
- Jean paul Büste aus Wunsiedler Marmor von Wolfgang - Ines Brückle
Jean Paul selbst nannte das Pfarrhaus in Joditz und den Ort drum herum seinen eigentlichen, seinen geistigen Geburtsort. Er kam als Zweijähriger in das idyllische Dörfchen, geboren wurde der Autodidakt 1763 in Wunsiedel. Wo heute Entspannung und Urlaubsstimmung aufkommen, herrschte damals bittere Armut, und doch erlebten die Menschen ihr Glück in der Beschränkung, wie es Jean Paul in seinem heute meistgelesenen Buch, dem „Schulmeisterlein Wutz” nachzeichnete und damit seinem alten Lehrer Knieling ein liebevolles Denkmal setzte. Der Dorfkern ist eine Art Freilichtmuseum im Gedenken an den berühmten Sohn, Johann Paul Friedrich Richter, bekannt als Jean Paul. Vor der Kirche steht eine Jean-Paul-Büste. Lauschte doch in ihr der „Pfarrers Fritz” des Vaters Predigten. Am Pfarrhaus prangt die Tafel „Jean Pauls Jugendheimat 1765-1776”.
Das Privatmuseum
Das eigentliche Museum steht versteckt im hinteren Bereich des Gartens. Anstelle der Gartenlaube, in und vor welcher der eigenwillige Zeitgenosse Schillers und Goethes geträumt, gelernt und gedacht hat, steht ein kleines Weberhaus. Das Gebäude aus dem Jahr 1893 beherbergt all die Schätze, die der Buchhändler, Antiquar und Leiter des Privatmuseums, Eberhard Schmidt, zusammengetragen hat. Dieser zitiert mit Überzeugung und Nachdruck den Schweizer Autor Peter Bichsel: „Jean Paul zu lesen ist wie Fremdsprachen lernen oder Tunnel bohren. Da ist Durchhaltevermögen gefragt.“ Ein Satz Jean Pauls „Lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über Sterne”, habe es ihm besonders angetan.
Handbibliothek mit über 700 Titeln
Das Jean-Paul-Museum gliedert sich in drei Teile. Das Erdgeschoss ist dem Örtchen Joditz gewidmet. Bücher und Aquarelle spiegeln die Jugendzeit Jean Pauls wieder. Stolz ist der Archivar Schmidt auf eine sehr gut erhaltene 1. Gesamtausgabe. Die Handbibliothek enthalte über 700 Titel. Nahezu alle Erstausgaben des Dichters und seiner Zeitgenossen seien hier ausgestellt. Den Band „Setteformaggi” (Siebenkäse) habe er von einer Italienreise mitgebracht. „Der große Roman Hesperus, der im 18. Jahrhundert höhere Auflagen als Goethes Schriften hatte, ist derzeit nur in Japanisch erhältlich”, zieht der Museumsleiter eines von drei Bändchen mit fernöstlichen Schriftzeichen aus dem Regal. Das Abiturzeugnis und auch die Abiturrede „Über Nutzen und Schaden neuer Wahrheiten” Jean Pauls allerdings sind im Jean-Paul-Gymnasium in Hof unter Verschluss. Dafür sind in Joditz auch große Verehrer des „fränkischen Genies” wie Robert Schumann und Hugo von Hofmannsthal mit ihren Werken antiquarisch vertreten
Lebensstationen Jean Pauls
Im Obergeschoss des Gartenhauses sind die Lebensstationen des Dichters von Wunsiedel über Joditz, Oberkotzau, Meiningen bis Bayreuth nachzuvollziehen. Handschriften, Briefe Jean Pauls gehören neben dem Türschloss des Schulmeisterleins Wutz zu den authentischsten Gegenständen des Museums. Als „Entdecker” des jungen Genies, darf der damalige Pfarrer Vogel aus Rehau im Jean Paul Museum nicht fehlen.
Ein lustig, launiges Aquarell des Bayreuther Karikaturisten Matthias Ose weißt auf Jean Pauls Hauptneigungen hin: Inmitten von Bergen ein Buch lesend mit einem Bierchen ist Jean Paul verewigt. Jean-Paul-Kenner Eberhard Schmidt weist besonders auf ein Schreiben von Herzog Georg I. von Sachsen Meiningen (1781 bis 1803) hin. Mit seiner Zusage unter anderem von „Gaben frei Porto für Bayreuther Bier” gewann er Jean Paul dafür, einige Jahre in Meiningen zu leben und zu wirken. In einem kleinen Nebenraum blickt eine lebensgroße Jean-Paul-Figur erwartungsvoll den Eintretenden entgegen. Dahinter an der Wand ein weiteres Dutzend Jean Paul Darstellungen, darunter eine Originalradierung von Horst Janssen, eine Lithographie von Michael Prechtl und eine Kohlezeichnung von Max Escher.
Leben und Arbeiten zur Zeit Jean Pauls
In der Scheune des Weberhauses finden wir Gerätschaften aus dem bäuerlichen Leben, die auch um einen Pfarrershaushalt keinen Bogen machten. Um das Gedenken an einen der großen Franken wach und lebendig zu erhalten, entstand in den Gewölben der ehemaligen Stallungen, die zum Wohnhaus der Eheleute Schmidt gehören, ein Vortrags- und Musiksaal. Hier steht auch eine Marmorbüste Jean Pauls aus Wunsiedler Marmor von dem Vielitzer Künstler Wolfgang Stephan. „Frisch und modern wie Jean Paul, der eigentlich gut zur jungen Computergeneration passt“, meint Schmidt: „Er schweift ab, springt hin und her mit seinen Gedanken, lässt diese spielen gehen in virtuellen Welten.” Wer Jean Paul lieber an frischer Luft erfahren wolle, dem empfiehlt der Museumschef den knapp zwölf Kilometer langen Jean-Paul-Weg vom Gedenkstein in Joditz bis zum Jean-Paul-Brunnen in Hof. Eine Wanderung mit literarischen Statione: Passend zu den Ausblicken oder örtlichen Gegebenheiten säumen Zitate von Jean Paul den Wegesrand. Eine Broschüre ist im Museum erhältlich.
Das Museum ist geöffnet nach Vereinbarung: telefonisch 09295 8188, per Fax 09295 913347, per E-Mail, Postanschrift: Jean-Paul-Museum Schlegelweg 2, 95189 Joditz
