
- Kiyomizu-Tempel, Kyoto - bildpixel / pixelio.de
Die Menschen in Japan sind schon ewig dem ständigen Kampf gegen Naturgewalten ausgesetzt. In ihrer rund 30.000 jährigen Geschichte hatten sie immer wieder mit schweren Katastrophen zu kämpfen. Nach heutigem Wissenstand war eine Besiedlung der Inselkette eigentlich gar nicht möglich.
Dennoch hat es Japan geschafft, es gehört zu den führenden Industrienationen der Welt. Trotz der riskanten Bedingungen leben über 120 Millionen Menschen in Japan.
Leben mit dem Vulkanismus
Allein in Japan gibt es rund vierzig aktive Vulkane, von denen eine ständige Gefahr ausgeht. Gerade durch die starke Besiedlung des Landes leben die Menschen oft in unmittelbarer Nähe an den Vulkanen. Sollte es zu einem Ausbruch kommen, sind daher sehr viele Anwohner betroffen. Japan ist sehr dicht bevölkert, jeder mögliche Quadratmeter muss irgendwie genutzt werden.
Erdbeben sind alltäglich
Durch die spezielle Lage Japans am Rand von vier tektonischen Erdplatten, die immer in Bewegung sind, kommt es dauernd zu kleineren Erdstößen. Auch mit starken Beben muss immer gerechnet werden, wie 1923 das Kanto-Beben und 1995 das große Beben bei Kobe. Am 11. März 2011 kommt es vor der Küste bei Sendai zum bisher stärksten Beben seit 140 Jahren, mit verheerenden Folgen. Die Japaner leben mit dieser dauernden Bedrohung und haben sich darauf eingestellt. In Japan wird völlig anders als zum Beispiel in Europa nahezu erdbebensicher gebaut. Dennoch ist gerade die Hauptstadt Tokio mit weit über acht Millionen Bewohnern sehr stark erdbebengefährdet. Das Beben bei Sendai hatte sein Epizentrum gerade einmal 250 Kilömeter entfernt. Wie und warum Erdbeben entstehen.
Erst Erdbeben, dann Tsunami
Durch starke Erdbeben entstehen auch die sogenannten Tsunamis, meterhohe Wellenberge, die über die Küstenregionen hinwegrollen. Sie spülen alles weg, egal ob Häuser, Fahrzeuge oder Menschen. Oft entstehen dabei die wesentlich größeren Schäden als beim auslösenden Erdbeben. In der Geschichte Japans wurden schon über 160.000 Menschen durch diese Riesenwellen getötet. Dennoch sind gerade die Küsten sehr stark besiedelt, gerade in Japan ist Schifffahrt und Fischfang ein enormer Wirtschaftsfaktor. Tsunamis - latende Gefahr an den Küsten der Welt.
Kaum Rohstoffe in Japan
Der Inselstaat hat so gut wie keine Rohstoffe, auch die Möglichkeiten der Landwirtschaft sind sehr beschränkt. Durch den hohen Gebirgsanteil ist landwirtschaftlicher Anbau oft nur auf Terrassen möglich und daher lange nicht so effektiv. Bodenschätze wie Erdöl oder Kohle besitzt Japan nicht, das erklärt auch die extreme Anzahl an Kernkraftwerken (55) in dem flächenmäßig doch eher kleinen Land. Man sah darin die einzige Möglichkeit, unabhängig zu sein. Japans Industrie ist einer der größten Stromverbraucher und auch die 120 Millionen Menschen müssen ausreichend versorgt werden. Trotz des hohen Risikos hat man daher auf die Kernkraft gesetzt.
In der Ruhe liegt die Kraft
Trotz der gefährdeten Lage und den damit verbundenen Risiken sind die Japaner doch nach außen hin recht gelassen. Mit der seit Tausenden von Jahren anhaltenden Bedrohung durch die Natur hat man sich damit arrangiert. Gerade jetzt bei der durch Erdbeben und Tsunami im Kraftwerk Fukushiwa entstandenen Katastrophe ist die Ruhe in der Bevölkerung zu bewundern. Keine Panik, keine Plünderungen in den zerstörten Regionen. In anderen Ländern ist das kaum vorstellbar. Die Menschen scheinen mit einer Art inneren Ruhe ausgestattet zu sein, die es ihnen überhaupt erst ermöglicht, dort zu leben.
Bleibt die Hoffnung, dass dieser Umstand den Menschen dort angesichts der katastrophalen Zustände nach dem Sendai-Beben am 11. März 2011 genug Kraft gibt, um alle Folgen zu bewältigen. Noch blickt die ganze Welt voller Sorge nach Japan.
