James Dean, sein »Little Bastard« und der Tod

Ein Porsche 550 Spyder - »Little Bastard« - Kurt F. Domnik
Ein Porsche 550 Spyder - »Little Bastard« - Kurt F. Domnik
Nervenkitzel, Motorenlärm und hohe Drehzahlen wirkten auf James Dean genauso wie Shakespeare, Dickens oder eine qualmende Chesterfield-Zigarette.

Der Anfang vom Ende

Wir schreiben den 30. September 1955, die Sonne senkt sich über dem Pazifik. James Dean und sein Freund, der deutsche Mechaniker und Motorsport-Enthusiast Rolf Wütherich, cruisen in einem silbernen 550’er Porsche Spyder die kalifornische State-Route 46 entlang. Am nächsten Tag möchte der Schauspieler an einem Autorennen in Salinas teilnehmen. »Jimmy« hatte den silbernen Porsche mit der Startnummer 130 noch nicht lange und daher ist es sein Wille, den Sportwagen, den er im Übrigen »Little Bastard« taufte, selbst an die Strecke fahren. Kurze Zeit später kollidieren Dean und Wütherich mit einem Ford, an dessen Steuer der 23jährige Donald Turnupseed sitzt.

Das Landei, Motorräder und diese verdammten Autos

Mit 16 entdeckt Jimmy seine Leidenschaft für Motorräder. Den Auslöser dafür sollte sein Onkel darstellen, der ihm damals ein CZ-Moped schenkte. James fuhr in seinem relativ kurzen Leben überwiegend aus England stammende Motorräder. Den Tank an seiner 110er Triumph gestaltete er unter anderem mit der Aufschrift: »Dean's Dilemma«

Im Mai ‘54 legte sich James seinen ersten Rennwagen zu, einen roten 54’er MG TD. Bereits im März 1955 fuhr er in Palm Springs/Kalifornien einen sehr respektablen 2. Platz ein. Das »Qualifying« am Samstag beendete er sogar als erster. Am Tag der Premiere von »Jenseits von Eden«, kaufte sich James einen weißen 356’er Porsche Speedster.

Am 1. Mai 1955 absolvierte Jimmy sein nächstes professionelles Rennen in Minter Field/Bakersfield/Kalifornien. Er sicherte sich in seiner Klasse den ersten Sieg und wurde in der Gesamtwertung immerhin noch Dritter. Das dritte Rennen seiner Motorsportkarriere fuhr der nun immer erfolgreicher werdende Schauspieler vom 28. bis 29. Mai 1955 in Santa Barbara/Kalifornien. James schied, an vierter Stelle liegend, wegen einer gebrochenen Pleuelstange aus.

Träume werden wahr

James Dean wurde für die Drehzeit seines letzten Films »Giganten« die Teilnahme an Rennen vertraglich untersagt. Unmittelbar nach Abschluss, es war gerade einmal ein Tag verstrichen, kaufte er am 16. September 1955 für 6.800 Dollar in Hollywood einen limitierten Porsche 550 Spyder. Jimmy gab seinen 356’er in Zahlung und legte für den neuen Stuttgarter nochmals 3.000 Dollar drauf. Der Österreicher Johnny von Neumann, Chef von Competition Motors, hatte lediglich fünf, von den insgesamt 90 limitierten Sportwagen, in die USA importieren lassen. James mochte diesen 110 PS starken und bis zu 220 km/h schnellen Wagen sehr.

Das Ende

Am 30. September war Jimmy nochmals bei »Competition Motors« in Hollywood und bereitete das Auto mit seinem Mechaniker Rolf Wütherich auf das anstehende Rennen vor.

Gegen 13.30 Uhr brachen sie nach Salinas auf.

Um 15.30 Uhr bekam James in Mettler Station einen Strafzettel, da er in einer 90’er-Zone mit etwas mehr als 140 km/h unterwegs war. Wenig später hielten sie in Blackwells Corner/Lost Hills an einer Tankstelle. Dort, direkt an der Zapfsäule, wurden die letzten Fotos von einem hoch motivierten und rauchenden James Dean aufgenommen.

Wenig später, an einer Kreuzung bei Cholame, kam es dann gegen 17.30 Uhr zu einem fatalen Missverständnis mit dem Ford-Fahrer Turnupseed. Dieser bremste abrupt und beschleunigte danach wieder. Dann bog der schwarz-weiße Ford plötzlich ab, nahm Dean die Vorfahrt und stieß so frontal mit dem zirka 90km/h schnellen 550’er Spyder zusammen. Wütherich sagte noch zu Jimmy, dass er bremsen solle, doch er meinte, und dies waren auch seine letzten Worte: »Der Typ muss warten…Er wird uns doch wohl sehn.« Laut eigener Aussage habe Donald Turnupseed den Porsche, der ohne Abblendlicht in der Dämmerung unterwegs war, nicht kommen sehen.

Der »Little Bastard« blieb nach der Kollision im Straßengraben liegen. Jimmy war bewusstlos und Rolf Wütherich wurde durch die Wucht des Aufpralls aus dem Auto geschleudert. James Dean wurde in das »Paso Robles War Memorial Hospital« transportiert. Als die Sanitäter etwa 10 Minuten später dort ankamen, war Jimmy bereits tot. Laut Autopsiegutachten starb James Byron Dean infolge des harten Aufpralls an einem Genickbruch. Ferner kamen multiple Frakturen im Kieferbereich, der Arme und Beine und schwere innere Verletzungen hinzu.

Donald Turnupseed war lediglich leicht an Nase und Stirn verletzt und stand unter Schock. In der späteren, medienüberladenen Gerichtsverhandlung, wurde Turnupseed vom Richter für unschuldig befunden.

Der depressive Deutsche

Jimmy’s Freund Rolf Wütherich kam mit dem Leben davon. Er erlitt bei dem Unfall einen Kiefer- und Beckenbruch, schwere Kopfverletzungen und mehrere Frakturen an Ober- und Unterschenkeln. Erst nach vier Tagen im Krankenhaus erlangte er das Bewusstsein wieder. Doch das Desaster in Kalifornien sollte ihn sein ganzes Leben nicht mehr loslassen. Im Laufe seiner seiner Motorsportkarriere hatte er mehrere schwere Unfälle. Als Rallyefahrer sei er mehrfach »beinahe draufgegangen.« Rolf Wütherich wurde in seiner Karriere sogar Vize-Rallye-Europameister.

Ständig erhielt er Post von Dean-Fans, die ihn für den Tod ihres Idols verantwortlich machten. Mittlerweile befand er sich in psychiatrischer Behandlung. 1966 unternahm er einen Selbstmordversuch und landete im psychiatrischen Fachkrankenhaus. Gerade einmal ein Jahr später versuchte er seine Ehefrau mit 14 Messerstichen und dann sich selbst zu töten. Er wurde daraufhin abermals eingewiesen und 1969 verlor er seine Anstellung bei Porsche.

1981 setzte Rolf Wütherich in Kupferzell seinem Leben ein Ende. Nachdem er den Abend in einer Kneipe verbracht hatte, setzte er sich volltrunken in seinen Honda Civic und fuhr ungebremst in ein Schreibwarengeschäft in der Künzelsauer Straße.

Die Kultfigur

James Dean wurde am 9. Oktober 1955 in Fairmount/Indianapolis auf dem Park Cemetery beerdigt. Um seinen Tod ragen sich etliche Mythen. Doch eine Tatsache steht fest: Zwar lag er mit 24 Jahren noch drei Jahre unter dem Beitrittsalter des »Club 27«, aber James Dean wurde durch seinen Lebensstil als Dissident und Aufrührer dennoch zu einer Legende und Kultfigur.

Noch am 17. September 1955 hatte James Dean einen Werbespot zum Thema »Sicherheit auf den Straßen« abgedreht. Darin verurteilte er lässig und rauchend die Raser auf den Highways und meinte sinngemäß, dass diese doch eher auf Rennstrecken fahren sollten. Er selbst sei auch immer gerast. Doch seitdem er aktiv an Rennen teilnehme, ist er sich des Risikos auf der Straße bewusst geworden. Seine treffenden Abschlussworte in dem Werbefilm waren: »Fahrt vorsichtig! Vielleicht bin ich es, dem ihr damit eines Tages das Leben rettet.«

Auf der Spree, Stefan Schäfer

Stefan Schäfer - Im Juni 1982 in Sangerhausen geboren, bin ich von dort an relativ gut und behütet aufgewachsen. Viel herumgekommen, einige Bildung ...

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