Jens Lehmann – ein Torhüter im Porträt

Der exzentrische Keeper beendet seine Karriere nach dieser Saison

Jens Lehmann - Nach deiser Saison ist Schluss - http://www.everystockphoto.com/photo.php?imageId=1
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Höhen und Tiefen. Auf kaum einen anderen Fußballer trifft dies zu, wie auf Jens Lehmann. Doch nach dieser Saison ist Schluss. Dann geht Lehmann in den Ruhestand.

Lange ging es hin und her. Jetzt aber ist es amtlich: Keeper-Oldie Jens Lehmann hängt seine Torwarthandschuhe nach dieser Saison an den Nagel und beendet seine lange wechselhafte Karriere. Lehmann gab an auch keine Angebote mehr aus dem Ausland annehmen zu wollen. Der Familienrat der Lehmanns habe dies beschlossen. Damit verliert die Bundesliga eines der schillerndsten Gesichter und eine der umstrittensten Persönlichkeiten in den letzten Jahren.

Denn trotz all seiner sportlichen Glanzleistungen bis ins Alter von 40 Jahren, erlaubte sich der verbissene "Fußball-Wahnsinnige" Lehmann bis zuletzt auch immer wieder Entgleisungen: vom Brillenklau eines Stuttgarter Fans, der vermeintlichen "Pinkelaffäre" im Europapokal, bis hin zu seinem rotwürdigen Rempler und Fußtritt gegen den Mainzer Stürmer Bancé – die Liste allein in dieser Saison ist lang. Nun geht das Enfant Terrible der Torwarte in Rente. Zeit für ein kurzes Porträt seiner Karriere.

Lehmann und die Schalker "Eurofighter"

Lehmann begann seine Karriere im professionellen Fußball 1989 bei Schalke 04, damals wohlgemerkt noch in der 2. Bundesliga. Nach dem Aufstieg 1991 schaffte es Lehmann mit den "Königsblauen" den Uefa-Cup 1997 zu gewinnen. Damit gehört Lehmann zu den legendären "Eurofightern", angetrieben vom damaligen Schalker Trainer Huub Stevens. Mit den europäischen Triumph in der Tasche machte sich Lehmann dann ein Jahr später auf zum AC Mailand.

Bank statt Tor beim AC Mailand

Bei den "Rosso-Neri" hatte Lehmann allerdings einen deutlich schweren Stand als in Gelsenkirchen. Das Resultat nach einigen Patzern und schlechten Kritiken war, dass Lehmann seinen Posten für den zweiten Torhüter, Sebastiano Rossi, räumen musste. Prekär: Zwar erhielt Lehmann noch einmal die Gelegenheit von Anfang an zu spielen, wurde aber vom damaligen Coach des italienischen Spitzenvereins, Fabio Capello, nach nur 27 Minuten ausgewechselt. Im Dezember 1998 war das Experiment Italien für Lehmann vorzeitig nach nur einem halben Jahr beendet und er wechselte zurück in die Bundesliga. Ausgerechnet zum Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund.

Rückkehr in die Bundesliga zum Erzrivalen

Die Rückkehr in den Ruhrpott wurde ihm seitens der S04-Anhänger übel genommen, zumal Lehmann sich ja für die Schwarz-Gelben aus Dortmund entschied. Dennoch sollte der Ex-Schalker Lehmann hier auch seine erste nationale Meisterschaft in der Saison 2001 / 2002 feiern – trotz persönlicher starker Leistungsschwankungen. Seine sich häufenden Patzer und Ausraster, plus seine Schalker Vergangenheit, heimsten ihm nicht immer die volle Unterstützungen der Borussen-Fans ein. So überraschte es nicht, als der damals 33-jährige Lehmann 2003 Borussia Dortmund verließ und beim englischen Top-Klub Arsenal London anheuerte.

Jens Lehmann: Top Gun bei den 'Gunners'

Bei den 'Gunners' feierte Lehmann seine persönlich erfolgreichste Saison, als er mit Arsenal auf Anhieb ungeschlagen Meister wurde. Doch auch in London sollte Lehmann zwei Seiten zeigen. So brillierte er mal mit Glanzparaden, was ihm auch bei der Weltmeisterschaft 2006 den Vorzug gegen seinen Dauerkonkurrenten im Tor der Deutschen Nationalmannschaft, Oliver Kahn, brachte. Aber immer wieder schlichen sich auch Patzer und – gelinde gesagt – grenzwertiges Verhalten bei Lehmann ein. Dadurch verlor er als deutsche Nummer Eins seinen Stammplatz gegen den Spanier Almunia und verließ London im Sommer 2008 dann endgültig in Richtung Stuttgart.

Altersmilde beim VfB Stuttgart?

Im Herbst seiner Karriere hätte manch einer wohl erwartet, dass der auf dem Feld hyperaggressive Lehmann eventuell ruhiger würde. Diese Altersmilde blieb dem Keeper verwährt. Stattdessen machte er besonders in der laufenden Spielzeit wieder vermehrt mit den eingangs geschilderten Unsportlichkeiten auf und abseits des Platzes auf sich aufmerksam. Nach zwei Jahren beim VfB Stuttgart gab der Exzentriker aller Torhüter jetzt bekannt, dass er am 8. Mai ein letztes Mal im Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim auflaufen wird.