Jane Austen – Sie schrieb mit Verstand und Gefühl

Jane Austen - Jane Austen Museum
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Das Finden der großen Liebe gönnte sie nur ihren Romanheldinnen. Sie selbst widmete ihr Leben der Schreibleidenschaft und verewigte sich in ihren Romanen.

Jane Austen war das siebte von acht Kindern. Sie wurde am 16.12.1775 in Steventon in Hampshire geboren. Ihr Vater war dort Pfarrer. In der Familie herrschte ein hohes Bildungsniveau, es wurde viel gelesen, musiziert und Theaterstücke vorgeführt. Für die damalige Zeit ungewöhnlich ließ der Vater nicht nur den Söhnen Schulbildung zuteil werden, sondern auch Jane und ihrer Schwester Cassandra.

Schreibanfänge auf kleinem Papier

Jane durfte die Bibliothek des Vaters nutzen und im Alter von 12 Jahren begann sie selbst zu schreiben. Es entstanden Kurzromane, Prosastücke und Theaterstücke. Schon in diesen frühen Schreibversuchen beschäftigte sie sich satirisch mit den damaligen gesellschaftlichen Konventionen.

Für lange Zeit schrieb sie nur zur Unterhaltung der Familie. Vor der Öffentlichkeit wollte sie ihre Schreibversuche geheim halten. Sie benutzte deshalb nur kleinformatiges Papier, um es schnell verstecken zu können, wenn plötzlich Besuch kam. Im Pfarrhaus herrschte ein reges Kommen und Gehen,da die Familie zur oberen Mittelschicht gehörte und sehr am gesellschaftlichen Leben teilnahm. Die Gefahr, im Wohnzimmer inmitten des Trubels beim Schreiben entdeckt zu werden, war recht groß.

Ihr Vater jedoch versuchte für die Manuskripte einen Verleger zu finden, hatte damit aber kein Glück.

Warum Jane selbst nicht am Veröffentlichen interessiert war, ist nicht bekannt.

Eheglück nur im Roman

Als Jane 26 Jahre alt war, ging ihr Vater in den Ruhestand und zog mit seiner Frau und den beiden unverheiratet gebliebenen Töchtern nach Bath. Jane war einmal kurzzeitig verlobt, löste diese Verlobung aber selbst wieder auf. Was sie dazu bewogen hat, nicht zu heiraten, bleibt unklar. An Verehrern und Gelegenheiten kann es ihr nicht gemangelt haben, denn gesellschaftlichen Umgang war sie gewöhnt und sie liebte es auf den Bällen, zu denen sie bei den herrschaftlichen Familien in der Umgebung eingeladen wurde, zu tanzen. Es ist auch bekannt, dass sie nachdem sie in der Kindheit zwar gefördert wurde, trotzdem die damals traditionelle Rolle der Frau übernehmen musste. Sie befasste sich mit der Haushaltsführung, mit Nadelarbeit, Zeichnen und Musizieren. Dies alles tat sie mit Hingabe. Vielleicht fürchtete sie, als verheiratete Frau ihrer Leidenschaft und Begabung fürs Schreiben entsagen zu müssen.

Als der Vater 1805 starb, trat finanzielle Unsicherheit für Jane, Cassandra und ihre Mutter ein. Sie zogen nach Southampton und wurden von der Verwandtschaft unterstützt. Durch eine Erbschaft wurde es 1809 möglich, ein kleines Landhaus in Chawton zu beziehen. Dort blieb Jane bis an ihr Lebensende wohnen.

Nach den Jahren in der Stadt, wo sie sich unwohl gefühlt hatte und nicht fähig gewesen war, zu schreiben, erfasste sie nun ein großer Schaffensdrang. In Chawton überarbeitete sie ihre bisherigen Schreibversuche und es entstanden ihre Romane, die sie weltbekannt machten.

"by a Lady"

Bereits zu ihren Lebzeiten wurde sie von berühmten Schriftstellerkollegen, wie Walter Scott und Lord Byron hochgelobt. Obwohl sie immer anonym veröffentlichte ("by a Lady"), wusste durch eine Indiskretion bald jeder, dass sie sich dahinter verbarg.

Ihre Romane zeichnen sich durch die genaue Darstellung und Lebendigkeit der Charaktere aus, durch feinen Humor und die Sicherung harmonischer zwischenmenschlicher Beziehungen. Jane Austen beobachtete ihre Umgebung scharfsinnig und gab sie formal perfekt in Romanform wieder. Die Charaktere und Ereignisse entnahm sie also dem täglichen Leben, wie sie selbst es auch kannte. Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich und originell, da in der schönen Literatur sonst nur außergewöhniche Figuren und Begebenheiten vorkamen. Erstmals konnte der damalige Leser sich in Figuren wiederfinden.

Immer spielt sich die Handlung zwischen drei bis vier Familien des gehobenen Mittelstandes auf dem Lande ab. Abwechslung gibt es durch Besuche, Ausflüge, Reisen nach London, Bälle, das Abreisen von Personen oder Gerüchte von Ereignissen aus der Welt oder von Personen, die jedoch niemals selbst in Erscheinung treten.

Im Mittelpunkt jedes Romans steht die Heldin, die mit unterschiedlichen, meist liebenswerten Merkmalen ausgestattet ist, und die durch Wirrungen und Prüfungen einen Reifeprozess durchmacht und am Ende ihre Liebe findet.

Die Themen bei Jane Austen sind immer: Liebe, Ehe, Familie. Es sind die Themen mit denen sie sich ihr ganzes Leben lang befasste. Es geht ihr um die Vermittlung von menschlichen Werten und der Tiefe und Wahrheit in erlebten Erfahrungen.

"Verstand und Gefühl", ihr Erstlingswerk wurde 1811 veröffentlicht. Er entstand aus Entwürfen mit dem Titel "Elinor und Marianne" 1796.

"Stolz und Vorurteil", entstand aus dem Entwurf "Erste Eindrücke", den sie 1797 schrieb. Der überarbeitete Roman erschien 1813.

"Northanger Abbey", wurde erst 1817 nach dem Tod von Jane Austen veröffentlicht. Sie schrieb erstmals an diesem Roman aber schon 1798 bis 1799 und überarbeitete ihn 1802. Der ursprüngliche Titel lautete "Susan".

"Mansfield Park", entstand 1811 bis 1813 und erschien sofort.

"Emma", erschien 1816 und ist damit der letzte Roman, der zu Jane Austens Lebzeiten veröffentlicht wurde.

"Überredungskunst oder Die Liebe der Anne Elliot", entstand 1815 bis 1816 und erschien 1818.

Ausführliche Beschreibungen der Romane und eine Übersicht über alle Verfilmungen finden sich auf der Webseite Romantische Jane.

In Chawton

Während der Jahre in Chawton, in denen sie sich ganz dem Schreiben hingab, führte sie ein zurückgezogendes Leben. Sie erkrankte an einer Nebenniereninsuffizienz und fuhr zur Behandlung nach Winchester. Dort starb sie mit nur 41 Jahren am 18.7.1817 und wurde in der Kathedrale beigesetzt.

Obwohl Jane Austen so hoch geschätzt wurde, blieb es im 19. Jh. noch bei einer kleinen Leserschaft. Erst im 20. Jh. wuchs ihre allgemeine Beliebtheit und diese hält bis heute an.

Quellen:

"Stolz und Vorurteil" Kiepenheuer, Nachwort von Helmut Findeisen,

"Emma" Reclam Leseklassiker, Nachwort von Christian Grawe

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Alice Nicolas - Ich schreibe gern, seit ich schreiben kann. Ob mit Füller oder Tastatur - es gefällt mir, Erdachtes, Erlebtes und Informatives ...

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