Das Verdienst Jeanne-Claudes
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Christo war sie mit aufsehenerregenden Verhüllungsaktionen bekannt geworden. 5 Jahrzehnte gemeinsamer künstlerischer Aktionen fanden am 18.November 2009 ein abruptes Ende. An diesem Tag erlag Jeanne-Claude im Alter von 74 Jahren in New York einer Gehirnblutung.
Bis zum Tage ihres Todes waren sie unzertrennlich; eines der wenigen Künstlerpaare unserer Zeit. Ein Paar, in dem der Eine ohne den Anderen nicht existieren konnte. Umso erstaunlicher ist nun der Entschluss Christos die geplante Projekte „Over The River“ für den Arkansas Fluss in Colorado und „The Mastaba“ in den Vereinigten Emiraten umzusetzen.
Christo übernahm in Ihrer kreativen Arbeit den künstlerischen Part, während Jeanne-Claude sich um die Organisation und den finanziellen Teil kümmerte. Bemerkenswert ist, dass sie Sponsorengelder rigoros ablehnten, ohne öffentliche Zuschüsse arbeiteten und alle ihre Projekte ausschließlich selbst finanzierten. Deshalb dauerte es auch zum Teil Jahre oder Jahrzehnte bis bestimmte Vorhaben umgesetzt werden konnten. Dies war das Hauptverdienst von Jeanne-Claude, die sich um die Vermarktung und den Verkauf von Arbeitsskizzen und Collagen, Projektzeichnungen und Bildmaterials kümmerte, die Genehmigungen bei den zuständigen Behörden einholte, Helfer engagierte und koordinierte, kurzum das gesamte Projekt organisierte.
Der Beginn einer künstlerischen Zusammenarbeit
Jeanne-Claude und Christo wurden am selben Tag geboren, dem 13. Juni 1935. Christo, eigentlich Christo Wladimirow Lawaschew in Gabrowo (Bulgarien) und Jeanne-Claude in Casablanca. Ihre Familie zog schon bald aus beruflichen Gründen ihres Stiefvaters Jaques de Guillebon nach Paris, wo sie sich im Gegensatz zu Christo in privilegierten Kreisen bewegte. Sie machte ihren Schulabschluss mit Auszeichnung und begann zunächst eine Ausbildung als Flugbegleiterin bei der Air France.
Christo hingegen wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, sein künstlerisches Talent wurde bereits im Alter von sechs Jahren entdeckt und von Künstlern gefördert. 1957 floh er, nachdem ihm die Aufnahme in die Akademie der Schönen Künste misslang, zunächst nach Wien und ging später nach Paris. Hier lernte er 1958 Jeanne-Claude kennen. Lange hielten sie ihre Liebe geheim. Doch als die Eltern von Jeanne-Claude hinter die Liaison kamen, versagten sie ihnen jede finanzielle Hilfe. Bis dato hatten sie Christo unterstützt, ihm Aufträge für Porträts erteilt.
Der internationale Durchbruch
Bekannt wurde Christo nachdem er sich der französischen Künstlerbewegung „Nouveau Réalisme“ angeschlossen hatte. Die Wurzeln seiner künstlerischen Arbeit liegen in der Objektkunst. Seit dem Jahre 1959 widmete er sich immer mehr den Verhüllungen, wobei er einen neuen Stil anwendet. Zu Beginn dieser neuen Phase behandelte er das Material mit Leim und Sand, nun verzichtete er darauf.
Es folgten Verhüllungsaktionen an Gebäuden und diverse Projekte in Landschaftsräumen, Industrieobjekten oder bekannten Bauwerken wie dem Deutschen Reichstag 1995. 23 Jahre dauerte es bis dieses Vorhaben realisiert werden konnte. Wie so oft galt es Überzeugungsarbeit zu leisten, insbesondere bei der Deutschen Regierung, die anfangs dem Vorhaben sehr kritisch gegenüberstand.
Das Werk – eine Auswahl
- 1991: "Umbrellas": zeitgleich werden in Japan und Kalifornien gelbe und blaue Schirme aufgestellt.
- 1961: Erste gemeinsame Aktion gestapelte Ölfässer und Verhüllungen im Hafen von Köln.
- 1962: Erstes monumentales Projekt, der Eiserne Vorhang – eine Mauer aus Ölfässern. Eine Seitenstraße an der Seine wurde durch hoch aufgestapelte Ölfässer versperrt.
- 1969: Australien: Verhüllung eines Teiles der Felsküste mit rund 900.00 Quadratmetern Plastikfolie.
- 1972: US-Staat Colorado-Tal: Ein Teil des Tales wird mit einem 380 Meter breiten Nylon-Vorhang zugehängt
- 1983: Elf Kleinstinseln in der Biscayne-Bucht vor der Küste Miamis werden mit rosa Plastikhüllen umhüllt und verwandeln die vom Menschen verschmutzten Inseln für zwei Wochen in „ Seerosen“.
- 1985: Die älteste Brücke von Paris, die "Pont Neuf" wird mit 40.000 m² sandfarbenem Polyamidgewebe verhüllt.
- 1994: Verhüllung des Berliner Reichstags.
- 2005: „Die Tore“ : Auf einer Länge von 37 Kilometern errichtet das Paar einen langen Fluss aus orangefarbenen Stoffbahnen.
