
- Jean-Christophe Grangé - Das Herz der Hölle - Bastei Lübbe
Mathieu und Luc sind enge Freunde. Beide besuchten ein katholisches Internat und Priesterseminar und vertraten die Meinung, dass man den Kampf gegen das Böse besser bei der Polizei führen kann. Eines Tages findet man Luc nach einem Selbstmordversuch halbtot auf, und er vegetiert im Koma dahin.
Der geschockte Mathieu Durey will herausfinden, warum sich sein tiefgläubiger Freund umbringen wollte. Er verfolgt Lucs letzte Fälle und kommt dem Mord an der Uhrmacherin Yvonne im französischen Juragebirge an der Schweizer Grenze auf die Spur.
Ein brutaler Serienkiller im französischen Juragebirge
Die Frau wurde das Opfer eines Serienkillers und halbverwest und mit einem Kruzifix in der Vagina aufgefunden. Bald entdeckt Durey weitere Morde in ganz Europa, die demselben Schema entsprechen. Der rational denkende Christ fragt sich, was dahinter steckt.
Als er entdeckt, dass es sich nicht nur um einen Mörder handelt, sondern um mehrere, die zudem allesamt in der Vergangenheit im Koma gelegen haben, gerät Durey selbst ins Visier einer Killerbande, die ihn mit aller Gewalt an seinen Ermittlungen hindern will. Und bald ist er ganz auf sich allein gestellt.
"Das Herz der Hölle" - drei Jahre Arbeit für ein Meisterwerk
Drei Jahre hat sich der französische Bestsellerautor Jean-Christophe Grangé für „Le Serment des Limbes“, so der Originaltitel des 2007 erschienenen Romans, Zeit gelassen. "Das Herz der Hölle" führt den Leser auf fast 800 Seiten und mit einem Kilogramm Buchgewicht durch eine komplexe, aber hochspannende Handlung.
Seine Reisen führen ihn durch Frankreich, Polen, in die Schweiz, nach Italien und in den Vatikan. Dabei verliert sich Grangé niemals in Langeweile oder bedeutungslose Nebenstränge. Im Gegenteil, der Wälzer hält den Leser trotz anspruchsvoller Thematik gefangen, und die Auflösung mit vielen Wendungen und Überraschungen schockt den Leser und enttäuscht nicht.
Zugegeben, auf den ersten 100 Seiten muss man sich erst an den ungewöhnlichen Mordermittler gewöhnen. In Ichform und ausschließlich aus seiner Sicht geschrieben, bekommt der Leser nur seinen Kenntnisstand präsentiert, rätselt und leidet aber konsequent mit ihm.
Mathieu Durey – ein ungewöhnlicher Polizist jagt das Böse
Durch Gespräche, Gerichtsakten, Zeitungsartikel und Briefe erhält Durey weitere Puzzleteilchen für seine Ermittlungen, denen weder eine Tat noch ein Mörder zugrunde liegen.
Durey ist streng katholisch, humorlos und ein enthaltsamer und neurotischer Egoist, den man nur schwerlich ins Herz schließt. Sein mönchsgleiches Einzelgängertum ist nicht der Stoff, aus dem sympathische, bodenständige Ermittler geschnitzt sind.
Das Rätsel um seinen besten Freund führt ihn zuerst ins Pariser Schwarzenviertel. Dieser verschwiegene Untergrund mit seinem Aberglauben, Drogen, Prostitution, Bandenkriminalität und Voodoozauber erinnert an Grangés Roman "Das Imperium der Wölfe", der im Pariser Türkenviertel spielt.
Action und Spannung auf den Spuren von Grangés "Die purpurnen Flüsse"
Als Durey dem brutalen Mord an der Uhrmacherin in einem abgelegenen Bergdorf nachgeht, begegnet dem Leser wieder die düstere, beklemmende Atmosphäre aus Grangés Bestseller "Die purpurnen Flüsse", der fulminant mit Jean Reno und Vincent Cassel verfilmt wurde. Ein einsamer Ort im eisigen Gebirge, verschwiegene Einwohner, feindselige Polizisten, ein düsteres Geheimnis und ungeklärte Mordfälle bilden den packenden Fokus um das Opfer, deren Tochter Manon Jahre zuvor brutal ermordet worden ist.
Spätestens hier nimmt "Das Herz der Hölle" richtig Fahrt auf, und Grangé packt den Leser an den Nervenenden. Durey, der sich immer wieder über Gott und Satan auslässt, wird trotz seines strengen Glaubens zum skeptischen, rationalen Ermittler, der übernatürliche Erklärungen ablehnt.
Mathieu Durey folgt dem Mörder durch ganz Europa
Yvonne, die durch Drogen und künstliche Verwesungsstadien lebendig zu Tode gefoltert worden ist, scheint das Opfer eines perfiden Serienkillers zu sein. Durey findet mit seinem Pariser Ermittlerteam, mit dem er über Handy und E-Mail verbunden ist, heraus, dass bereits früher eine sizilianische Arbeiterin ihren Ehemann ebenso zu Tode gefoltert hat. Der Kriminalist nimmt die Spur durch ganz Europa auf.
Diese führt ihn durch die Westschweiz nach Italien, wo er fortan von einem Killerteam gejagt wird, bis nach Mailand, Sizilien, in den Vatikan, nach Krakau, Lausanne, Paris und in die Pyrenäen. Alle Spuren aufzuzählen, würde hier den Rahmen sprengen.
"Das Herz der Hölle" - Serienkiller, Satanisten und Verschwörer
Der vermeintliche Serienkiller erhält bald "Konkurrenz" vom Killerkommando, einer Satanistensekte, korrupten Polizisten und einer Verschwörung aus dem Vatikan. Letztere erinnert an Dan Browns Erfolgsromane "Sakrileg" und "Illuminati" sowie an Patrick Grahams ähnliches "Evangelium nach Satan". Bald erkennt Durey, es nicht mit einem Mörder zu tun zu haben, sondern mit verschiedenen Tätern, die alle zuvor im Koma gelegen haben.
Mehr sei hier nicht verraten. Grangé schafft es aber verblüffend leicht, die zahlreichen Motive, Spuren, Schauplätze und Personen zu einem perfekt konstruierten Gesamtbild zusammenzufügen, das seine Auflösung in einem furiosen Duell in den Bergen findet.
Durey, ein Hardboiled-Ermittler zwischen Vernunft und Glauben
Selbst der kauzige, weltfremde Mathieu Durey wird dem Leser näher gebracht und verwandelt sich zu einem skrupellosen Spürhund mit Hang zu sexuellen Gelüsten, Alkohol und Kettenrauchen im Stil der französischen Serie Noir und der US-Hardboiled-Romane seit den 1940er Jahren. Durey wird zum Spielball zwischen Gottes- und Aberglauben, Religion und Rationalität und auf den Spuren des Bösen selbst zum Gewalttäter und Mörder.
Zusammen mit einigen Sexakten, harten Mord- und Gewaltszenen, einer Autoverfolgungsjagd im vereisten Gebirge, furiosen Kämpfen und Schießereien und konstanter Hochspannung dirigiert Grangé seine Handlung virtuos durch Genres wie den Kriminalroman, Horror, Phantastik, Detektivfälle und Verschwörungsthriller, um schließlich in einem raffinierten Krimipuzzle zu enden.
Jean-Christophe Grangé – der französische Erfolgsautor
Jean Christophe Grange, geboren 1961 in Paris, begann seine Karriere als Journalist, der um die Welt reiste und mit den Mongolen, Eskimos, Tuaregs und Pygmäen lebte. Seine ungewöhnlichen Reportagen erschienen in Magazinen wie Spiegel, Stern, Sunday Times, El Pais, Gala, The Observer und Paris Match.
1994 erschien sein Debütroman "Der Flug der Störche", dem weitere Erfolgsbücher wie "Die purpurnen Flüsse" (1997), "Der steinerne Kreis" (2000), "Das Imperium der Wölfe" (2003), "Das schwarze Blut" (2004), "Das Herz der Hölle" (2007) und zuletzt "Der Choral des Todes" (2008) folgten.
Drei Romane wurden bereits verfilmt, und Grangé lieferte die literarischen Vorlagen für die Filme "Six Pack" (1998), "Vidocq" (2001) und "Die purpurnen Flüsse 2" (2004).
Jean Christophe Grangé: Das Herz der Hölle. Bastei Lübbe 2009. Broschiert, 778 Seiten. 9,95 Euro.
