Jakobswege entlang pilgern zur Entspannung und Regeneration

Jakobswege pilgern - bis zum  Sonnenuntergang - © Juana Kreßner / PIXELIO'
Jakobswege pilgern - bis zum Sonnenuntergang - © Juana Kreßner / PIXELIO'
Eine Pilgerreise dem Sonnenuntergang entgegen gehört zu den ursprünglichsten Möglichkeiten, innere Balance, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit zu finden.

Pilgern bedeutet, sich auf den Weg zu machen. In der Fremde sein oder als Fremdling unterwegs, inhaltlich abgeleitet aus dem Lateinischen. Der menschliche Lebensweg wird durch eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg nachempfunden. Deutlich wird es anhand der geografischen Ausrichtung. Im Osten beginnend, symbolisch mit dem Sonnenaufgang, der Geburt und dem Lebensursprung verbunden. Der Westrichtung folgend, dem Sonnenuntergang entgegen. Das Ende am Atlantik, der die Ewigkeit umschreibt.

Motivationen für das Pilgern auf dem Jakobsweg

Die Pilgerreise den Jakobsweg entlang wurde zunehmend in den letzten Jahrzehnten neu entdeckt. Sie folgt den Spuren traditioneller Sinnsuche und Neuausrichtung. Überlieferte Beweggründe sind religiös motiviert, dienten der Sühne, der Hoffnung auf ein Wunder oder dem Dank für Heilung und Rettung aus der Not. Doch nur noch jeder Zweite pilgert aus rein religiösen Gründen. Viele Menschen wählen die kulturgeschichtlich interessanten Routen, um sich aktiv zu erholen und ihre innere Balance zu fördern.

Auch in moderner Version ist das Pilgern ein Ausdruck für innerliche Selbstreinigung. Immer mehr Menschen entdecken, wie befreiend und beflügelnd das Folgen des historisch gewachsenen Jakobsweges wirkt. Eine unmittelbare Erfahrung mitten in der Natur, im Hier und Jetzt auf dem Weg zu sein. Pilgern wirkt für viele Menschen wie eine Kraftquelle, um sich in dieser Auszeit authentisch zu entspannen.

Die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit beim Pilgern

Der Alltag vieler Menschen ist durch unnatürliche Lebensformen geprägt. Große Städte sind zubetoniert. Lärm, stereotyp gewordene Alltagsroutinen und die wachsende Informationsflut zerrt oft an den Nerven. Kommen dazu noch akute Belastungen, wie beispielsweise der Tod eines nahestehenden Menschen, Krankheiten oder Pflegebedarf im Angehörigenkreis, fühlt man sich schnell überfordert und ausgepowert.

Auch berufliche und zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen und Schicksalsschläge können die innerliche Belastungsgrenze überschreiten. Zudem hat jeder Mensch in seinem Leben Phasen, in denen er zur Ruhe kommen und Bilanz ziehen möchte. Pilgerreisen auf dem Jakobsweg kommen diesem Bedürfnis entgegen. Sie bieten die unmittelbare Nähe zur Natur. Als bewährte Form tiefgehendster Entspannung dient das Pilgern dazu, im wahrsten Sinne neue Wege zu beschreiten. Eine direkte Erfahrung der Sinne, die zu innerer Balance und persönlichem Wohlbefinden beiträgt.

Erfahrungen sammeln entlang des Jakobsweges

Unter religiösen Gesichtspunkten ist das aktive Bewältigen von Teilen dieses Netzes aus traditionell entstandenen Jakobswegen die Erfahrung der Zusammengehörigkeit. Gläubige fühlen sich durch eine Pilgerreise unmittelbar verbunden mit Schöpfung, Gott und Universum. Historisch beeinflusst versteht man das Pilgern als Beten mit dem ganzen Körper. Pilgernde Menschen erfahren sich als Einheit von Leib, Seele und Geist.

Die Zeiterfahrung löst sich auf, man lebt ohne ein Raster im Tagesplan. Der einfache Lebensstil und die natürliche Fortbewegung schärfen den Blick, Wesentliches von Unwichtigem zu unterscheiden. Die Wahrnehmung verändert sich. Man lebt mit den Wettereinflüssen, wenig Kleidung und einfachen Wohnbedingungen. Der Rhythmus des Lebens passt sich den natürlichen Bedingungen an. Man bewältigt Abenteuerliches und Unerwartetes, erfährt sich in seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten einheitlich.

Der Jakobsweg als Netz vieler Wege

Nachdem 1987 der Europarat zur Belebung der alten Jakobswege aufrief, wurde das Wegenetz aus Altstraßen ausgehend von der Jakobsstadt Santiago de Compostela mit den symbolischen Jakobsmuscheln neu erforscht. Die Jakobswege erstrecken sich über Südeuropa, Frankreich und Deutschland bis zu den Britischen Inseln, Skandinavien und Osteuropa. Aus historischen Karten wurden viele Wegverläufe rekonstruiert.

So existiert mittlerweile auch wieder in Deutschland eine Vielzahl von gekennzeichneten Streckenabschnitten. Jakobusgesellschaften achten darauf, dass die deutschen Pilgerrouten historisch belegt und landschaftlich gut begehbar sind. Mehr als 55 verschiedene Wegstrecken des Jakobsweges sind in Deutschland neu ausgewiesen. So muss das Pilgern nicht mit Fernreisen verbunden werden, sondern kann ganz praktisch fast vor der Haustür begonnen werden.

Den Jakobsweg zu Fuß oder zu Pferd pilgern

Man begeht den Jakobsweg als Wanderung oder bewältigt ihn mit einem natürlichen Transportmittel, wie beispielsweise einem Pferd. Dieser traditionelle Beritt von Jakobswegen wird seit einigen Jahren auch in Deutschland neu belebt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Diese besondere Art auf den Jakobswegen unterwegs zu sein, verbinden das ursprüngliche Entdecken und Genießen mit dem Reiterlebnis.

Entgegen eines oft rasanten Wanderritts wird entspannt zu Pferd die Zeit neu entdeckt. In jüngster Zeit entwickelten sich neue Wanderreitangebote aus dem Bereich des Westernreitens, die das Pilgerreiten auch für Menschen ohne eigenes Pferd und mit wenig Reiterfahrung ermöglichen. In Begleitung eines erfahrenen Reitausbilders reitet man in kleinen Gruppen relaxt und zumeist im Schritt Etappen des deutschen Jakobsweges entlang. Eine Pilgerreise für Pferdefreunde, die man rund um die Uhr über einige Tage oder Wochen mit dem Pferd unternimmt. Ein besonderes Naturerlebnis entlang der alten Pilgerpfade.

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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