Kommen radioaktiv belastete Speisen auf den Markt? Bereits die dritte Explosion ereignete sich binnen einiger Tage in Fukushima. Diesmal ist Reaktor Drei betroffen. Im Reaktor Vier, der bereits vor dem Erdbeben abgeschaltet wurde, brach ein Feuer aus, doch konnte dieses laut japanischen Medienberichten bereits wieder gelöscht werden. Bis dato sollen insgesamt 190 Menschen mit radioaktiven Vergiftungen in Spitäler eingeliefert worden sein. Genauere Informationen liegen noch nicht vor. Die Folgen der dramatischen Ereignisse in Japan machen auch vor der deutschen Politik nicht Halt.

Radioaktivität kommt in Speisen auch zu uns

Durch Wind getragene radioaktive Wolken aus Japan werden auf das Meer hinausgetragen, den Lebensraum der Fische und Meerestiere. Kontaminierte Böden und Wasser liefern kontaminierte Lebensmittel für Mensch und Tier. Auch wenn der Wind mögliche radioaktive Wolken aus Japan nur in einem sehr begrenzten Maße zu uns bringen kann, können wohl weder Europa noch einer der anderen Kontinente es verhindern, dass radioaktiv verseuchte Lebensmittel auf den Markt kommen. Obwohl Japan Nahrungsmittel hauptsächlich importiert, da es unter anderem zu wenig Agrarland hat, um die eigene Bevölkerung ausreichend beliefern zu können, gibt es doch auch Lebensmittelexporte, beispielsweise von Fisch. Doch nicht nur der aus japannahen Gewässern gefangene Fisch wird womöglich radioaktive Partikel in sich tragen. Fische schwimmen frei und weit, fressen das verstrahlte Plankton und nehmen verstrahlte Partikel aus dem Wasser auf. Die größeren Meeresbewohner ernähren sich in der Regel von kleineren Tieren und können noch weiter schwimmen als diese. Somit ergibt sich die Rechnung: Je größer der Fisch, desto höher ist seine radioaktive Belastung. Die Landtiere fressen verseuchtes Gras und trinken verseuchtes Wasser. Obst und Gemüse können auch auf verstrahltem Boden wachsen.

Gefahr für Tokio und weitere Evakuierungen

Während der dritten Explosion im Reaktorort Fukushima drehte der Wind in Richtung Nord, also in Richtung der Hauptstadt Tokio. Japanische Behörden sprechen von einer leichten Strahlenbelastung in diesem Gebiet, für die Bewohner seien allerdings noch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten. Tokio hat ein Fläche von etwa 14.000 Quadratkilometern, über 35 Millionen Menschen leben dort. Die Stadt ist somit weltweit die größte Metropole. Der japanische Regierungssprecher Yuki Edano äußerte sich am 15.03.2011 MEZ gegenüber den Medien, die Strahlenbelastung liege in den Gebieten um die betroffenen Reaktoren um das 400-fache über den Grenzwerten. Um 7 Uhr MEZ verbreitete der Nachrichtensender n-TV die Meldungen, dass die Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern um Fokushima I und zehn Kilometern um Fokushima II evakuiert werden sollen.

Panikloses Verhalten der Japaner, Hamsterkäufe und Stromabschaltungen

Die Japaner profitieren jetzt von ihrer Erziehung zu Disziplin. Trotz Erdbeben, Tsunami und möglicher Kernschmelze brach keinerlei Panik aus. Wie würden sich derartige Katastrophen in anderen Ländern auswirken? Bekanntlich ist das Verhalten der Menschen in dramatischen Krisensituationen unberechenbar und das Aufkommen von Panik verschlimmert jeden Krisenfall und macht es auch Rettungskräften nahezu unmöglich, zu helfen. In den letzten Tagen wurden Lebensmittelgeschäfte noch beliefert, doch jetzt stehen die Menschen in Krisengebieten meist vor leeren Regalen. Auch die regelmäßigen Stromabschaltungen machen es oft unmöglich, einzukaufen. Neben Nahrungsmitteln sind besonders Wasser, Taschenlampen und Schutzmasken gefragt.

Deutsche Politik und die Atommeiler

Laut den Aussagen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der Frage nach dem Weiterbestehen der Atomkraftwerke in Deutschland, kann sich die „…deutsche Bevölkerung darauf verlassen, ihre Gesundheit und ihre Sicherheit ist für mich oberstes Gebot..“ Merkel hat die Entscheidung über das Weiterbestehen einiger Atomkraftwerke in den Bundesländern auf drei Monate ausgesetzt. Oppositionelle behaupten, es sei nur „… ein taktisches Spielchen mit der Bevölkerung…“ (n-TV 15.03.2011) um den bevorstehenden Wahlkampf für sich entscheiden zu können.