Auch die Region Reutlingen hat ihren Jakobsweg

Jakobsweg für Einsteiger und erste Pilgererfahrungen

Pilgern ist in. Das Pilgern auf dem Jakobsweg insbesondere. Aber es muss nicht immer Roncevalles und Burgos sein, für den Anfang genügen Rübgarten und Bebenhausen.

Eine sowohl landschaftlich als auch kulturell äußerst reizvolle Etappe des Jakobswegs bietet die Teilstrecke im Raum Tübingen. Der württembergische Teil des Weges beginnt in Winnenden und durchquert die Region in 3 Etappen: Winnenden – Esslingen, Esslingen – Tübingen und Tübingen - Hechingen. Der Pilgerweg verläuft immer auf dem HW3 über Waiblingen, Esslingen, Schlaitdorf, Pliezhausen bis nach Tübingen und Rottenburg. Der Abschnitt zwischen Rübgarten und Rottenburg bietet sich geradezu an für „Schnupperpilger“, lässt er sich doch in beliebige Abschnitte einteilen.

Ein Weg in die keltische und römische Vergangenheit

Empfehlenswert für den ersten Kontakt mit dem Jakobsweg ist die Etappe Rübgarten – Tübingen (ca.15 km). Bei diesem Streckenabschnitt kommt jeder auf seine Kosten. Für den wahren Pilger ist dieser Abschnitt nicht nur ein Teil des großen Weges nach Santiago de Compostela, sondern auch ein Teil des Weges zu sich selbst. Derjenige, der allein aus Freude am Wandern und an der Natur unterwegs ist, wird mit dem überwältigenden Ausblick von der Anhöhe am Schönbuchrand beim Hofgut Einsiedel auf die Blaue Mauer Mörikes, die Schwäbische Alb, belohnt. Der historisch Interessierte erfährt viel über die wechselvolle Geschichte der Region. Ein archäologisch-historischer Lehrpfad führt an einer keltische Viereckschanze vorbei, zeigt einen Bildstein der römischen Göttin Herecura, ein Grenzstein aus dem Mittelalter gibt Auskunft über die Größe des von Graf Eberhart im Jahr 1482 gegründeten Stift St. Peter. Nach der Reformation wurde das Klosteranwesen zum Jagdschloss der württembergischen Herzöge umgebaut.

Kloster Bebenhausen

Ein weiteres Kleinod auf dem Pilgerweg ist das Kloster Bebenhausen. Das Zisterzienser-Kloster Bebenhausen, in den Jahren 1181-83 gegründet, gilt als eines der schönsten und besterhaltenen Klosteranlagen im südwestdeutschen Raum. Nach der Reformation von Herzog Ulrich war es vorübergehend aufgelöst worden. Unter der Regierungszeit Herzog Christofs diente die ehemalige Klosteranlage als evangelische Schule. 1807 ließ König Friedrich I. von Württemberg das Abtshaus zum Jagdschloss umbauen, später unter den Königen Karl und Wilhelm II. wurde das Jagdschloss um mehrere Gebäude erweitert. Von 1946-1952 diente das Winterrefektorium als Sitz des Landtags. Heute beherbergt ein Teil des Klosters das Staatliche Forstamt Tübingen.

Auf den Spuren der Romantiker

Über den „Steinigen Weg“ erreicht man das Wohngebiet Wanne. Von dort geht es über den Höhenweg bis zum Herbstenhof. Es folgt ein romantisches Tal, von den Tübingern „Elysium“ genannt, vom schwäbischen Dichter Ludwig Uhland als „Stille Schönheit des Ortes, als „Vorschein himmlischen Glücks“ gepriesen. Am Geographischen Mittelpunkt Baden-Württembergs geht es hinunter in die Altstadt durch die Jakobsgasse zur Jakobuskirche, dem Ziel dieser Etappe.

Renate Haemmerle, Renate Haemmerle

Renate Haemmerle - Renate Haemmerle M.A. Studium: Germanistik, Geschichte, Spanisch Absolventin der Freien Journalistenschule in Berlin, Dozentin ...

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