
- Buchcover Die Dämonenfängerin von Jana Oliver - Fischer Verlage FJB
Das Übernatürliche ist seit längerem ein festes Thema in der Jugendliteratur. Seien es Vampire und Werwölfe in Stephenie Meyers "Bis(s)"-Reihe oder in P.C.Casts "House of Night"-Romane, Lauren Kate lässt Engel gegeneinander antreten und in den zahlreichen Romantasy-Titeln wimmelt es von Gestaltwandlern, Dämonen und Hexen.
In sofern fügt sich Jana Olivers "Dämonenfängerin" gut in diese Liste ein. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Riley Blackthorne, Tochter eines Meisters des Dämonenfangs Paul Blackthorne.
Dämonen, Nekromanten und gepanschtes Weihwasser
Atlanta, im Jahr 2018: Riley hat als erstes Mädchen überhaupt eine Lizenz zum Dämonenfangen – als Lehrling, versteht sich. Der Job ist alles andere als einfach, denn die Dämonen tanzen ihr gehörig auf der Nase herum, so dass ihr erster großer Auftrag im Chaos endet. Riley wird vor die Gilde zitiert und muss sich rechtfertigen. Bewährung heißt das milde Urteil. Rileys Vater zeigt Verständnis und sie findet Halt bei ihm.
Als Rileys Vater bei einem Dämonenangriff getötet wird, bricht eine Welt für sie zusammen. Denver Beck, der Assistent ihres Vaters, versucht für Riley da zu sein, doch in ihrer Trauer verschließt sie sich ihm. Sie will sein Mitleid nicht, sondern sich vor allen Gildenmitgliedern beweisen. Aber Beck lässt nicht locker, denn Riley hat jetzt Beistand besonders nötig: Die Familie ist verschuldet, weswegen Nekromanten Rileys Vater exhumieren und als Zombie-Diener verkaufen wollen. Gut, dass es da noch Simon gibt, in den sich Riley verliebt. Und dann ist da noch die Sache mit dem gepanschten Weihwasser, der ihr Vater auf der Spur war. Wer sabotiert eine der wirksamsten Waffen der Dämonenfänger? Die Gilde ist ratlos, doch noch während man versucht, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, greifen Dämonen an und legen das Gildenhaus in Schutt und Asche, Fänger sterben. Aber das ist erst der Anfang der bevorstehenden Hölle...
"Die Dämonenfängerin": Sympathische Figuren in spannender Erzählung
"Die Dämonenfängerin" ist ein spannender und flüssig geschriebener Jugendroman mit sympathischen, authentischen Hauptfiguren. Zwar erfindet Autorin Jana Oliver das Rad mit ihrer Geschichte nicht neu - ältere Leser werden sich stellenweise an "Buffy – The Vampire Slayer" erinnert fühlen - aber sie schaff es, ihrer Geschichte einen eigenen Charakter zu geben.
Hauptfigur Riley ist ein typischer Teenager. Oft reagiert sie trotzig und stur und meint, jeder wolle ihr Böses. Ihr unüberlegtes Handeln hat Konsequenzen, sei es eine schwere Verletzung durch einen Dämon oder eine zerlegte Universitätsbibliothek, die ihr in der Schule schwer zu schaffen macht. Doch Riley lernt ihre Lektion, was sie als Figur sympathisch macht- auch, wenn ältere Leser über Rileys Verhalten nur den Kopf schütteln können.
Mit Denver Beck hat Jana Oliver einen Hauptsympathieträger geschaffen. Es ist eine Figur mit Ecken und Kanten, stets darauf bedacht, nie seine wahren Gefühle zu zeigen. Zu groß ist die Angst, verletzt zu werden. Seine Mutter war Alkoholikerin, den Vater hat Beck nie gekannt. In Paul Blackthorne fand er einen Vaterersatz. Er ist der einzige, der Beck eine Chance gab, nachdem dieser aus dem Afghanistankrieg zurückkehrte. Beck ertränkt seinen Kummer in Alkohol, beschließt aber schließlich, für Riley da zu sein - wie ein großer Bruder. Seine wahren Gefühle für sie wagt noch nicht mal er sich einzugestehen.
Verniedlichte Dämonen und schlechte Übersetzung
Jana Olivers Dämonen jedoch wirken stark verniedlicht. Optisch ähneln sie eher Figuren aus Jim Hensons Creature Shop. Zwar wird immer wieder die Bedrohung betont, die von ihnen ausgeht, doch stellt man sich die Dämonen vor, wie sie beschrieben sind, passt diese Gefahr nicht wirklich zu ihnen. Da hilft auch der gewaltige Dämonenangriff am Ende des Buches nicht.
Bei der Übersetzung fallen diverse Schwächen auf. Wenn die Dämonen sprechen, als haben sie Unterricht bei Jedi-Meister Yoda gehabt, ist das passend. Aber Jugendlichen Sätze wie "Wat willste/haste/biste" oder "Wenn nicht, tun sie die Jäger rufen" in den Mund zu legen, um sie jugendlicher klingen zu lassen, stört das Lesevergnügen erheblich. Auch der von Jana Oliver im englischen Original als Schotte angelegte Fänger Stewart verliert in der deutschen Übersetzung an Charme. Der Versuch, der Figur durch einen Dialekt diese Facette in der deutschen Fassung zu geben, wird gar nicht erst nicht unternommen. Dabei hätte man hier schön mit Sprache und Dialekten spielen können, so wie Andreas Brandhorst Terry Pratchetts "Kleine Freie Männer" in der deutschen Übersetzung herrlich schräg berlinern lässt.
Trotz diese kleinen Schwächen ist "Die Dämonenfängerin" ein unterhaltsames Lesevergnügen. Die ideenreiche Story bietet genug Potential für eine Fortsetzung, auf die sich die Leser schon jetzt freuen können.
Auf der Webseite zum Buch gibt es neben Extras und weiteren Informationen auch eine exklusive Zusatzgeschichte, die sich Riley Blackthorne-Fans nicht entgehen lassen sollten.
Jana Oliver: Die Dämonenfängerin. Aller Anfang ist Hölle (Band 1), Fischer Verlag Fjb; Frankfurt/Main 2011, gebunden, 537 Seiten, ISBN: 978-3841421104
