standesamtliche und kirchliche Vermählung möglich.

Geschichte von Schloss Letzlingen

Auf der Stelle des heutigen Schlosses stand bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts ein schlichtes Jagdhaus. Das wurde abgerissen und an seiner Stelle ließ der brandenburgische Kurprinz Johann Georg von 1559 bis 1562 durch den Baumeister Lorenz Arndt eine Jagdburg bauen. Die Mauern der an ein Kastell angelehnten „Hirschburg“ umgaben die Wohngebäude mit einer Ringmauer samt Ecktürmen und Wassergraben. Johann Georg und sein Sohn Joachim Friedrich weilten häufig in dem wildreichen Jagdrevier Letzlingen. 1577 feierte Johann Georg in dem Schloss seine Vermählung mit Elisabeth von Anhalt. Sie war seine dritte Gemahlin und Tochter von Joachim Ernst von Anhalt.

Die Nachfolger von Johann Friedrich als Kurfürsten von Brandenburg bevorzugten meist andere Jagdreviere. Erst Friedrich Wilhelm IV. entdeckte das Schloss wieder. Auf den Grundmauern der inzwischen verfallenen Hirschburg ließ er ab 1843 nach Plänen des Architekten Friedrich August Stüler ein Schloss im Tudorstil errichten. Das Haupthaus auf quadratischem Grundriss wurde auf vier Geschosse erhöht. Ein runder Treppenturm vor dem Haupthaus überragt das Areal. Das Torhauses im Osten und die vier Ecktürme der Ringmauer wurden neugotische überformt. Alle Gebäude erhielten einen für den Tudorstil typischen Zinnenkranz.

Von 1851 bis 1853 erfolgte nach Plänen von Stüler der Anbau des Küchenbaus mit dem Festsaal. Die Bauleitung übernahmen der Bruder des Architekten, Bauinspektor Karl Askan Stüler und der Magdeburger Baurat Karl Albert Rosenthal.

Ebenfalls in den Formen der englischen Neugotik entstand die von Friedrich August Stüler entworfene Schlosskirche. Für sie wurde der Grundstein 1857 gelegt. 1861 wurde sie im Todesjahr Friedrich Wilhelms IV. fertig gestellt. Zur Einweihung am 11. Dezember kam sein nun regierende Bruder Wilhelm I. 1868 wurde nach einem Entwurf des Architekten Ludwig Ferdinand Hesse das Kastellanhaus erbaut. Damit wurden die Baumaßnahmen in Letzlingen abgeschlossen.

Unter der Regierung der Preußenkönige Wilhelm I. und Wilhelm II. waren die „Letzlinger Hofjagden“ im Spätherbst ein gesellschaftliches Ereignis von hohem Rang. Als Gäste fanden u. a. Erzherzog Franz Joseph, der spätere Kaiser Franz Joseph I., Otto von Bismarck, Theobald von Bethmann Hollweg, Bernhard von Bülow und Zar Alexander II. den Weg in die Letzlinger Heide. Die letzte Hofjagd in Letzlingen fand im November 1912 statt.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie übernahm das Land Preußen das Jagdschloss Letzlingen. 1922 zog die von Bernhard Uffrecht und seiner Frau Ini gegründete Freie Schul- und Werkgemeinschaft in das Schloss. Diese Schule wurde im April 1933 Schule von den Nationalsozialisten geschlossen. Die SA richtete danach hier eine Führerschule ein. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss als Lazarett genutzt.

Von 1945 bis 1991 nutzte das Krankenhauses Gardelegen das Schloss Letzlingen. Nach der Wende übernahm die Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt 1996 das Anwesen. Das Schloss wurde umfassen saniert und die Dauerausstellung „Jagdgeschichte der Letzlinger Heide. Königlich-preußische Hofjagd“ im 1. Obergeschoss eingerichtet. Andere Teile des Schlosses werden von dem Restaurant Kaiserhof und dem Schlosshotel Letzlingen genutzt.

Der Weg nach Letzlingen

Von der Autobahn A 2 im Kreuz Magdeburg auf die A 14 in Richtung Norden wechseln. Die Anschlussstelle Dahlenwarsleben führt auf die Bundesstraße 71. Der in Richtung Gardelegen bis Letzlingen folgen.

Der nächsten Bahnhöfe mit direkter Verbindung nach Letzlingen sind Gardelegen und Magdeburg-Hauptbahnhof. Beide Bahnhöfe verbindet der Bus 100 mit Letzlingen.

Literatur

  • Boje Schmuhl: Jagdschloss Letzlingen. Verlag Janos Stekovics Wettin-Löbejün 2003, ISBN 978-3-9328-6354-7

Quellen

  1. Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt - Jagdschloss Letzlingen
  2. Hansestadt Gardelegen
  3. Schlosshotel Letzlingen