
- Barclay: Dieb der Dämmerung - Heyne
Dawnthief (Dieb der Dämmerung) ist der Name des mächtigsten bekannten Zaubers in Balaia. James Barclay schickt in seinem gleichnamigen Fantasy-Roman den Raben, eine von Elitekämpfern gebildete Söldnertruppe, auf die Suche nach den magischen Artefakten, die gebraucht werden, um diesen Zauber zu wirken.
Die Raben auf der Suche nach dem Dieb der Dämmerung
Die Gruppe der Helden, die sich auf die Quest begeben, könnte kaum unterschiedlicher sein: ein Barbar, ein elfischer Magier, ein mächtiger Krieger und ein Gestaltwandler gehören ihr an. Sie sollen die Welt vor den Witchlords und ihren Horden retten. Doch vor allem müssen sie sich vor den Intrigen der Magierkollegien schützen, denn in den Reihen der Witchlord-Gegner herrscht Zwietracht – und der Kampf um die Vorherrschaft in Balaia ist noch längst nicht entschieden. Der Rabe gerät ein ums andere Mal zwischen die Fronten.
James Barclay erfindet die Abenteuer-Fantasy nicht neu
James Barclay (geboren 1965) schrieb seine „Chroniken des Raben“ Ende der 90er Jahre. Vor wenigen Jahren erschienen sie erstmalig auf Deutsch, damals jedoch noch auf zwei Bücher verteilt. So erschien „Dawnthief“ als „Zauberbann“ und „Drachenschwur“. Sie nun in einem Band als „Dieb der Dämmerung“ lesen zu können ist sicher besser. Zumal der Heyne-Verlag mit den übrigen Raben-Bänden von Barclay ebenso verfahren will. „Jäger des Feuers“ heißt der zweite Band der „Chroniken des Raben“.
Helden in „Dieb der Dämmerung“ überzeugen nicht
Doch die Neuauflage ändert nichts an den Schwächen der Romane Barclays. Vor allem die Protagonisten können in „Dieb der Dämmerung“ nicht überzeugen. Der Barbar Hirad und seine aufgesetzte Naivität gehen schnell auf die Nerven, geht es doch um den immer gleichen Kunstgriff, dass durch die scheinbare Dummheit Hirads, dem Leser Zusammenhänge erläutert werden. Auch die plötzlichen Sinneswandel bei Erienne und Denser ergeben keinen Sinn. Völlig unverständlich ist, dass neue Mitglieder des Raben von einer Sekunde auf die andere die selbe Achtung und das selbe Vertrauen entgegengebracht wird wie langjährigen Kameraden. Dass diese Neuen überhaupt urplötzlich zum Raben gehören wollen, was sie kurz zuvor noch abgelehnt hatten, ist völlig aus der Luft gegriffen.
Barclays Schilderung der Kameradschaft des Raben, geprägt von Scherzen, aber auch von gegenseitiger Hilfe und Konflikten untereinander, reicht bei weitem nicht an die von David Eddings, die Steven Eriksons oder auch die Alexey Pehovs heran.
Hinzu kommen große Schwächen bei der Handlungsführung in „Dieb der Dämmerung“. Brüche, gewollte Überraschungen und wenig sinnvolle Wendungen stören den Lesefluss und verwirren mehr, als dass sie Spannung erzeugen. Das Lesevergnügen hält sich so bei diesem Fantasy-Roman in Grenzen.
James Barclay: Dieb der Dämmerung. Die Chroniken des Raben 1. Heyne 2010. Taschenbuch, 720 Seiten. Euro 9,95 (Österreich 10,30).
