Wer an Japan denkt, denkt leider oft nur noch an die Tsunami- und Atomkatastrophe. Viele Reisenden lassen sich daneben durch die Sprachproblematik und das angeblich sehr hohe Preisniveau abschrecken. Dabei hat Japan viel zu bieten und ist ein äußerst gut organisiertes Reiseland, dessen vorbildliche öffentliche Infrastruktur und sehr hilfsbereiten Einwohner das Reisen auch für Reisende, die nicht der japanischen Sprache mächtig sind, problemlos ermöglichen. Englisch sollte man jedoch sprechen, um zurecht zu kommen.

Der Japan Rail Pass

Wer Japan intensiv bereisen möchte, sollte zunächst über den Kauf eines Japan Rail Passes nachdenken, der für die Dauer von 7 oder 14 Tagen das uneingeschränkte Reisen mit Japan Rail zu vergleichsweise günstigen Preisen ermöglicht. Dabei können mit wenigen Ausnahmen auch die weltberühmten Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen (Bullet Train) genutzt werden. Zudem ist die Nutzung einiger Nahverkehrslinien innerhalb Tokyos im Japan Rail Pass enthalten.

Wichtig ist, den Pass vor der Ankunft in Japan bereits in Deutschland an den verfügbaren Vorverkaufsstellen oder über das Internet zu erwerben! Ein Kauf vor Ort in Japan ist nicht mehr möglich. Für den Pass erhält man einen Voucher, den man dann vor Ort in Japan einlöst.

Station Nr. 1 zum Akklimatisieren: Toyko

Tokyo ist eine äußerst moderne Stadt und ermöglicht Japanreisenden einen einfachen Einstieg, da fast alle öffentlichen Informationen auch in englischer Sprache verfügbar sind und zahlreiche Reiseführer und Internetseiten eine sehr gute und detaillierte Vorbereitung ermöglichen. Darüber hinaus sprechen viele Mitarbeiter in touristischen Einrichtungen (Flughäfen, öffentliche Verkehrsmittel, Hotels, etc.) sehr gutes Englisch.

Tokyo ist nicht so teuer wie sein Ruf. Gute Mittelklassehotels und Ryokans (die japanische Bed & Breakfast Variante) sind bereits für unter 100 Euro zu haben. Auch für Backpacker gibt es deutlich günstige Ryokans und Herbergen. Die Auswahl an traditionellen und modernen Sehenswürdigkeiten, Museen und Einkaufsmöglichkeiten ist unerschöpflich. Darüber hinaus kann man von Tokyo sehr gute Tagesausflüge, zum Beispiel nach Kamakura, unternehmen.

Für die Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmittel gibt es Tageskarten, die zahlreiche Fahrten zu Sehenswürdigkeiten ermöglichen. Verwirrend ist für Deutsche gegebenenfalls, dass verschiedene Bahngesellschaften Nahverkehrslinien betreiben, was beim Ticketkauf beachtet werden muss. Man kann jedoch wenig falsch machen, da zum einen der Zutritt zu den Bahngleisen immer mit Ticket kontrolliert wird, so dass man nicht Gefahr läuft aus versehen schwarz zu fahren. Zum anderen kann man vor dem Verlassen der Ticketbereiche immer straffrei nachlösen, sollte man ein zu günstiges Ticket gekauft haben. Das U-Bahn System entspricht der Systematik aller U-Bahnlinien und ist daher gut zu verstehen, insbesondere, da alle U-Bahn-Stationen nummeriert sind und so Orientierung zu Standort und auch Fahrtrichtung sehr leicht fallen.

Station Nr. 2: Kansai

Wer mehr von Japan sehen möchte, kann als zweite Station die Kansai-Region weiter südlich ansteuern und die Städe Osaka, Kyoto, Kobe und Nara auf engstem Raum besichtigen. Eine Fahrt mit dem berühmten Shinkansen, dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, ist dabei empfehlenswert. Osaka und Kobe bieten überwiegend modernen Großstadtflair, während Kyoto und Nara historisch als Kaiserstädte für Japan große Bedeutung haben und für den geschichtlich und kulturell interessierten Reisenden ein lohnenswertes Ziel sind.

Die Kansai-Region ist über öffentliche Verkehrsmittel sehr gut verbunden, so dass man durchaus an einem Ort übernachten kann und von dort aus alle Ziele ansteuern kann. Das lästige, tägliche Umziehen von Hotel zu Hotel entfällt somit. Auch hier gilt wieder zu beachten, dass man mit dem Japan Rail Pass nur die Linien der Japan Rail benutzen kann.

In Kyoto ist Busfahren das Fortbewegungsmittel der Wahl. Auch wenn dies komplizierter erscheint als Bahn und U-Bahn, geben englischsprachige Pläne, Erklärungen und Linienkarten einen sehr guten Überblick. Die meisten Buslinien zeigen die Sehenswürdigkeiten an, die sie ansteuern, so dass ich auch Touristen sehr gut zurecht finden.

Von der Kansai Region kann man zu weiteren Zielen in der Nähe, wie dem Tempelberg Koya-san, weiterreisen oder andere Regionen Japans, wie Hiroshima, ansteuern. Alternativ fliegt man direkt vom neuen Kansai Airport nach Deutschland zurück.

Anreise und Reisezeit

Gute Flugverbindungen von Deutschland gibt es hauptsächlich nach Toyko und Osaka. Die Reise nach Japan kann als Rundreise gestaltet werden, so dass man Toyko anfliegt und auch von dort wieder zurück fliegt. Günstig ist ebenfalls die Ankunft in Tokyo und die Rückreise vom südlch gelegeneren Flughafen Kansai (Osaka), so dass man Japan von Norden in Richtung Süden bereist.

Als Reisezeit bieten sich Frühjahr und Herbst an, da der Frühsommer je nach Region oft sehr nass und der Sommer oft sehr heiß ist. Im Frühjahr sollte man beachten, dass durch viele Feiertage (Golden Week) auch viele Einheimische reisen und Sehenswürdigkeiten überlaufen sein könnten. Auch die Preise sind entsprechend höher. Im Juni liegen Hotelpreise manchmal niedriger, da in der sogenannten Regensaison nicht viele Reisende unterwegs sind.

Vorbereitung

Wie bei allen Fernreisen ist die Vorbereitung wichtig, so dass man vor Ort möglichst bereits über viele Informationen verfügt und die Orientierung vereinfacht wird. Da Japan ein modernes Land ist, entfallen viele Vorsichtsmaßnahmen, die in anderen Fernreisezielen Asiens äufig notwendig sind, wie Impfungen oder das Mitbringen zahlreicher Medikamente, die vor Ort gegebenfalls nicht verfügbar sein könnten.

Zu beachten sind vor allem die unterschiedliche Stromspannung (wie in den USA) und die Funktion der eigenen Kreditkarte in Japan. Viele Geldautomaten und Geschäfte akzeptieren keine ausländischen Kreditkarten sowie die in Europa verbreiteten sogenannten Debitkarten. In der Regel kann man jedoch sowohl bei Japan Post als auch bei den ATM von 7Eleven, einer amerikanischen Convenience Store Kette, mit europäischen Kreditkarten Geld abheben. Über Gebühren sollte man sich vorab informieren. Manche deutschen Onlinebanken bieten im Ausland kostenfreie Geldabhebungen mit Kreditkarten an.

Bei guter Vorbereitung steht einer problemlosen Japanreise mit vielen interessanten Eindrücken nichts mehr im Wege. Dabei werden viele in Deutschland verbreitetet Standardmeinungen über Japan auf den Kopf gestellt.