
- Nach der atomaren Katastrophe - (c) A.Dreher - PIXELIO.de
In Japan kam es zu einer Kettenreaktion sondersgleichen. Nach einem Erdbeben der Stärke 9 (die ursprüngliche Angabe 8,9 wurde inzwischen revidiert) am 11. März 2011 folgte ein dadurch ausgelöster, zehn Meter hoher Tsunami. Nun droht die atomare Katastrophe, nachdem zunächst durch das Erdbeben die Stromversorgung einiger Atomkraftwerke und dann durch den Tsunami auch die Notstromversorgung zerstört wurden. Schien es zunächst, als würde nur vom Atomkraftwerk Fukushima Gefahr ausgehen, so gab es inzwischen auch Störungen in den Atomkraftwerken Tokai und Onagawa. Doch am Gefährlichsten ist nach wie vor das AKW Fukushima.
Kernkraftwerk Fukushima: Ohne Kühlung ist die Kernschmelze unvermeidbar
Ohne Stromversorgung ist keine Kühlung der etwa 2.000°C heißen Brennstäbe mehr möglich, da die Wasser-Pumpen nicht funktionieren. Obwohl die Brennstäbe bereits am Freitag während des Bebens automatisch abgeschaltet wurden und kein Uran mehr gespalten wird, kommt es nach wie vor zu Folgereaktionen und einer Nachzerfallswärme der Brennstäbe, insbesondere durch Spaltung von Jod und Cäsium. Die Temperatur dieses Nachglühens reicht aus für eine Kernschmelze. Aufgrund des Verlustes des gereinigten Kühlwassers wird seither versucht, die Brennstäbe mit Meerwasser zu kühlen. Dem Meerwasser ist Borsäure beigemischt, das eine weitere Folge-Kettenreaktion mit Cäsium und Jod stoppen soll. Meerwasser wird nur im äußersten Notfall verwendet. Danach ist das Kraftwerk aufgrund der Korrosion vermutlich nicht mehr betreibbar, so Hajo Heyck, Lehrbeauftragter für Kerntechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz.
Japan, AKW Fukushima: Explosionen in drei Reaktoren, Kernschmelze droht unmittelbar
Bereits am 12.März 2011 explodierte die äußere Hülle des Reaktors Fukushima eins. In der Folge gab es Berichte über eine bereits erfolgte Kernschmelze, doch wurden diese bis heute nicht bestätigt (Quelle topnews). Am 14. März gab es im Reaktor Fukushima drei eine Explosion. Unbestätigten Berichten zufolge soll es auch zu einer Explosion im Kernkraftwerk Fukushima zwei gekommen sein (Quelle: Tagesschau.sf). Laut Focus, der sich auf die japanische Nachrichtenagentur Kyodo beruft, gab es definitiv eine Explosion im Inneren von Reaktor zwei, bei welchem vermutlich auch der Reaktorbehälter beschädigt wurde, wodurch Radioaktivität austreten könne. In Block vier war ein Feuer ausgebrochen. Kernschmelze drohe derzeit in den Reaktorblöcken eins, zwei und drei. Um eine Kernschmelze zu verhindern, müssen die vier Meter hohen Brennstäbe stets mit Wasser bedeckt sein. Im Reaktor zwei ist das immer wieder über längere Zeit nicht der Fall gewesen. Zwar wurde immer wieder Meerwasser nachgepumpt, doch ist eine dauerhafte Bedeckung mit Wasser nicht gewährleistet. Laut Regierungssprecher Yukio Edano sei es „höchstwahrscheinlich“ sogar bereits zur Kernschmelze gekommen, so die Schweizer Tagesschau. Bestätigte Berichte liegen derzeit noch nicht vor. Update 15.3., später Vormittag: Die Explosion im 2. Block mit Austritt hoher Radioaktivität ist inzwischen bestätigt.
Radioaktive Kontaminierung der Bevölkerung im Umland bis Tokio durch Atomkraftwerk Fukushima
Durch Ablassen des Dampfes zur Vermeidung von Überdruck, Explosionen und Bränden trat bereits jetzt Radioaktivität aus. Der Wind sei zuletzt gen Tokio gestanden, so dass die Millionenstadt kontaminiert werden könnte. Laut Focus werden bereits erhöhte Strahlenwerte in Tokio gemessen, was zu Panik und Hamsterkäufen führe.
Die evakuierte Sicherheitszone um das Kernkraftwerk Fukushima wurde inzwischen von 20 auf 30 Kilometer erhöht, Jodtabletten werden ausgegeben. Durch die Einnahme von Jodtabletten soll die Aufnahme von radioaktivem Jod aus der Luft verhindert werden. Nachdem der Strahlenwerte zunächst niedrig waren oder heruntergespielt wurden, wird jetzt offen über gesundheitsschädliche Werte gesprochen. „Wir reden jetzt über eine Strahlendosis, die die menschliche Gesundheit gefährden kann“, so Regierungssprecher Yukio Edano. Die vereinzelt gemessene Dosis von 400 Millisievert übersteige den Grenzwert der Strahlenbelastung für ein Jahr um das 400fache. Update 15.3., Vormittag: Inzwischen wurden vereinzelt kurz nach der Explosion in Block zwei über 900 Millisievert gemessen.
Japan: Das Warten auf den Super-Gau nach Erdbeben und Tsunami
Wie eine biblische Offenbarung wirkt diese Kettenreaktion von unsagbaren Katastrophen in Japan. Nachdem erst die Häuser durch ein Erdbeben nie dagewesener Stärke 9 zerstört wurden, wurde alles, was noch stand durch die riesige Flutwelle Tsunami mitgerissen. Bereits jetzt gibt es tausende von Toten. Und nun droht der atomare Super-Gau.
Eigentlich ist das 1989 im Zusammenhang mit Tschernobyl erfundene Wort "Super-Gau" ein Paradoxon – denn ein „GAU“ ist bereits der Größte Anzunehmende Unfall. Nachdem jetzt aber sechs Reaktoren, die allemal 20 bis 30 mal so viel Brennmaterial beinhalten wie einst Tschernobyl, gefährdet sind, ist das Wort Super-Gau durchaus angebracht. Und man kann nur hoffen, dass nicht noch weitere hinzu kommen.
Gefahr für Deutschland durch atomare Katastrophe in Japan
Noch berichten die Medien, dass aufgrund der großen räumlichen Distanz keine Gefahr für Deutschland bestehen würde. Doch erinnern wir uns an Tschernobyl, so hieß es damals, eine Gefahr bestünde lediglich 20 Kilometer im Umkreis um das Kraftwerk. Wie wir inzwischen wissen, traf das nicht zu. Letztlich leben wir alle in derselben Atmosphäre, atmen dieselbe Luft. Die Meere sind verbunden. Ganz abgesehen von den Nahrungsmitteln, die aus dem fernen Osten geliefert werden. Ein ganz anderer Punkt ist die weltweite Wirtschaft, die durch eine solche Katastrophe mit Schäden in etlicher Milliardenhöhe in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch, wenn die Gefahr nicht unmittelbar ist – Deutschland wird in jedem Fall die Auswirkungen der japanischen Katastrophen spüren.
Quellen: Live-Ticker auf Tageschau, Focus und Welt-Online
