
- Siegerehrung Boulder - Heiko Wilhelm
"Schubert und Lied", in diesem Fall aber Lead geschrieben, sind eine Einheit, wenn auch in diesem speziellen Fall nicht musikalisch. Mit seinem siebten Saisonerfolg in Amman (Jordanien) am 21. Oktober 2011 sicherte sich Jakob Schubert das Disziplinen-Klassement sowie die Weltcup-Gesamtwertung. Chapeau! Wer aber ist dieser junge Sportler? Zwischen zwei Wettkämpfen nahm er sich für ein Gespräch die Zeit.
Der Sportkletterer Jakob Schubert - die trockenen Fakten
Geboren am 31. Dezember 1990 in Innsbruck, wo er noch immer wohnt. Nach der Hauptschule Müllerstraße ging er aufs "Sport-BORG" in der Fallmerayersstraße in Innsbruck. Nach der Matura ist er derzeit als Sport-Soldat im Heeresleistungszentrum HLSZ 6 in Innsbruck verpflichtet und hat nebenbei noch zu studieren begonnen. Er ist kein sogenanntes Kletterwunderkind, wie etwa David Lama, kein Überflieger. Er klettert erst seit er 12 Jahre alt war. Sein Verein ist das ÖAV Climbing Team Innsbruck, die Trainer sind die bekannten Größen Reinhard Scherer und Rupert Messner. Seine Erfolge als Jugendlicher lassen sich dennoch mehr als sehen, denn drei Mal Jugendweltmeister (2007 bis 2009) im Vorstieg zu werden, ist auch nicht ohne. Seine Hobbys: Reisen, Skifahren, Skitouren, Tischtennis und Fußball.
Jakob Schubert und die Förderung von Seiten der Familie
Zu klettern begann er, weil ihn sein Patenonkel mal mitgenommen hat. Das Klettern mit den anderen hat ihm so gut gefallen, dass er dafür sein Fußballtraining beiseite gelegt hat. "Beim Klettern machte sogar das Training Spaß, nicht nur der Wettkampf." Seine Eltern ließen ihn selber entscheiden. "Meine Eltern haben mich nie gedrängt, sondern mich immer machen lassen." Förderung, Unterstützung: Ja. Druck: eindeutig ein Nein. Mit knapp 14 Jahren war Ramon Puigblanque sein großes Vorbild. Dass er Jahre später ihn außer bei der WM in Arco nicht mehr vorlassen würde, hätte er sich damals sicher nicht erträumt. Dass seine kleine Schwester klettermäßig nun versucht, in seine Fußstapfen zu treten, verwundert jedoch wenig.
Die internationale Kameradschaft im Klettersport
Eine Szene aus der Kletter-WM in Arco prägte sich ein: Die Finalisten Ondra und Schubert stehen beim Besichtigen vor der Wand, jeder sucht mit den Augen die richtige Route, die richtigen Griffe. Rivalen! Da stecken sie plötzlich die Köpfe zusammen, deuten mit Händen die Route, die sie zu gehen beabsichtigen, tauschen sich aus. Wie das? Das sind doch Gegner? Es geht doch um "den richtigen, Sieg-bringenden Weg?
Können Sie Sich den "Herminator" Hermann Maier vorstellen, wie er mit seinen Gegnern die Schlüsselstellen bespricht? Eben. "Das kommt bei uns immer wieder vor", sagt Jakob. "Man tauscht sich aus, gibt gegenseitig Tipps wie eine Schlüsselstelle zu bewältigen ist." Ein verschmitztes Lächeln folgt: "Das kann man sich ruhig erlauben. Der Andere sieht etwas, was man selber übersieht und umgekehrt. Außerdem ist man selber sicher besser drauf wie der Gegner, denkt man."
Reisen von Weltcuport zu Weltcuport, das Schicksal eines Spitzensportlers
Toll findet Jakob Schubert, wo er überall in seinem Sportlerleben schon gewesen ist. Man hat auch immer wieder Gelegenheit, die diversen Städte zu besichtigen, das sei schon aufregend. Allerdings stellt sich gegen Ende der Saison auch eine gewisse Reisemüdigkeit ein. Packen, Reisen, Akklimatisieren, das ist auch Kräfte zehrend und auf die Dauer ermüdend.
Freunde, Kollegen, Gegner. Wie ist das im Klettersport?
"Mit vielen meiner Schulkumpels bin ich auch heute noch befreundet.", sagt Jakob. Allerdings besteht der engste Freundeskreis aus den Kletterkollegen, mit denen man auch außerhalb des Trainings so manches unternimmt. Sogar auf Urlaub wird gemeinsam gefahren, auch wenn es dann nicht ums Klettern gehen muss. Auch Abhängen, einfach faul sein, schwimmen, sonnen, relaxen kann schön sein. Zwischen den Kletterern international herrscht eine sportlich faire Kameradschaft, mit manchen sogar eine engere Freundschaft.
Kann man leben vom Klettersport?
Derzeit kann Jakob diese Frage mit einem "Ja" beantworten, denn Dank seines Erfolgs ist sein Platz im Heeressportverein für weitere drei Jahre gesichert. Mit den zusätzlichen Sponsorgeldern kommt ein junger Mensch ohne Riesenansprüche über die Runden. Eine verdiente zweiwöchige Urlaubsreise nach Spanien sollte auch drin sein, denn obwohl er nun sieben Mal in Serie gewonnen hat, für die Preisgelder beim Klettern würde ein Spitzenskifahrer sich wahrscheinlich nicht einmal die Schuhe selber zuschnallen.
Ist Klettern eine Randsportart?
Zieht man die Direktübertragungen im TV als Indikator für das Interesse an einer Sportart heran, muss man dies feststellen. Sportklettern, was soll das sein? Keiner der deutschsprachigen Sender übertrug die Weltmeisterschaft 2011 in Arco, obwohl viele Spitzenkletterer aus diesen Ländern kommen. Das ist verwunderlich, da das Klettern seit Jahren boomt und für den Zuseher äußerst spannend ist. Andere Länder, andere Sitten - in China etwa wird jedes Klettern übertragen, auch in Frankreich oder Italien.
Highlights vom Lead-Klettern 2011 - die Saison des Jakob Schubert
- WM in Arco: Jakob Schubert und Puigblanque. "Sinfonia mondiale" nannte überschwänglich der italienische Reporter das harmonische Zusammenspiel der beiden. "Dieses Dach - unüberwindbar! Da kommt Jakob Schubert. Der junge österreichische Kletterer zeigt, dass es geht. Wenn auch kopfunter und Füße voran. Die Fersen eingehakt, den Körper nachgedreht und dann los - bis zum Top."(WM Arco)
- Weltcup Boulder (USA) Sieger: Jakob Schubert. "Mit dieser Serie konnte ich nun den Weltrekord von Alex Chabot einstellen, der 2002 ebenfalls 6 Weltcups in Folge gewinnen konnte! Zurzeit bin ich einfach nur überglücklich und stolz! "
- Weltcup Amman (JOR): Der 20-jährige Tiroler triumphiert am 21.10. erneut. Zum siebten Mal in Serie! Damit hat er (3 Streichresultate) uneinholbar die Lead-Weltcupwertung gewonnen.
- Als erster männlicher Kletterer wurde Jakob Schubert von der Österreichischen Sporthilfe für die Wahl zu "Österreichs Sport-Aufsteiger des Jahres" nominiert. Die Skisportlerin Anna Fenninger schnappte sich mit ihren Ergebnissen von der Ski-WM Schladming allerdings den Pokal. Jakob ist eben ganz Gentleman, lässt den Damen den Vortritt.
Nicht nur für Jakob Schubert war 2011 eine gelungene Saison, sondern für das ganze Team.
Letztes Saison-Ergebnis in Barcelona 2011 (ESP)
Im Finale in Barcelona verpatzte Ramon Puigblanque (ESP) Jakob ein wenig den krönenden Abschluss. Der zweite Podiumsplatz ist nach so einer langen und souverän gekletterten Saison auch nicht der schlechteste Abschluss. Nun gibt es verdienten Urlaub für alle.
Das Gespräch mit Jakob Schubert für suite101 führte Adele Sansone.
Foto: ©WM Arco -Newspower Canon.©WC Boulder(USA) Heiko Wilhelm
