Jim Henson – Eine Biographie des Schöpfers der "Muppets"

Jim Henson bei der Emmy-Verleihung 1989 - Photo by Alan Light
Jim Henson bei der Emmy-Verleihung 1989 - Photo by Alan Light
Kermit der Frosch, die Fraggles, Ernie und Bert wurden von ihm kreiert, aber er war auch an Star Wars und Yoda beteiligt,

Als Jim Henson am 16. Mai 1990 an einer verschleppten Lungenentzündung starb, erschienen zu seiner Gedenkfeier seinem Wunsch folgend keine schwarz gekleideten Gäste. Stattdessen wurde „The Saints Go Marching In“ gespielt und die „Muppet“-Spieler trugen mit ihren Puppen ein Medley aus Jim Hensons Lieblings-Muppet-Songs vor, das mit „Just One Person“ endete. Diese Feier war wie sein Leben von seinen Puppen geprägt.

Der Beginn der Karriere mit „Sam and Friends“

Jim Henson wurde am 24. September 1936 in Greenville, Mississippi geboren und zog mit seiner Familie Ende der 1940er Jahre nach Maryland in die Nähe von Washington, DC. Dort begann seine Karriere als Puppenspieler, als er für einen lokalen Fernsehsender erste Puppen entwickelte. Während seines Studiums an der University of Maryland konzeptionierte er dann die fünfminütige Sendung „Sam and Friends“, in der der Grundentwurf zu Kermit dem Frosch erstmals auftrat. Vor allem aber experimentierte Henson mit den Möglichkeiten, die ihm die Verbindung aus Puppenspiel und Fernsehen bot. Beispielsweise nutzte er den Kameraausschnitt, um die Puppenspieler vor dem Zuschauer zu verbergen. Damit schuf er einen imaginierten Raum, eine Art Bühne für die Puppen, auf der sie sich freier bewegen konnten und zugleich lebendiger erschienen. Außerdem nutzt er Puppen, deren Mund und Hände sich wirklich bewegen ließen.

Die „Muppets“ sind geboren

„Sam and Friends“ und vor allem die auftretenden Puppen hatten Erfolg, so dass seine „Muppets“ in vielen Werbespots und anderen Sendungen auftraten. Sie waren Gäste der „Tonight Show“ und „Hollywood Squares“, der Hund Rowlf wurde in den 1960er Jahren fester Bestandteil der „Jimmy Dean Show“ und damit der erste Muppet, der regelmäßig im Fernsehen auftrat. In dieser Zeit gründete Jim Henson mit seiner Frau Jane, mit der er bereits in „Sam and Friends“ zusammengearbeitet hat, in New York die Firma „Muppets, Inc.“. Außerdem begegnete er Frank Oz, der für Jim Henson der beste Puppenspieler der Welt war, und Jerry Juhl, der in den nächsten 35 Jahren an fast allen Muppet-Produktionen mitschreiben sollte.

Woher kommt der Name „Muppets“?

Lange Zeit hat Jim Henson behauptet, dass der Begriff „Muppet“ eine Verbindung aus „puppet“ und „marionette“ sei. Aber in späteren Interviews hat er mehrfach betont, dass er sich diese Antwort ausgedacht habe, damit der Fragesteller eine befriedigende Aussage erhalte. Stattdessen sei ihm das Wort einfach in den Sinn gekommen. Es gibt aber auch Aussagen von Jim Henson, in denen er seinen Eltern die Urheberschaft zuschreibt. Vermutlich wusste er selbst nicht mehr genau, wie es zu den „Muppets“ gekommen ist – aber diesen Begriff verwendete er vor der gleichnamigen Show.

Großer Erfolg mit der „Sesamstraße“

Im Jahr 1968 arbeitete ein Team des „Children’s Television Workshop“ an einer Kindersendung namens „Sesamstraße“, die durch ihren Ausstrahlungsrhythmus, die behandelten Themen und dem sozialen Anspruch das Kinderfernsehen dauerhaft verändern sollte. In dieser fiktiven Straße sollten neben Menschen auch lustige Puppen wohnen, mit deren Entwicklung Jim Henson beauftragt wurde. Er schuf Charaktere wie das Krümelmonster, den Grafen Zahl, Bibo, Bert und Ernie, den er er wie Kermit den Frosch auch selbst spielte. Zuletzt wirkte Jim Henson im November 1989 bei der „Sesamstraße“ mit. Als Kermit der Frosch interviewte er einen Vogel, dessen Eltern in getrennten Bäumen leben.

„Die Muppet Show“ – Eine Sendung für Erwachsene

Jim Henson und sein Team befürchteten, dass die Firma auf Kindersendungen festgelegt werden könnte, so dass sie eine Sendung für ein erwachsenes Publikum schaffen wollten. Nachdem sie für die erste Staffel der revolutionären Comedy-Sendung „Saturday Night Live“ eine Sketchreihe entwickelt hatten, arbeitete Jim Henson an einer Broadway Show und einer wöchentlichen Fernsehsendung (vgl. Finch). Aber die us-amerikanischen Fernsehsender glaubten nicht, dass sich Erwachsende für die Muppets begeistern können und lehnten „The Muppet Show“ ab. Stattdessen konnte Jim Henson den Briten Lew Grade als Geldgeber für die Show gewinnen. Also setzte er seine Arbeit an der Broadway-Show aus, zog mit seinem Team nach England und begann mit dem Dreh der „Muppet Show“.

Sehr schnell zeigte sich, dass die „Muppet Show“ ein großer Erfolg war – und noch heute ist Jim Hensons Name vor allem mit dieser Sendung verbunden. Drei Jahre nach der Erstausstrahlung kam mit „The Muppet Movie“ der erste Film ins Kino, der Song „The Rainbow Connection“ wurde sogar für einen Oscar nominiert. Anschließend führte Jim Henson noch bei „Die große Muppet-Party“ Regie, entschied sich dann aber, die „Muppet Show“ einzustellen und stattdessen an Filmen zu arbeiten.

Jim Henson und „Star Wars“

Jim Hensons Firma arbeitet immer auch mit anderen Filmemachern zusammen. So war sie an an der Entwicklung der populären „Star Wars“-Charaktere Yoda, Jabba the Hutt und den Ewoks der „Star Wars“-Filme beteiligt. Außerdem hat Jim Henson George Lucas vorgeschlagen, er solle Frank Oz als Spieler und Stimme von Yoda nehmen (vgl. Finch).

„Die Fraggles“ und „Der dunkle Kristall“ – Weitere Sendungen von Jim Henson

Im Jahr 1982 gründete Jim Henson die „Jim Henson Foundation“, mit der die Puppenspielkunst in den USA gefördert werden soll. Außerdem arbeitete er an realistischeren Filmen wie „Der dunkle Kristall“ und „Die Reise ins Labyrinth“, die sich erst im Lauf der Jahre als Erfolg herausstellten. Darüber hinaus schuf er auch weitere Kindersendungen, von denen insbesondere die „Die Fraggles“ und die animierten „Muppet Babies“ weltweit reüssierten. Ab 1987 arbeitete Jim Henson an der Fernsehserie „Jim Henson’s The Storyteller“, in der in neun Episoden Märchen in einer Mischung aus Animations- und Realfilm erzählt werden. Seine Serie „Dinosaurier“, an der er seit den späten 1980er Jahren feilte, wurde erst nach seinem Tod ausgestrahlt.

Der Fortbestand der Arbeit nach seinem Tod

Nach Jim Hensons Tod führte sein Sohn Brian bei der „Muppets Weihnachtsgeschichte“ und der „Muppets Schatzinsel“ Regie und war Produzent der „Dinosaurier“-Serie. Allerdings wurde am 17. Februar 2004 bekannt, dass die Rechte an den „Muppets“ an die Walt Disney Company verkauft wurden. Die „Jim Henson Company“ und die „Jim Henson Foundation“ werden aber weiterhin von Jim Hensons Kindern geführt.

©The Muppets Holding Company, LLC and BVHE. MUPPETS and The Muppet Show are trademarks of The Muppets Holding Company, LLC. All Rights Reserved.

Christopher Finch: Jim Henson. The Art, the Magic, the Imagination. Random House 1993.

Die erste Staffel der „Die Muppet-Show“ ist seit Dezember 2010 in deutscher Sprache erhältlich, zwei weitere Teile folgen. Außerdem gibt es die Filme mit den Muppets ebenfalls auf DVD.

Sonja Hartl - Als freie Kritikerin, Autorin und Redakteurin lese, arbeite und lebe ich in Bonn.

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