
- Jazz, Rock und Pop - Fritz Rau kennt die Stars - Ruth Weitz
So manch spannende und amüsante Anekdote erzählt der Konzertmanager Fritz Rau in seinen Lesereisen, die er unter dem Titel „Begegnungen" zusammengefasst hat. Untermalt mit Gitarrenspiel und Gesang von dem hoch musikalischen Jürgen Schwab und flankiert von einer Präsentation mit Kieser-Plakaten und Fotos von Anna Meuer bietet er einen Einblick in das turbulente Leben eines Konzertmachers und in das Seelenleben von Prominenten, ihre menschlichen Schwächen und Stärken.
Fritz Rau: Charmant, blitzgescheit und auf dem Teppich geblieben
„Der alte Fritz ist halt ein blitzgescheiter Kerl“, singt Jügen Schwab und erzählt in dem Einstiegslied schon allerhand über den legendären Konzertmanager, zum Beispiel, dass er nie einen Führerschein gemacht hat. Dass er in der Tat ein blitzgescheiter Kerl, zudem noch charmant und trotz seines Erfolgs auf dem Teppich geblieben ist, das beweist Fritz Rau in den gut zwei Stunden, in denen er das Publikum mit seinen Erlebnissen über die Begegnungen mit den Größen des Showgeschäfts fesselt.
Die Jazz-Legende Ella Fitzgerald und „Mack the Knife“
Schon zu Beginn seiner Karriere hatte Fritz Rau Berührung mit Ella Fitzgerald, einer der ganz Großen des Jazz. Er berichtet: „Als sie bei einem Auftritt in Berlin den Text von ‚Mack The Knife‘ vergaß, hat sie einfach improvisiert und ihren eigenen Text kreiert“. Damit habe sie das Publikum von den Stühlen gerissen und mit ihrer spezifischen Ella-Variante von „Mack the Knife“ einen nachhaltigen Erfolg erzielt. Die Originalaufnahme aus Berlin bekommen die Zuschauer dann auch zu hören. Aus der Zusammenarbeit Raus mit der berühmten Jazz-Sängerin war eine Freundschaft entstanden. Ella Fitzgerald hatte darauf bestanden, die Wiege für die 1960 geborene Tochter des Konzertmanagers zu kaufen und das Baby-Mobiliar höchst persönlich in einem Frankfurter Geschäft ausgesucht.
Die Freiheit, die der Jazz gibt, ist die Improvisation
Mit einer weiteren Jazz-Ikone, dem Pianisten Oscar Peterson, war Fritz Rau ebenfalls freundschaftlich verbunden. Petersen wurde Taufpate seines Sohnes und ließ als Geschenk ein Piano ins Haus liefern. „Dieses Piano gibt es heute noch“, erzählt Fritz Rau nicht ohne Stolz, dem das Fabel für Jazz-Musik bis zum heutigen Tag nicht abhanden gekommen ist. „Die Freiheit, die der Jazz gibt, ist die Improvisation“, sagt er. Jürgen Schwab beweist die Korrektheit von Raus These mit seiner Interpretation von „How high the moon“, einem von William Morgan Lewis komponierten Jazz-Standard, den er mit brillantem Gitarrenspiel umsetzt.
Marlene Dietrich rieb Fritz Raus Brust mit Wick vaporub ein
Der Wunsch, lieber zu sterben, als das Kommende zu erleben, habe ihn erfasst, als er Marlene Dietrich nach einem Konzert in Köln in das falsche Taxi gesetzt und im Hotel vergeblich auf sie gewartet habe. „Fritz, too much is too much“, so der Ausspruch einer verärgerten Diva, die nach einer Odyssee dann letztlich doch noch im Hotel angekommen ist. Die Verärgerung habe nicht lange angehalten, so Rau. Marlene Dietrich habe die Nacht mit ihm in seinem Hotelzimmer verbracht. Von „schwülen“ Erinnerungen berichtet Rau allerdings nicht. Er sei stark erkältet gewesen. „Marlene hat mir die Brust mit Wick vaporub eingerieben – mehr ist nicht passiert.“
Begegnungen mit Nana Mouskouri, Elton John, Queen, den Rolling Stones, Bruce Springsteen und Jimi Hendrix
Rau erzählt von Nana Mouskouri, mit der ihn auch heute noch eine enge Freundschaft verbindet, und wie er seine erste Begegnung mit ihr in der Londoner Royal Albert Hall hatte. Als sie „Amazing Grace“ a cappella ohne Mikrofon gesungen habe, sei er regelrecht erschüttert gewesen und mit ihm das Publikum, das mucksmäuschenstill der unvergleichlichen Stimme Nana Mouskouris gelauscht habe. Exzentrisch, aber ein hervorragender Pianist und Songschreiber sei Elton John, der um ein Haar ein Konzert in Frankfurt in den Sand gesetzt habe, weil der Teppich in der Garderobe vor Nässe „gequatscht“ habe. Die Zuhörer erfahren, dass Fritz Rau die Rock-Gruppe „Queen“ unter seine Fittiche genommen hatte, als kaum jemand sie kannte. Rau berichtet von den Rolling Stones, von der drohenden Auflösung der Rock-Band, weil Mick Jagger und Keith Richards eine private Fehde austrugen, von dem eigenwilligen und bunten Vogel Jimi Hendrix, dem das schwäbische Nationalgericht Spätzle mit Linsen Magengrimmen bereitete und von Bruce Springsteen, den er als besten Rockstar der Welt bewertet.
Udo Lindenbergs Traum von der deutschen Wiedervereinigung
„Man kann sein Maul nur aufreißen, wenn man auch bereit ist dafür zu bluten“, kommentiert Fritz Rau seinen Kampf für Rock-Veranstaltungen in öffentlichen Hallen, nachdem bei einem Jethro-Tull-Konzert Rock-Fans die Glaswand in der Frankfurter Jahrhunderthalle zertrümmert hatten und deshalb künftige Konzertveranstaltungen auf der Kippe standen. „Fritzchen und die Nachtigall“ hatte Udo Lindenberg ein Foto beschriftet, das ihn mit dem Konzertmanager zeigt. Fritz Rau schildert Lindenbergs Vision von einem wiedervereinigten Deutschland und seinem Wunsch in der damaligen DDR aufzutreten. Eine Tournee sei ihm aber erst nach dem Mauerfall ermöglicht worden.
„Tabaluga und Lilli“ von und mit Peter Maffay bezeichnet Fritz Rau als seinen größten Erfolg
„Wir hatten viele großartige Produktionen, die nicht miteinander vergleichbar sind“, sagt Fritz Rau zum Schluss. Als herausragendes und wohl einmaliges Projekt nennt er das Musical „Tabaluga und Lilli“ von und mit Peter Maffay. „Es war unser Ding – made in Germany“, fasst er zusammen und schildert, dass er um ein Haar die Produktion wegen immens hoher Kosten abgeblasen hätte.
Fritz Rau – ein vor Leidenschaft sprühender Musikliebhaber
Nach einem Herzinfarkt, mehreren Bypass-Operationen und jetzt auch noch mit einem künstlichen Hüftgelenk sei er zwar nicht ganz gesund, aber ganz gut repariert, stellt Fritz Rau fest und kokettiert mit seinem Alter. 80 Lenze zählt der Konzertmacher und ist immer noch ein vor Leidenschaft sprühender Musikliebhaber und blitzgescheiter Kopf.
Linktipps:
Der Blues, Fritz Rau und Biber Herrmann.
Jürgen Schwab und Fritz Rau mit "Begegnungen" und "50 Jahre Backstage".
