Nur als Umriss, im schwachen Schein des Kerzenlichts, war die Japanerin Renkei Hashimoto wahrzunehmen. Sie kniete am Boden. Bevor sie mit dem Spiel auf ihrer traditionellen Shakuhachi-Bambusflöte begann, legte sich eine Stille über das Publikum in dem stockfinsteren Gewölberaum, der einst ein bayerischer Kuhstall war. Nur das Licht der Flamme flackerte und spielte mit Formen an den Wänden. Es entstand eine besondere Atmosphäre, entspannend und zugleich voll angespannter Erwartung auf die exotische Klangwelt. Nicht die Melodie bestimmte die Musik der Japanerin auf ihrer Flöte, es war ihr tiefer Atem, der dem Instrument hauchende Töne entlockte. Es war, als würde sie ihr Inneres von der schnelllebigen Zeit ein Stückweit befreien

Shakuhachi-Spieler sind die „Mönche der Leere“

Es gibt Musikinstrumente, deren Klangspiel eine heilende Wirkung hat. Die Harfe wird daher als das „Instrument der Engel“ bezeichnet. Der Klang des Didgeridoos der australischen Aborigines soll positiv auf Körper und Geist wirken und in die Meditation führt das japanische Shakuhachi-Spiel auf der traditionellen Bambusflöte.

Vor gut zehn Jahren suchte die Japanerin Renkei Hashimoto, die in Beuerberg lebt und Gesang an der Münchner Musikhochschule studierte, nach einem Instrument, das ihr mehr geben sollte, als nur eine Möglichkeit zu Musizieren. Sie traf auf den Lehrmeister Ikkei N. Hanada, der sie in das Geheimnis der Fuke-Shakuhachi-Schule einführte. Im 9. Jahrhundert entstand unter dem Einfluss des chinesischen Zen-Meisters Fuke das meditative Klangspiel dieser Bambusflöte. Die Shakuhachi-Spieler, die auch „Komuso – die Mönche der Leere“ genannt werden, haben Fukes musikalische Überlieferungen im 14. Jahrhundert nach Japan gebracht. Heute noch wird dort das heilende Klangspiel in Zen-Tempeln praktiziert.

Sutra-Rezitieren ohne Worte

Renkei Hashimoto spielt täglich auf ihrer Flöte, nicht um Perfektion zu üben, sagt sie, eher um der geistigen Haltung willen. Das Shakuhachi-Spielen ist ein Sutra-Rezitieren ohne Worte. Sutras sind Textpassagen aus den Schriften der buddhistischen Lehre.

Die jahrhundertealten Flötenstücke tragen Namen wie „Kyotahn – die leere Glocke“ oder „Ioborozuki – der verschleierte Mond“.

Konzert als Beitrag zum ersten Japanfest in Beuerberg

In drei thematische Abschnitte war der Konzertabend in Beuerberg eingeteilt und der Münchner Gymnasiallehrer Manfred Huber, ein Zen-Übender, kommentierte die einzelnen Flötenstücke. Es waren fremdartige Lieder ohne erkennbare Strukturen, ohne eine gewohnte Melodie. Hashimoto ließ Tonfolgen durch das bloße Ausatmen eines langen Atemzugs entstehen – mal hoch, mal tief, mal hauchend und hölzern. Doch wer sich auf dieses Klangspiel einließ, konnte zusehends selbst eine innere Ruhe und Entspannung fühlen.

Das Konzert von Renkei Hashimoto war ein Beitrag des ersten Japanfestes in dem beschaulichen Ort Beuerberg im Tölzer Land, dass im alten Hofgewölbe des Architekten Hartmut Weber stattfand. Zusammen mit Renkei Hashimoto und seinen Nachbarn, dem Künstlerpaar Sabine und Pentti Turpeinen, haben sie ein Stück fernöstliche Kultur und Tradition ins Voralpenland gebracht.