
- K.-H.Brass auf Jakobsweg ,Pilgern im Regen - Brigitte Brass
Karl-Heinz Brass, geborener Düsseldorfer, formulierte an seinem 25. Geburtstag das Ziel, mit 50 Jahren beruflich unabhängig zu sein. Mit 49 Jahren ist er dann nach einem „stressigen aber befriedigenden Berufsleben“ als Vertriebsmanager für internationale Firmen ausgestiegen und lebt nun hauptsächlich an der Costa Blanca. Mit seinen Jakobsweg-Unternehmungen will er anderen behinderten Menschen Mut machen.
Sie haben die Parkinsonsche Krankheit und sind eben vom südlichen Jakobsweg zurück gekehrt, vorher mit dieser Krankheit schon den nördlichen Pilgerweg gewandert. Wie erging es Ihnen dabei?
Karl-Heinz Brass: Es war immer schon ein Wunsch von mir, einmal den Jakobsweg zu gehen. Durch die Diagnose " Parkinson" wusste ich, dass ich es bald tun muss oder gar nicht mehr. Es war für mich ein unvergessliches Erlebnis, den Camino, trotz körperlicher Einschränkung, zu laufen und nach 28 Tagen in Santiago de Compostela anzukommen. Die Entscheidung, die Via de la Plata, beginnend in Sevilla, zu gehen, ist eng mit dem ersten Pilgergang verbunden. Ich wollte einfach noch einmal so etwas erleben, aber mit einer größeren Herausforderung: 1.000 statt 750 Kilometer, zwei Jahre älter bei fortgeschrittener Krankheit. Ich hatte eine zusätzliche Motivation, nämlich kranken Menschen Mut zu machen. Es war ebenfalls eine wahnsinnige Lebenserfahrung, und es hat mich emotional aus den Schuhen gehoben, als ich nach 45 Tagen in Santiago ankam.
Sie sagten in einem Vortrag, dass es Ihnen schon nach dem nördlichen Pilgerweg besser ging: Halten Sie es für eine Art Wunder oder worauf führen Sie es zurück?
Brass: Mit Wundern bin ich etwas vorsichtig. Es war vielmehr die Erkenntnis, dass man mit guter Kondition und Motivation sowie einem eisernen Willen, trotz Behinderung sein Ziel erreichen kann. Die Botschaft möchte ich gerne an Betroffene weiter tragen.
Der südliche Jakobsweg gilt als mittelschwer bis schwer: Wie beurteilen Sie die beiden Wege im Vergleich?
Brass: Man kann dies nur schwer vergleichen. Jeder Weg hat seine Eigenarten. Ich glaube jedoch, dass der südliche Camino für mich schwerer war; er ist circa 250 Kilometer länger und führt durch extremere klimatische Zonen. So hatte es noch 41 Grad in Sevilla, aber -6 Grad in den Bergen. Hinzu kam mein erhöhtes Alter und auch meine Parkinson Krankheit ist zwei Jahre mehr fort geschritten.
Wie haben Sie Ihre Krankheit im Griff? Würden Sie anderen Parkinson-Betroffenen zu einer ähnlichen Unternehmung raten?
Brass: Ich versuche, mich mit der Krankheit zu arrangieren. Im Griff hat man sie nie, denn sie macht was sie will ohne Rücksicht auf die Wünsche der Erkrankten. Die Erkrankten sind individuelle Wesen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Somit kann ich nicht jedem raten, hunderte von Kilometern zu laufen. Meine Botschaft ist, sich nicht aufzugeben und das zu tun was (noch) möglich ist.
Was haben Sie für Pläne in der Zukunft ?
Brass: Ein neues Buch ist in Arbeit, nachdem mein erstes Buch „Weiter, immer weiter“, nicht nur eine normale Leserschaft fand, sondern auch in medizinischen Kreisen einiges an Aufsehen erregte. So werde ich mit Unterstützung eines Pharma-Unternehmens und der deutschen Parkinson-Vereinigung im kommenden Frühjahr in mehreren deutschen Großstädten Vorträge vor Betroffenen und medizinischem Personal halten können. Aus der Redaktion der Talkshow „Menschen der Woche“, die von Frank Elstner moderiert wird, habe ich eine Anfrage bekommen, mal sehen ob dies klappt. Wichtig ist es zu wissen, dass ich all diese Dinge tue, weil ich davon überzeugt bin und weil es mir Spaß macht. Wirtschaftliche Überlegungen spielen eine untergeordnete Rolle.
